Nach dem Crash

Tesla-Unfall endet tödlich: Autopilot könnte eine Rolle spielen

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Am 23. März crashte ein Tesla in einen Beton-Poller - der Autopilot war beim Unfall eingeschalten.

Ein weiterer tödlicher Unfall mit Teslas Fahrassistenz-System lenkt die Aufmerksamkeit auf die Technologie. Hat eventuell der Autopilot Schuld?

Washington/Palo Alto - Der jüngste tödliche Unfall mit einem Tesla hat sich bei eingeschaltetem Autopilot-Assistenzsystem ereignet - und das wirft neue Fragen zur Technologie auf. Der Fahrer des Elektroautos habe mehrere Kollisions-Warnungen erhalten, aber keine Maßnahmen ergriffen, erklärte das Unternehmen in einem Blogeintrag am Osterwochenende.

Bei dem Unfall war am 23. März ein Tesla Model X auf einer Autobahn im Silicon Valley gegen einen Beton-Poller gefahren. Die Ermittlungsbehörde NTSB geht auch Berichten nach, wonach der Fahrer an der Stelle bereits Probleme mit dem Autopilot-System gehabt haben soll.

Tesla: Autopilot dient nur zur Assistenz

Tesla betonte, dass eine Barriere aus Metall-Fragmenten, die Fahrzeuge gerade in solchen Situationen vor dem Poller abbremsen soll, nach einem vorherigen Unfall noch nicht wieder aufgebaut und daher drastisch verkürzt war. "Wir haben in keinem anderen Crash Schäden solchen Ausmaßes bei einem Model X gesehen", bekräftigte Tesla. Die Fahrzeuge der Firma hatten stets sehr gut in Crashtests abgeschnitten.

Der Autopilot ist lediglich ein Fahrassistenz-System. Tesla betont, dass der Fahrer ständig den Überblick über die Verkehrslage behalten und zum Eingreifen bereit sein müsse.

Tödlicher Unfall: Was lief schief?

Bei dem Model X sei der sogenannte adaptive Tempomat eingeschaltet gewesen, bei dem der Wagen automatisch den Abstand zum vorderen Fahrzeug hält, erklärte das Unternehmen. Dabei sei die Funktion auf die Mindestentfernung eingestellt gewesen.

Der Fahrer habe mehrere visuelle und eine akustische Warnung bekommen - und etwa fünf Sekunden Zeit und 150 Meter Entfernung bis zum Aufprall gehabt. Seine Hände seien vor der Kollision sechs Sekunden lang nicht auf dem Lenkrad gewesen. Zur Autopilot-Software gehört auch ein Spurhalte-Assistent und das wirft die Frage auf, wieso das Fahrzeug überhaupt auf den Betonpoller zufuhr.

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Unfall-Fahrer beschwerte sich schon zuvor über den Autopiloten

Zugleich berichtete der Fernsehsender ABC in den vergangenen Tagen, der Fahrer habe sich nach Angaben der Familie mehrfach beschwert, das Autopilot-System habe in Richtung des Pollers gelenkt. Der 38-jährige Apple-Mitarbeiter durchfuhr die Stelle in der Nähe von Mountain View auf seinem Arbeitsweg.

Er sei mit der Beschwerde auch bei einem Tesla-Händler gewesen, "aber sie konnten es dort nicht nachvollziehen", sagte sein Bruder. Tesla erklärte dem Finanzdienst Bloomberg zufolge, in den Unterlagen finde sich nur eine Beschwerde über das Navigationssystem.

Neues Video zeigt: Autopilot reagiert an Unfallstelle merkwürdig

Ein Youtuber testete die gleiche Strecke mit einem Tesla-Autopiloten und stellte ebenfalls fest, dass dieser trotz Spurenmarkierungen, die nach rechts zeigen, an der Unfall-Stelle nach links lenkt - und zwar direkt vor der Betonwand, die die Straße teilt. Der Fahrer griff rechtzeitig ein, jedoch der Tesla gab keine Warnung vor einer möglichen Kollision ab.

In einem weiteren Youtube-Video versucht ein Nutzer Erklärungen für das Scheitern des Autopiloten zu finden. Demnach könnten Risse, die sich längs an der Fahrbahn befinden, beim Assistenz-System für Verwirrung sorgen. Gesichert ist dies allerdings nicht.

Tesla-Autopilot: Das sagt die Statistik

Tesla hatte bereits in einem ersten Blogeintrag darauf hingewiesen, dass Teslas mit eingeschalteter Autopilot-Software die Unfallstelle insgesamt 85.000 Mal und allein seit Jahresbeginn rund 20.000 Mal ohne Zwischenfälle passiert hätten.

"Der Tesla-Autopilot verhindert nicht alle Unfälle - ein solcher Standard wäre unmöglich - aber senkt ihre Wahrscheinlichkeit stark", betonte das Unternehmen jetzt. Mit dem Autopilot-System sei das Risiko, in einen tödlichen Unfall verwickelt zu werden, 3,7 Mal geringer.

Im Schnitt gebe es in den USA einen Todesfall pro 86 Millionen gefahrene Meilen (138,4 Millionen Kilometer). Bei Fahrzeugen mit Teslas Autopilot seien es 320 Millionen Meilen (rund 525 Millionen Kilometer).

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Tesla-Crash: Unfallermittler gehen der Sache nun auf den Grund

Der Crash wird von den Elite-Unfallermittlern der US-Behörde NTSB untersucht. Sie treten meist bei Flugzeugabstürzen in Aktion - oder bei Unfällen, aus denen grundsätzliche Lehren gezogen werden könnten.

Im aktuellen Fall soll unter anderem der Brand nach dem Unfall untersucht werden - sowie Schritte, um ein beschädigtes Elektroauto sicher abzutransportieren. Die Behörde zeigte sich am Wochenende "unglücklich" über die Veröffentlichung der ausführlicheren Informationen durch Tesla. "Die NTSB untersucht alle Aspekte dieses Crashs inklusive der vorherigen Besorgnis des Fahrer über das Autopilot-System", erklärte ein Sprecher Bloomberg.

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Die Behörde prüft gerade auch einen weniger schweren Unfall von Januar, bei dem ein Tesla mit eingeschaltetem Autopilot-Assistenten auf einen stehenden Feuerwehr-Lastwagen auffuhr.

Die NTSB untersuchte bereits den aufsehenerregenden Crash eines Tesla von Mai 2016. Damals war ein 40-Jähriger ums Leben gekommen, als sein von Teslas Autopilot gesteuertes Auto unter einen Lastwagen-Anhänger raste, der die Straße querte. Der Lkw-Fahrer habe ihm die Vorfahrt genommen, befanden die NTSB-Ermittler. Zugleich habe sich der Tesla-Fahrer zu sehr auf den Fahrassistenten verlassen, dessen Sensoren den weißen Anhänger nicht erkannten.

Allerdings kritisierte die NTSB auch, dass zu lasche Sicherheitsvorkehrungen der Software zu dem Unfall beigetragen hätten. Tesla ergriff seitdem zusätzliche Maßnahmen, damit Fahrer die Kontrolle nicht komplett dem Autopilot-System überlassen.

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dpa/Franziska Kaindl

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