Afghanistan: „Die Eindrücke sind total unterschiedlich“

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Für die Soldaten ist sie wesentlich mehr als eine Seelentrösterin: Truppenpsychologin Petra Kordmann.

Mazar-e Sharif – Die Nachrichten aus Afghanistan werden immer schlimmer. Zum Teil betreffen sie auch Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen.

Unter was für einer Belastung müssen die zum Teil sehr jungen Menschen stehen?

Eine Frage, die Truppenpsychologin Petra Kordmann für BGLand24 versucht zu beantworten. Sie ist seit drei Jahren als Psychologin für die Gebirgsjägerbrigade 23 zuständig und mit im Ausland, wenn die Soldaten zum Einsatz abkommandiert werden. Da ändert sich auch für sie der Tagesablauf: „Wir haben von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends Dienst. Die meiste Zeit davon verbringe ich im Lager, da ich aber auch für die Truppenteile zuständig bin, die draußen operieren, bin ich auch unterwegs.“ Jeder Tag läuft deshalb ganz unterschiedlich ab.

Abschiedsappell am Berchtesgadener Schlossplatz

Abschiedsappell in Berchtesgaden

Jeder Soldat schildert Petra Kordmann auch unterschiedliche Eindrücke. „Die einen sind stolz, andere haben Heimweh, manche fühlen sich fremd und manche wohl.“ Kein Wunder, dass bei der Belastung unterschiedliche Reaktionen auftauchen. Bis zu einem halben Jahr sind die Soldaten von Familie, Freunden und Verwandten getrennt. Die einen tun in den Lagern Dienst, die anderen draußen. Vor allem draußen, wo die Soldaten in Zelten leben, gibt es keinen Rückzugsort, sie sind nie alleine.

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Da bedeutet ein Gespräch unter vier Augen mit der Truppenpsychologin, die außerdem der Schweigepflicht unterliegt, viel. „Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sich die Soldaten schämen, wenn sie mit mir gesehen werden“, ist sich Petra Kordmann sicher. „Im Gegenteil, ich gehe davon aus, dass meine Arbeit sehr wichtig ist.“ Denn eine Belastung teilen alle Soldaten, egal in welchem Bereich sie eingesetzt werden. „Sie sind ganz, ganz lange weg von zu Hause.“ Da spielt vor allem die Kameradschaft eine große Rolle. „Die wächst im Auslandseinsatz so stark“, erklärt Kordmann, „man teilt die gleichen Ängste und Sorgen, das verbindet.“

Wenn Petra Kordmann in einem Gespräch mit einem Soldaten feststellt, es wäre besser, ihm ein paar Tage Erholung zu gönnen, kann sie eine Empfehlung schreiben. Im extremsten Fall empfiehlt sie die Heimreise. "Solche Fälle gibt es häufiger", bestätigt die Truppenpsychologin. "Stelle ich zum Beispiel im Gespräch mit einem betroffenen Soldaten fest, dass deutliche persönliche Belastungen vorliegen, dann empfehle ich dem zuständigen Kommandeur, den Soldaten nach Deutschland zurückzuschicken. Solche persönliche Belastungen können beispielsweise bei Todesfällen in der Familie oder bei Problemen in der Partnerschaft entstehen."

Die Heimreise steht für die Gebirgsjäger aus Bischofswiesen kurz bevor. Sie hatten den Tod eines Kameraden zu verkraften, waren Teil der Feldpostaffäre und mussten mit ansehen, wie ein Kamerad den anderen mit der Waffe bedrohte. Alles negative Erlebnisse, über die in der heimischen Presse ausführlich berichtet wurde. Die positiven blieben dabei völlig außen vor, bedauert Oberstleutnant Stefano Toneatto. „Was diese Soldaten geleistet haben, trotz der hohen Belastung, nimmt kaum jemand zur Kenntnis. Sie sind da reingegangen, wo vorher keiner war und haben die Aufständischen vertrieben. Jetzt ist es dort viel sicherer.“

Ein Einsatz, den wohl alle Beteiligten so schnell nicht vergessen werden. Deshalb gibt es auch Nachbereitungsseminare, an denen auch Petra Kordmann zum Teil beteiligt ist. Die Truppenpsychologin hat auch im Alltag zuhause natürlich ein offenes Ohr für die Soldaten. „Es wird sich zeigen, wie sehr sie mich dann noch brauchen.“

Christine Zigon

Quelle: rosenheim24.de

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