Prozess am Amtsgericht Altötting

Haarfetischisten-Prozess: Das Urteil ist gefallen

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Altötting - Ein 33-Jähriger hat sich am Donnerstag vor Gericht verantworten müssen. Er schnitt zwei Models die Haare ab, das dafür versprochene Geld sahen die Damen aber nie.

UPDATE 13.35 Uhr

Der Angeklagte wurde soeben zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung.

Wegen Betrugs wurde er zu 14 Monaten Haft verurteilt. Dies hat das Gericht mit einer alten Strafe zur Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Monaten verrechnet.

"Was stark gegen ihn spricht, ist, dass zwei Models ihre Haare geopfert haben und nichts, aber auch gar nichts, bekommen haben", so der Richter. "Der Angeklagte hat gewusst, dass er sich dieses Opfer - und es war ein erhebliches Opfer - erschleicht." Der Richter sah in dem Verlust der Haare einen "schlimmen materiellen und auch persönlichen Schaden".

Eine Bewährungsauflage ist, dass der Angeklagte den beiden jungen Frauen in regelmäßigen Raten insgesamt je 2000 Euro zahlt. Außerdem muss der 33-Jährige eine Therapie machen. Der Gutachter habe gesagt, der Hintergrund der Tat sei ein Fetischismus und der Angeklagte werde dies bestimmt wieder tun, wenn er nicht therapiert werde, erklärte der Richter. "Ohne diese Therapie kann man keine günstige Prognose rechtfertigen."

Anklage und Verteidigung erklärten Rechtsmittelverzicht, das Urteil ist damit rechtskräftig.

UPDATE 12.50 Uhr

Plädoyers von Anklage und Verteidigung

Soeben haben Anklage und Verteidigung ihre Plädoyers vorgetragen. Der Staatsanwalt sieht den Betrug als "eindeutig" an und wertete "den immensen Schaden", der entstanden sei, zu Lasten des Angeklagten. Zudem sei der Angeklagte "wegen solcher Aktionen" schon verurteilt wurden. Zugunsten des Angeklagten wertete der Staatsanwalt die seelisch-sexuelle Erkrankung des 33-Jährigen. "Es hat sich eine sexuelle Abweichung ergeben, der er nichts entgegenzusetzen hat", so der Staatsanwalt. Mit einer hohen Strafe möchte die Anklage Druck auf den Angeklagten ausüben, sich in Therapie zu begeben, so der Staatsanwalt, der eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung forderte. Außerdem solle der Angeklagte zugunsten der beiden Models je 2500 Euro zahlen und eine Therapie machen.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Erhard Frank, sagte in seinem Plädoyer, die Vorbelastungen des Angeklagten seien nicht einschlägig. Außerdem bewertete Frank den entstandenen Schaden anders. Der Schaden liege bei 3000 Euro (1500 Euro pro Haupthaar der Models). Die vereinbarte Summe von 30.000 Euro hält der Jurist hingegen für überzogen. "Das hat doch die Claudia Schiffer zu ihren besten Zeiten nicht bekommen für einen Tag", so Frank. Der Verteidiger beantragte eine Freiheitsstrafe von einem  Jahr, ebenfalls ausgesetzt zur Bewährung und verbunden mit einer Therapieauflage sowie einer Entschädigung für die Models.

UPDATE 11.55 Uhr

Aussage der Models

Eines der beiden Models hat die Begegnung mit dem Angeklagten geschildert. Anders als vereinbart, sei das Treffen in keinem Studio, sondern in der Privatwohnung des 33-Jährigen gewesen. "Er hat ferngeschaut und war etwas unhöflich", so die 22-jährige Zeugin. Als der Angeklagte gehört habe, dass ihr Freund im Auto warte, habe er gesagt, dann dränge ja die Zeit. Man könne nicht mehr auf die Visagistin warten, er müsse die Haare selbst abschneiden. Was er dann auch tat. Das ganze filmte der 33-Jährige mit der Kamera seines Laptops. "Das war´s dann auch schon. Ich habe meine Haare noch bekommen und bin gegangen", so die Zeugin. Am Angeklagten hatte die 22-Jährige nach eigener Aussage nichts auffälliges bemerkt.

Die junge Frau, die seit 2010 gelegentlich als Model gearbeitet hatte, hat diese Tätigkeit inzwischen aufgegeben.

