Armes Inzell: Sechs Katastrophen in sieben Jahren!

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Es klingt makaber, aber in Inzell ist man Katastrophen gewohnt.

Inzell - Flammen. Nicht schon wieder Flammen. „Das kann nicht wahr sein!“ Das war einer der ersten Gedanken des Inzeller Bürgermeisters Martin Hobmaier (CSU), als er von der Explosions-Tragödie erfuhr.

In den sieben Jahren seiner Amtszeit hat seine Gemeinde schon vier Großbrände, eine Überschwemmung und ein Busunglück mitmachen müssen. Vorgestern hat sich wieder gezeigt, dass das Dorf dadurch eng zusammenrückt ist. Das wohl – bislang – schlimmste Unglück liegt erst zwei Jahre zurück: Das über 460 Jahre alte Traditions-Hotel zur Post brennt in der Nacht auf den 20. Mai zu einer Ruine nieder. Rund 70 Gäste müssen evakuiert werden. Der Schaden: sechs bis sieben Millionen Euro. Die Bilder am Tag nach dem Großbrand erinnern an die vom Mittwoch rund um das explodierte Haus. Der Ort des Geschehens ist ein einziges Trümmerfeld.

Es war nicht das einzige verheerende Großfeuer: Auch zwei Privathäuser und eine Sägewerk brannten in den vergangenen Jahren nieder. An die Hochwasserkatastrophe 2003 erinnert sich Bürgermeister Hobmaier mit gemischten Gefühlen: „Schon damals habe ich gemerkt, dass der Zusammenhalt im Dorf riesig ist. Alle haben sich gegenseitig mit Sandsäcken ausgeholfen und dann beim Ausschaufeln der Keller und Gärten angepackt. Das war trotz der Umstände eine schöne Erfahrung.“

Als Mittwochnacht der halbe Ortsteil Breitmoos zerstört wird, stehen innerhalb weniger Stunden Dutzende Inzeller auch aus anderen Ortsteilen mit Schaufeln, Schubkarren und sogar Baggern bereit. „Es klingt makaber“, sagt der Bürgermeister. „Aber man merkt, dass das Dorf erprobt ist. Mittlerweile denkt gar keiner mehr nach, jeder rückt gleich aus. Für die Handwerker ist es selbstverständlich, alle regulären Termine abzusagen und mitzuhelfen.“ Schon früh am Morgen treten sich die Helfer fast auf die Füße, vor dem Ortseingang parken Glaser neben Schreinern in Reih und Glied. „Diese Hilfsbereitschaft hat uns wirklich umgehauen“, berichtet die direkte Nachbarin Eva Bötsch, deren halbes Dach bei der Explosion weggesprengt wurde. „Eine Firma hat uns kostenlos und unaufgefordert die Ziegel geliefert und mit der Hilfe der anderen war das Dach abends wieder dicht.“ Sie wisse zwar noch nicht sicher, ob die Versicherung den Schaden bei den angrenzenden Häusern wirklich bezahlt. „Aber wir sind zuversichtlich. Wir werden auch das gemeinsam durchstehen!“

Auch wenn die vielen Unglücke, die die Inzeller ertragen müssen, die Dorfgemeinschaft stärken – Bürgermeister Hobmaier hat genug: „Unser Bedarf an Katastrophen ist gedeckt!“

Nina Bautz

Quelle: rosenheim24.de

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