Schule ohne Stift und Papier

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Hefte und Bücher haben in Schloss Neubeuern ausgedient. Statt auf Papier wird gleich mit einem speziellen Eingabestift auf den Computerbildschirm geschrieben. Die Software erkennt die individuelle Handschrift.

Neubeuern - Keine Tafel, keine Kreide, keine Hefte - das Internat Schloss Neubeuern setzt voll auf digitale Kommunikation. Die Vorteile und die möglichen Tücken des papierlosen Unterrichts:

Statt mit Stift und Papier arbeiten Schüler wie Lehrer mit Tablet-PCs, die Hefte und Bücher ersetzen. Geschrieben wird per Tastatur oder mit einem Eingabestift auf einem berührungssensiblen Bildschirm. Nun bereitet sich der erste Jahrgang der papierlosen Schule auf das Abitur vor.

Papierloser Unterricht

Auf Schloss Neubeuern hat der papierlose Unterricht ab der neunten Jahrgangsstufe bereits zu Beginn des Schuljahres 2009/2010 Einzug gehalten. Um auch andere Schulleiter und Lehrer über die Vorzüge dieser modernen Form der Unterrichtsgestaltung zu informieren, hatte Stiftungsvorstand und Schulleiter Jörg Müller im Dezember sogar zu einem Kongress "Digitale Didaktik" geladen.

Nicht mehr überzeugen muss man die Neubeurer Internatsschüler. Eva und Tillmann etwa sind von der neuen Technik begeistert: Die beiden Zwölftklässler gehören zum ersten Jahrgang, der im Mai und Juni 2013 mit Genehmigung des Kultusministeriums seine Abiturprüfungen nicht mehr auf Papier schreiben wird, sondern mit Eingabestiften auf den Schirmen ihrer Tablet-PCs. Den Umgang mit dieser Technik haben sie in den vergangenen Jahren verinnerlicht und sehen darin eigentlich nur Vorteile: "Man kann keine Hefte vergessen, und wir haben die Unterrichtsinhalte aller Fächer auf unserem Laptop immer dabei." Praktisch sei es auch, jederzeit auf den Lernstoff der vergangenen Jahre zurückgreifen zu können.

Natürlich brauchten beide Schüler eine gewissen Zeit, um problemlos mit der Technik umgehen zu können und sich an die längere Dauer der Bildschirmnutzung zu gewöhnen. Jetzt sehen beide aber nur Vorteile, da sie mithilfe der Technik schneller und angenehmer lernen könnten. Die Ausstattung der Schule ermöglicht es auch, den Laptop an einen größeren Bildschirm anzuschließen, um noch übersichtlicher arbeiten zu können.

Spicken ist trotzdem schwierig

Alle Unterrichtsmaterialien, aber auch Termine, Tests, Noten und Hausaufgaben werden von Lehrern und Schülern am Computer bearbeitet. In den Klassenzimmern stehen ergonomische Tische mit Andock-Stationen, Beamer werfen am Computer-Monitor erstellte Tafelbilder direkt an die Wand. Bearbeitete Dateien "sammelt" der Lehrer digital ein.

Natürlich gibt es auch festgeschriebene Regeln für den papierlosen Unterricht: "Jeder Lehrer kann an seinem Bildschirm sehen, was der Schüler gerade schreibt", berichten die Schüler. Schnell einmal zwischendurch im Netz surfen oder die Facebook-Seite besuchen, geht nicht: "Das Internet ist im Unterricht bis auf wenige Ausnahmen gesperrt." Ein digitaler Spickzettel bei Prüfungen würde ebenfalls sehr schnell auffallen.

Lerncoach statt Lehrer

Schulleiter Jörg Müller ist überzeugt, dass sich der Unterricht an den Schulen grundlegend ändern muss: Freude, Begeisterung, Neugier, ein lustbetontes und entdeckendes Lernen sowie die steigende eigene Beteiligung des Schülers am Lernprozess seien dazu notwendig und könnten nur mit Hilfe der neuen Medien gelingen. "Mit dem verstärkten Einsatz von PCs im Unterricht muss sich natürlich auch das Selbstverständnis des Lehrers ändern hin zu einem Lernbegleiter oder Lerncoach", veranschaulicht Schulleiter Müller seine Vorstellungen, was bei älteren Lehrern häufig noch auf Ablehnung stoße.

Insgesamt rund 190 Personen hatten sich für den zweitägigen Kongress auf Schloss Neubeuern angemeldet, um in Vorträgen und Workshops die Möglichkeiten einer sinnvollen Integration digitaler Medien im Unterricht kennenzulernen. Dabei zeigte sich, dass Interesse und Bereitschaft zum Einsatz moderner Technik vonseiten der Lehrer durchaus vorhanden sind, sich dieser Einsatz aber durch die oft mangelhafte und überholte Ausstattung als kaum durchführbar erweist. Zudem sei auch das Angebot an digitalen Schulbüchern seitens der Verlage noch wenig ausgebaut und damit kaum attraktiv für den Einsatz im Unterricht.

mc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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