Bilanz zum Großeinsatz mit 800 Rettern

Kreisbrandrat: "Es war ein Bild des absoluten Schreckens!"

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Bad Aibling - Zehn Tote hat das schreckliche Zug-Unglück bei Bad Aibling gefordert. Zudem gab es 18 Schwerstverletzte und rund 70 Leichtverletzte. Die Rettungskräfte standen vor einer Herkules-Aufgabe. Alles habe jedoch reibungslos funktioniert, sagte Kreisbrandrat Richard Schrank.

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Der fürchterliche Unfall - es handelt sich dabei um den schwersten Zug-Unfall in Bayern seit über 40 Jahren - passierte am Dienstagmorgen um 6.48 Uhr. Um 6.53 Uhr bekamen die Rettungskräfte über die Integrierte Leitstelle (ILS) den ersten Einsatzbefehl. Rund drei bis vier Minuten später seien die ersten Retter am Unfallort eingetroffen, so Schrank. Wie viele Notrufe wegen des Unglücks bei der ILS genau eingingen, konnte Schrank nicht exakt beziffern, meinte aber: „Das ist für uns auch nicht relevant! Wichtig ist, dass wir dann schnell am Einsatzort sind!“ Der Sprecher der Stadt Rosenheim, Thomas Bugl, in deren Zuständigkeit auch die Integrierte Leitstelle fällt, erklärte hierzu: "Binnen sieben Minuten sind 19 Notrufe bei der ILS eingangen!"

Rund 800 Kräfte im Einsatz

Danach lief ein in der Region nahezu beispielloser Großeinsatz an. Rund 250 Feuerwehrler, 200 bis 250 Männer und Frauen vom Rettungsdienst, 150 Kräfte der Landes- und rund 70 Kräfte der Bundespolizei sowie 50 THWler, unter anderem auch mit Booten zum Einsatz auf dem Mangfallkanal, eilten aus allen Ecken des Landkreises, aus dem Landkreis Miesbach und auch aus dem benachbarten Tirol zur Unfallstelle. In Spitzenzeiten waren rund 800 Kräfte gleichzeitig im Einsatz. Zudem waren zehn Rettungshubschrauber und drei Helikopter der Bundespolizei eingesetzt. Für diese war extra ein Landeplatz auf einer Wiese neben dem Feuerwehrhaus in Pullach eingerichtet worden. Insgesamt waren nach Auskunft der Pressestelle der Stadt Rosenheim 195 Rettungsfahrzeuge im Einsatz!

Kurz nachdem sich die Retter darüber klar waren, welche Dimension dieser Einsatz besitzt, wurden klare Absprachen getroffen und die Kräfte effizient verteilt. „Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren, Rettungsdiensten und Polizei funktioniert im Landkreis Rosenheim sowieso immer hervorragend“, lobte Schrank alle Beteiligten. Deswegen sei es nicht nötig gewesen, ein sog. „starkes Stabssystem“, das in solchen Katastrophenfällen installiert werden kann, einzusetzen.

Luftaufnahmen vom Zugunglück

Organisation lief hervorragend

Stattdessen wurden laut dem Kreisbrandrat umgehend entsprechende Einsatzabschnitte und sog. Bereitsstellungsräume definiert. Die Helis landeten und starteten wie bereits erwähnt in Pullach beim Feuerwehrhaus. Dort wurde auch eine „Tankstelle“ eingerichtet, um die Flugzeit für die Fluggeräte entsprechend zu verlängern. Der Rettungsdienst bezog im Bereich der Aral-Tankstelle in Pullach Stellung, die Feuerwehrkräfte waren beim Minigolf-Platz am Kurpark stationiert.

Durch diese hervorragende Organisation sei es möglich gewesen, den Einsatz schnell und effizient abzuwickeln. „Wichtig war vor allem auch, dass wir die vielen Leichtverletzten schnell aus den Zügen herausgebracht haben und einer Sammelstelle zugeführt haben“, so Schrank. Anschließend wurden diese Personen zum großen Teil mit Mannschaftswagen der Feuerwehr ins Feuerwehrhaus nach Kolbermoor gebracht, wo sie bestmöglich ärztlich versorgt und auch verpflegt wurden.

Hunderte Helfer geben vor Ort alles

Schrank: "Details wären pietätlos!"

Gleichzeitig waren die Retter natürlich auch mit der Rettung der zahlreichen Schwerstverletzten beschäftigt. Fotos und Videos im Internet zeigen dabei unvorstellbare Anblicke. Überall sei Blut gewesen, abgerissene Körperteile hätten herumgelegen. Teilweise hätten die Retter Verletzte unter Toten herausziehen müssen. „Es war ein absolutes Bild des Schreckens! Hier näher ins Detail zu gehen, wäre pietätlos“, sagte Schrank.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Rahmen des Großeinsatzes sei auch die sogenannte Nachsorge gewesen. Dabei geht es vor allem um die seelische und psychologische Betreuung der Angehörigen und auch der Rettungskräfte selbst, die das Grauen vor Ort live miterlebten. Dazu seien zahlreiche Sondereinsatzgruppen zusammengezogen worden und nach Kolbermoor und Bad Aibling gekommen. „Wir konnten alles gut kanalisieren und die Abstimmung untereinander hat absolut reibungslos funktioniert“, zog Schrank ein absolut positives Einsatzfazit.

Zug-Bergung mit Notfallkran

Schrank war bereits am frühen Mittwochmorgen erneut an der Einsatzstelle. In einer ersten Lagebesprechung wurde beschlossen, dass am Morgen die Bergung der verkeilten Züge mit einem schweren Notfallkran aus Fulda, der eine Tragkraft von 160 Tonnen besitzt, beginnen kann. 

Ein weiterer Kran aus Leipzig mit einer Tragkraft von 75 Tonnen steht auf Abruf bereit. Wie lange das insgesamt genau dauern wird, konnte Schrank noch nicht sagen. Die Bahnstrecke ist natürlich weiterhin voll gesperrt. Ein Notverkehr mit Bussen ist eingerichtet.

mw

Quelle: mangfall24.de

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