ÖDP: "Wenn TTIP kommt, wird in Ampfing gefrackt"

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Ampfing - RAG hat Fracking kategorisch ausgeschlossen, ÖDP-Kreisrat Reinhard Retzer befürchtet dennoch, dass in Ampfing irgendwann gefrackt wird - und zwar wegen TTIP.

Die Nachricht, dass im Ampfing wieder nach Öl gebohrt werden könnte, schlug in den letzten Wochen hohe Wellen, auch das Reizwort Fracking machte die Runde. Mithilfe des sogenannten "Hydraulic Fracturing" (hydraulisches Aufbrechen) ist es möglich, Gas- und Ölvorkommen aus Gesteinsschichten mit geringer Durchlässigkeit zu lösen. Die USA etwa erleben dank Fracking gerade einen regelrechten Erdöl-Boom. In Deutschland ist Fracking allerdings höchst umstritten. Kritiker warnen vor allem vor gravierenden Folgen für die Umwelt, immerhin werden bei Bohrungen Millionen Liter eines Wasser-Sand-Gemisches in die Erde gepresst, das mit verschiedenen Chemikalien vermischt wurde.

Lockt TTIP Fracking-Konzerne an?

Mit dem geplanten Erdölprojekt in Ampfing hat das alles nichts zu tun. Das Unternehmen RAG, das das Projekt vorantreibt und für 2015 Erkundungsbohrungen angekündigt hat, veröffentlichte Ende vergangener Woche eine Pressemitteilung, in der unmissverständlich klargestellt wird: "Aufgrund der geologischen Gegebenheiten ist in Ampfing ausschließlich eine konventionelle Förderung sinnvoll – sogenanntes "Fracking" kommt nicht zum Einsatz und wird von der RAG kategorisch ausgeschlossen."

Der ÖDP-Kreisrat Reinhard Retzer ist jedoch weiter skeptisch. "Die konventionelle Erdölbohrung in Ampfing durch die RAG ist lediglich die Vorstufe für das Fracking", so Retzer in einer schriftlichen Stellungnahme. "Wenn es tatsächlich zum Abschluss der Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada sowie von TTIP zwischen der EU und den USA kommt, dann ist das Fracking mittelfristig nicht mehr aufzuhalten", meint der ÖDP-Politiker. Der darin verankerte Investitionsschutz für Konzerne aus den USA und Kanada würde den Einstieg dort ansässiger Öl-Konzerne wie Chevron oder Lone Pine in Unternehmen wie die RAG attraktiv machen, um die Öl- und Gasförderung mittels Fracking zu intensivieren, so die Einschätzung des Kreisrats. "Ein staatliches Fracking-Verbot würde wirkungslos verpuffen", ist Retzer überzeugt. Konkret befürchtet der ÖDP-Politiker, dass Unternehmen, die Fracking einsetzen wollen, im Rahmen des Freihandelsabkommens vor einem Schiedsgericht gegen ein Frackingverbot klagen und womöglich sogar Recht bekommen könnten.

Erkundungsbohrungen ab Mitte 2015

Ampfing berühren Retzers Überlegungen gegenwärtig jedoch nicht. RAG plant dort in enger Abstimmung mit der Gemeinde Erkundungsbohrungen im "Ampfinger Sandstein". Einer Studie aus dem Jahr 2008 zufolge befindet sich dort ein Förderpotenzial von zirka 560.000 Tonnen Erdöl. Dieses Vorkommen will die RAG nun fördern - auf konventionellem Weg, ganz ohne Fracking. Mitte 2015 sollen die Erkundungsbohrungen starten.

Am Mittwochvormittag eröffnet die RAG am Kirchenplatz in Ampfing ein Informationsbüro. Dieses Büro soll in Sachen Ölförderung die zentrale Anlaufstelle für die Bürger werden. Auch Informationsabende sollen dort stattfinden.

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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