Warnschilder ohne Wirkung?

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So sehen sie aus: Die Geisterfahrer-Warnschilder, die im Rahmen eines Pilotversuchs im November 2011 an der A94 installiert wurden.
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Landkreis - Nach den tödlichen Unfällen durch Geisterfahrer sollen an jeder Autobahnauffahrt  Warnschilder angebracht werden. Doch bewirken sie überhaupt etwas?

Zwei schreckliche Unfälle in den letzten Wochen rücken die Problematik von Geisterfahrern auf den Autobahnen wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein: Nahe Hirschaid befuhr eine 31-Jährige die Autobahn 73 in die falsche Richtung und prallte dort fontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammen - fünf Menschen starben, darunter zwei Kinder. Keine drei Wochen später befuhr ein 24-Jähriger die A46 in falscher Richtung, bei Meschede kam es schließlich zum Unglück. Vieles spricht in diesem Fall für einen Selbstmord. Der 24-Jährige riss vier Menschen mit in den Tod.

Nach diesen Geschehnissen meldete sich auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zu Wort: Um Geisterfahrer-Unfälle zu verhindern, will er alle deutschen Autobahn-Auffahrten mit Warntafeln ausstatten. "STOP - FALSCH" ist auf den neongelben Schildern zu sehen nebst einer schwarzen Hand, die Falschfahrer im letzten Moment davon abhalten soll, in den Gegenverkehr zu rasen.

Geisterfahrer-Zahlen scheinen unverändert

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In einem Pilotversuch, der vorab die Wirksamkeit der Warnschilder testen sollte, wurden diese Schilder unter anderem an der A94 installiert. Eine Autobahn die vormals berüchtigt war für ihre vielen Geisterfahrer . Auf insgesamt 32,5 Kilometer wurden sieben Anschlussstellen mit 24 Tafeln versehen - von Marktl bis Mühldorf. Der Versuch startete im November 2011 und sollte ein knappes Jahr dauern.

Auf Anfrage von innsalzach24 teilte das Innenministerium jedoch mit, dass noch keine Zahlen mitgeteilt werden können. Der Messzeitraum sei verlängert worden - bis zum Herbst 2013, also um ein ganzes Jahr. Zahlen lägen zwar vor, nur sei der Messzeitraum wohl doch zu kurz gewesen, ein Zwischenergebnis möglicherweise nicht repräsentativ. Falschfahrer, die sich von den Schildern vielleicht haben abhalten lassen, könnten schließlich auch nicht erfasst werden.

Aber auch ohne präzise Ergebnisse des Pilotversuchs sprechen die Zahlen an Geisterfahrern auf der A94 eine deutliche Sprache: 2010 waren es elf Falschfahrer, 2011 neun, die die A94 in falsche Richtung befuhren. Im ersten halben Jahr 2012 waren es bereits fünf Falschfahrer - statistisch gerechnet, hat sich also an der Häufigkeit der Geisterfahrten bislang nichts geändert - die A94 ist und bleibt Geisterfahrten betreffend unter den bayerischen Autobahnen eine der gefährlichsten Straßen .

"Gegen den, der wendet, können sie überhaupt nichts machen"

Von der Wirksamkeit der Schilder überzeugt: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

ADAC-Sprecher Otto Saalmann hält die Aufstellung der Geisterfahrer-Warnschilder prinzipiell für eine gute Idee: „Bloß gegen denjenigen, der auf der Autobahn wendet, können sie überhaupt nichts machen.“ Das gelte auch für Geisterfahrer, die in Selbstmordabsicht unterwegs seien oder für die diese Fahrt eine Mutprobe sei.

Diese speziellen Fälle ließen sich vielleicht nur durch auf der Autobahnauffahrt installierte Metallzacken - wie auf vielen Hauptverkehrsadern in den USA oder der Türkei bereits in Verwendung - aufhalten. Diese Möglichkeit schloss Ramsauer jedoch völlig aus.

Es bleiben also nur die konkreten Ergebnisse des Innenministeriums im Herbst 2013 abzuwarten: Haben die Schilder tatsächlich etwas geleistet? Die aktuell vorliegenden Zahlen ernüchtern, ein endgültiges Ergebnis kann aber nur die Studie des Ministeriums bringen.

rr/dpa/innsalzach24

Quelle: innsalzach24.de

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