Das zweite Model ist bei der Verhandlung nicht anwesend. Der Richter hat deshalb das Protokoll ihrer Aussage bei der Polizei getätigten Aussage verlesen. "Mir kam das Ganze mehr als komisch vor. Ich bemerkte, wie seine Hände gezittert haben", schilderte die junge Frau bei der Polizei das Haareschneiden. Anschließend habe der Angeklagte den Raum verlassen, angeblich um ein Rasiergel zu holen. Schließlich habe er die Zeugin ins Bad gerufen, wo er eine Flüssigkeit auf ihrem Kopf verteilt habe. "Weiter will ich gar nicht darüber nachdenken, um welche Flüssigkeit es sich gehandelt haben könnte", so die Zeugin in ihrer Aussage bei der Polizei.

Aussage des Gutachters

Der psychiatrische Sachverständige dürfte soeben Licht ins Dunkel gebracht haben, inwieweit bei dem Angeklagten ein Haarfetischismus vorliegt. Allerdings fand die Aussage des Gutachters unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Verteidiger des Angeklagten hatte dies beantragt, der Staatsanwalt hatte keine Einwände.

UPDATE 11.25 Uhr - Aussage des Angeklagten

Soeben hat die Verhandlung begonnen. Die Anklage wirft dem 33-Jährigen vor, dass er von vornherein beabsichtigte, die 30.000 Euro nie zu zahlen. Die Vermutung wird auch durch die Lebensumstände des Angeklagten gestürzt. Der 33-Jährige ist seit knapp zwei Jahren arbeitslos und hat Schulden, unter anderem wegen einer früheren Strafe. Zur Bewältigung der Schulden hat der Angeklagte sogar eine Betreuerin. Auf Nachfrage des Richters, ob er geglaubt habe, die 30.000 Euro zahlen zu können, sagte der 33-Jährige: "Nein, die kann ich nicht zahlen."

Freilich wollte der Richter wissen, was es bringe, Frauen die Haare abzuschneiden. Der Angeklagte antwortete darauf lapidar: "Gar nichts, das ist ein Blödsinn gewesen."  Der 33-Jährige bestritt, durch das Abschneiden von Frauenhaar erregt zu werden. Licht ins Dunkel muss in diesem Punkt wohl die Aussage eines Gutachters bringen, der später gehört werden soll.

Die erste Zeugin der Verhandlung war jene Frau von der Modelagentur, die mit dem Angeklagten die Details der Modelbuchung ausgehandelt hat. Auf Nachfrage des Richters, ob derartige Buchungen häufiger vorkommen, erklärte die 35-Jährige: "Wir finden bei solchen Sachen nichts Merkwürdiges." Allerdings sei ein solcher Kundenwunsch bislang noch nicht vorgekommen.

Mit dem Angeklagten sei vereinbart worden, dass er den beiden Damen die Haare "auf null Millimeter" abrasiert. Vereinbart war eine Vergütung von 15.000 Euro pro Model. Die Höhe des Honorars, das von dem Angeklagten vorgeschlagen worden sei, sei angemessen. Mit rasiertem Kopf bekomme ein Model das nächste halbe, dreiviertelte Jahr keinen Job. Die beiden Models haben abgesehen von etwas Geld für die Fahrtkosten keinen Cent gesehen, weil vertraglich vereinbart ist, dass die Models ihren Anteil nur erhalten, wenn die Agentur vom Kunden das Geld bekommt.

Dass sie nicht auf Vorkasse bestanden hatte, verteidigte die Zeugin. Dies sei nicht üblich, selbst bei noch höheren Beträgen.

Vorbericht

Wird ihm seine höchst ungewöhnliche Vorliebe jetzt zum Verhängnis? Ein Haarfetischist aus dem Landkreis muss sich am Donnerstag am Amtsgericht Altötting wegen Betrugs verantworten. Der 33-Jährige schnitt zwei Models die Haare ab, hatte zuvor mit deren Agentur vereinbart, 15.000 Euro pro Model zu zahlen. Den Betrag soll er aber nie gezahlt haben. Der Agentur entgingen so Einnahmen in Höhe von 30.000 Euro - und die Damen verloren ihre Haarpracht völlig umsonst. Der Prozess am Amtsgericht Altötting beginnt um 10.30 Uhr.

Innsalzach24 ist vor Ort und berichtet aktuell vom Prozess.

Quelle: innsalzach24.de

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