Tagestour über vier Pässe der Dolomiten

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Mit dem Motorrad und Sozia beschreibt Thomas Schupp eine Tagestour über vier Pässe in den Dolomiten.

Bozen/Italien. Alles passt am heutigen Tag: Das sonnige Wetter, die atemberaubende Gegend, die reizvolle Sozia und die heiße Maschine. Einmalige Berg- und Passstraßen der Dolomiten warten auf uns. Unzählige Touren gibt es in Form von Reiseführern und entsprechenden Portalen – ich entscheide mich für eine Eigenkomposition. Wir wollen Spaß haben – Land, Leute, Kurven und Berge genießen und eine nicht allzu große Runde drehen. 140 Kilometer umfasst die vor uns liegende Tour.

Dieser Artikel ist zuerst bei unserem Partner-Portal lokalo24.de erschienen.

Die Kurven der Dolomiten sind für alle Motorradfans ein Traum.

Die ersten Kurven

Erst mal gibt es ein gesundes Frühstück, bestehend aus Obst, Müsli und Orangensaft, dazu noch einen leckeren Espresso und schon starte ich meine 110 PS starke Ducati Monster. Unweit der Etsch, dem zweitlängsten Fluss Italiens geht es hinter Bozen auf der SS42 in Richtung St. Michael. Unmittelbar nach dem Ortsausgangsschild erwartet uns rechts die erste Passstraße zum Mendelpass hinauf. Nur knapp zwei Kilometer folgen wir dieser Straße, zum Einstieg in das vor uns liegende Kurveneldorado genau richtig. An der links- seitigen Abbiegung nach Kaltern/Caldaro verlassen wir die SS42 und gehen erst mal in einen eher gemütlichen Teil über. Wir lassen Kaltern links unten liegen und fahren oberhalb zwischen den Weinbergen hindurch, bei Altenburg vorbei, über Söll und dann richtig steil und eng an der Weinstraße bergab nach Tramin. In erster Linie werden die Straßen hier von Wein- und Obstbauern mit ihren landwirtschaftlichen Maschinen genutzt. Am Talboden der Etsch lassen wir den Abbruch des Mitterbergs hinter uns, überqueren den Fluss und die Autostrada Bozen-Verona und landen auf der anderen Seite im Südtiroler Unterland in der Markt- gemeinde Auer. Von hier aus führt die Dolomitenstraße in das nahe Fleimstal. Wir folgen dieser Ausschilderung und bewegen uns erstaunlicher Weise wieder auf der SS48 – der Geier weiß warum. Jetzt geht es erst mal nur noch bergauf. Schon einiges los hier. Doch das Überholen von Pkw und Lkw ist hier auf Grund der hervorragend ausgebauten Strecke, kein Problem. Der Einfachheit halber orientieren wir uns fortan an der Beschilderung Richtung „Fassatal“, auch wenn wir das ladinischsprachige Tal in den Dolomiten nicht als eigentliches Ziel haben. Die ersten Kilometer hinter Auer oder Ora wie der Italiener sagt, sind sehr serpentinenreich und machen richtig Fun.

Rentner Walter auf der Suche nach seinen Kumpels

Passo Lavaze´ruft

Erst hoch oben in Fontanefredde, hinter dem Örtchen San Lugano, auf einer Hochebene gelegen, geht es wieder bergab. In dem verträumten Örtchen Carano auf etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel machen wir den ersten Stopp. Das typische Alpendorf in der Nähe von Cavalese ist eines der ältesten Dörfer der Region Val di Fiemme. Im sehenswerten alten Dorfzentrum genießen wir in einer Bar nicht nur einen leckeren Cappuccino, sondern beobachten auch die vielen an uns vorbei fahrenden Biker mit ihren unterschiedlichen Maschinen. Man spürt sofort: Ab hier ist es nicht mehr allzu weit zu unserer ersten Passüberquerung. Nicht nur die Ortschilder sondern vor Allem die Sprache machen klar: Wir sind in Norditaliens Provinz Trentino – es wird fast ausschließlich italienisch gesprochen. Kurz vor dem Ort Gablöss verlassen wir die SS48 und folgen ab jetzt der SS620, durchfahren den Ort Varena im ausgedehnten Tal Val di Fiemme, welches für seine internationalen Ski Nordisch-Veranstaltungen bekannt ist: „Tour de Ski“, wem es etwas sagt. Nach weiteren knappen acht Kilometern voller neu geteerter, leicht schwingender Kurven erreichen wir das Lavaze´ Joch. Die Passhöhe beläuft sich auf 1.808 Metern über dem Meeresspiegel und liegt rund 800 Meter südlich an der Grenze zu Südtirol. Diese Stelle erweist sich eher als Hochebene, denn als Pass. Wer will, kann von hier oben in die Sackgasse zum Jochgrimm (Passo di Oclini) abzweigen. Wir sparen uns diesen Schlenker. Dafür kommen wir jetzt mit Walter aus dem nordrhein-westfälischen Castrop-Rauxel ins Gespräch. Der flüchtige Rentner, wie er sich selbst beschreibt, ist auf der Suche nach seinen Kumpels. Er hat sie unterwegs an einer Tanke verloren und konferiert, mit Landkarte in der Hand, nebenbei per Mobiltelefon, um die Jungs wieder zu finden.

