BMW-Entwicklungschef

Wasserstoff-Antrieb lohnt für schwere Wagen

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CO2-Ziele und den Emissionsskandal könnten die Entwicklung des Wasserstoff-Antriebs vorantreiben. Geeignet ist die Technik für große Autos mit hoher Reichweiten-Anforderung. Foto: Angelika Warmuth

Eine Allianz aus Autobauern und Energiekonzernen will dem Wasserstoffantrieb nach langem Dornröschenschlaf neues Leben einhauchen. BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich erklärt, warum seiner Meinung nach die Zeit reif dafür ist.

BMW will 2025 Brennstoffzellen-Autos in Serie auf die Straße bringen. Der Hydrogen Council - die Wasserstoff-Initiative von Autoherstellern und Energiekonzernen - soll den Weg dafür ebnen. BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich sagt, woran es noch hapert.

Die deutschen Autobauer forschen seit den 1990er Jahren an der Brennstoffzelle, die Technik hat sich aber bisher nicht durchgesetzt.

Die deutschen Autobauer forschen seit den 1990er Jahren an der Brennstoffzelle, die Technik hat sich aber bisher nicht durchgesetzt. Warum jetzt dieser Versuch einer Renaissance?

Klaus Fröhlich: Wir sehen derzeit einen Umbruch in der Automobilindustrie, wie es ihn die letzten 30 Jahre nicht gab. Durch die CO2-Ziele und den Emissionsskandal hat sich die Entwicklung hin zu nachhaltigen Antrieben beschleunigt. Auch China setzt stark auf die Elektromobilität und schafft entsprechende Rahmenbedingungen. Und mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio treiben die japanischen Hersteller das Thema Wasserstoff noch stärker als bisher.

Wann ist mit ersten Serien-BMW mit Brennstoffzelle zu rechnen?

Fröhlich: Wir planen derzeit, 2021 eine Kleinserie auf den Markt zu bringen und ab 2025 grundsätzlich Fahrzeuge mit Brennstoffzelle für Kunden anzubieten. Wie Sie wissen, kooperieren wir mit Toyota bei diesem Thema. Ein weltweites Angebot sehe ich jedoch auch nach 2025 noch nicht. Knackpunkt wird das Tankstellen-Netz sein. Hier ist Japan in Vorbereitung der Olympischen Spiele 2020 führend, gefolgt von Kalifornien. Wie es bis 2025 in Europa mit der Netzabdeckung aussehen wird, ist noch fraglich.

Für welche Autos lohnt sich der Einsatz der Technik?

Fröhlich: Eher für große und schwere Autos mit hoher Reichweiten-Anforderung. Wir würden die Brennstoffzelle wahrscheinlich oberhalb der 5er Baureihe einsetzen. Darunter macht es keinen Sinn, weil dort die batterieelektrischen Fahrzeuge mit weiter zunehmender Energiedichte die bessere Lösung sind.

Warum ist die Brennstoffzelle überhaupt interessant, wo sich die Batterietechnik doch stetig verbessert? Letztlich liefern beide ja Strom für den Elektromotor.

Fröhlich: Zum einen können Sie mit einer Brennstoffzelle aufgrund der Energiedichte des Wasserstoffs höhere Reichweiten erzielen. Zum anderen dauert das Tanken ungefähr so lange wie heute mit einem Auto mit Verbrennungsmotor.

Wie aber sieht die Zukunft der Brennstoffzelle aus, wenn die Batterietechnik einen großen Sprung macht?

Fröhlich: In der Tat, beide Technologien liefern sich derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dennoch wird aus meiner Sicht - egal wie das Rennen in der Breite ausgeht - die Brennstoffzelle in der Zukunft eine Relevanz haben. Denken Sie beispielsweise an SUVs in den USA, die einen Bootsanhänger den Berg hochziehen. Das würde die Reichweite eines reinen Batteriefahrzeuges sehr reduzieren. Und auch für Nutzfahrzeuge ist die Brennstoffzelle interessant.

Das Prinzip Brennstoffzelle als Antrieb

Die Brennstoffzelle wandelt die im Wasserstoff gespeicherte Energie in Elektrizität und Wärme um. In der Brennstoffzelle wird das klassische Elektrolyse-Verfahren umgekehrt. Wasserstoff reagiert darin mit dem Sauerstoff der Luft. Dabei entstehen Wasserdampf, Strom und Wärme.

Der Vorteil: Wasserstoff ist im Gegensatz zum Öl kein begrenzter Rohstoff. Es ist das am häufigsten vorkommende chemische Element. Größter Erzeuger ist die chemische Industrie, die Wasserstoff als Neben- oder Koppelprodukt herstellt. Die Reichweite von Autos mit Brennstoffzelle ist außerdem deutlich größer als die von batteriegetriebenen Fahrzeugen.

Allerdings ist Wasserstoff ein flüchtiges und reaktionsfreudiges Gas, das nur unter hohem Druck oder extrem gekühlt gelagert werden kann - in Wasserstofftankstellen bei 700 bar und minus 40 Grad Celsius. Umstritten ist auch die Erzeugung. Bislang wird der Energieträger meist aus dem fossilen Rohstoff Erdgas hergestellt. Während aus dem Auspuff eines Brennstoffzellen-Autos nur Wasserdampf entweicht, wird bei der Herstellung des Wasserstoffs das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) freigesetzt.

dpa

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