Ein zweiter Stopp auf 1.808 Metern: BikePortal Redakteur Thomas Schupp mit seiner Frau

Sozia schwärmt

Nachdem wir uns die Beine etwas vertreten und gelockert haben, geben wir erneut Gas, hinunter nach Birchabruck. Schon einige Kilometer vorher locken die Hinweisschilder „Karerpass“. Die ganze Zeit spreche ich über die reizvollen Kurven und Passstraßen. Meine Sozia schwärmt von was anderem: Sie genießt die Ausblicke in die grandiose Bergwelt rechts und links der Straße. Und die Dolomiten bieten noch ein ganz besonderes Schauspiel: Den smaragdgrünen Karersee, circa sechs Kilometer hinter Welschnofen. Hier spiegeln sich die Massive von Rosengarten und Latema. Aufgrund seiner beeindruckenden Farbe wird der Karersee im ladinischen auch „Lec de Ergobando”(Regenbogensee) genannt. Hier treffen wir unzählige Biker, die sich den Anblick nicht entgehen lassen wollen. Eine größere Gruppe Harley-Fahrer posiert gerade dicht gedrängt, um gemeinsam aufs Motiv zu kommen. Der Karerpass selbst verbindet das Eggental mit dem Fassatal und somit Südtirol mit Trentino. Er liegt in einer Höhe von 1745 m und zählt zu den „alten“ Übergängen in den Dolomiten. Ein verkehrstechnischer Hinweis sei noch erlaubt: In Welschnofen bitte Achtung: Hier wimmelt es von feststehenden Blitzern! Prächtig und mondän präsentiert sich das Residence Grand Hotel Carezza auf der linken Seite. Es ist die ehemalige Sommer- residenz von Kaiserin Sissi. Wir schauen nur kurz am Karerpass vorbei, machen kehrt und biegen dann rechts zu unserer letzten Passüberquerung (Nigerpass). Wir wählen diese Streckenvariante, weil wir nicht allzu tief ins Reich der Dolomiten eintauchen wollen.

Biker-Treff auf dem Passo Negro

Unterhalb vom Rosengarten

Die Straße quer hinüber zum Nigerpass hat sicherlich nicht die besten Asphaltverhältnisse, besticht aber durch ihre Lage direkt unterhalb des Rosengartens. Kurvenreich und fahrerisch abwechslungsreich schlängeln wir uns mit unserer Maschine, bei maximal 60 km/h den Berg hinauf. Die Rosengartengruppe, meist schlicht Rosengarten genannt, ist ein gewaltiges Bergmassiv der Dolomiten in Südtirol und Trentino. Seit 2003 gehört der Südtiroler Teil mehrheitlich zum Naturpark Schlern-Rosengarten und seit 2009 ist die Rosen- gartengruppe neben acht weiteren Gebieten Teil des Welterbes Dolomiten. Der Anblick ist einfach gigantisch. Als wir den Nigerpass oder Passo di Nigra gerade überquert haben machen wir unseren dritten, längeren Stopp. Auf 1.690 Metern liegt der beliebte Bikertreff Nigerhütte, direkt neben einer weiten Kurve. „Zwei Espresso, eine Holunderschorle und ein stilles Wasser“, das erfrischt und macht wieder munter. Die Wirtin verrät uns, dass es sich tags zuvor hier oben von einer Sekunde auf die andere total zugezogen hat und dicke Hagelkörner vom Himmel fielen. Glück gehabt also, denn wir haben bessere Voraussetzungen und lassen die Blicke schweifen, bevor wir weiter touren. Vor dem Örtchen Tiers geht es mächtig bergab. Maschine und Besatzung schieben ordentlich nach vorne, als wir die satten 24 Prozent Straßengefälle vorsichtig hinunter fahren. Die nächsten fünfundzwanzig Kilometer bis Bozen hängt die Strada Provinciale Tires am Berg. An Almwiesen entlang mit weitem Blick ins Tierser Tal geht es amr mittelalterlichen Schloss Prösels vorbei. Links geht’s ab zur Seiser Alm, der größten Hochalm Europas. Diese steht allerdings nicht auf unserem heutigen Programm. Vielmehr erblicken unsere Augen drei markante Dinge dicht gedrängt bei einander: Die Autostrada vom Brenner hinunter, das enge Eisacktal und die alte Brenner Staatsstraße.

Dolomiten waren wieder ein Traum

Im Tal schlängeln wir uns unter und über der Autostrada entlang den Bozen, vorbei an Industriegebieten und durch Baustellen mit sehr zähflüssigem Verkehr. Diese Strecke ist ein notwendiges Übel, um wieder zurück ins Hotel zu kommen. Was bleibt sind einzigartige Eindrücke von den sagenhaften Ausblicken und kurvenreichen Straßen der Dolomiten. Das Gebiet um die Dolo- miten, erst recht die Dolomiten selbst, sind einfach Biker- Paradies pur. Am Ende liegen genau 135,8 Kilometer hinter uns. Wir haben vier Pässe unterschiedlichster Art kennen gelernt und satten Fahrspaß genossen.

Rubriklistenbild: © Thomas Schupp

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