Studie deckt auf

Schock: 38.000 Todesfälle durch Dieselabgase

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Der Abgasskandal bekommt durch eine aktuelle Studie eine neue Dimension.

Nach dem VW-Abgas-Skandal kamen immer mehr Autohersteller unter Manipulationsverdacht. Jetzt beschäftigen sich auch Forscher mit den Risiken von Dieselabgasen.

Die Diskussion um Dieselfahrzeuge erhält zusätzliche Nahrung. Wie eine aktuelle, in der englischsprachigen Fachzeitschrift "Nature" publizierte Studie mit einer Hochrechnung zeigt, sollen erhöhte Abgaswerte von Dieselfahrzeugen verantwortlich für den vorzeitigen Tod von rund 38.000 Personen weltweit sein - allein im Jahr 2015, davon 11.400 in der EU. 

Studie zu Dieselabgasen: die elf größten Automärkte unter der Lupe

In der Studie nahm die Washingtoner Forschungsgruppe Environmental Health Analytics die weltweit elf größten Automärkte unter die Lupe - Australien, Brasilien, China, die 28 EU-Staaten, Indien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Südkorea und die USA. Dafür nutzten sie bestehende Systeme, die eine Messung der Abgaswerte direkt im Straßenverkehr vornehmen können sowie Ergebnisse über das Ausmaß des Mehrausstoßes unter realen Bedingungen.  

Bei den Untersuchungen kam heraus: Autos und LKWs mit Dieselmotor zeigten einen um 50 Prozent höheren Ausstoß an Stickoxiden als von den jeweiligen Herstellern angegeben. Die Wissenschaftler errechneten konkret, dass Dieselfahrzeuge pro Jahr etwa 4,6 Millionen Tonnen Stickoxide mehr ausstoßen als nach den Grenzwerten erlaubt wäre. Davon ausgehend sind die Forscher der Meinung, dass Dieselabgase Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislaufsystems begünstigen - mit teilweise tödlichen Folgen.

Schwerlastverkehr stößt mit Abstand am meisten Schadstoffe aus

Bei ihrer Untersuchung konzentrierten sich die Forscher auf Stickoxide wie Stickstoffoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2). Stickstoffoxide sind gemeinsam mit flüchtigen Kohlenwasserstoffen für die sommerliche Ozonbildung verantwortlich und tragen außerdem zur Schadstoffbelastung durch Feinstaub bei.

Dieser Feinstaub gelangt dann über die Lunge in den menschlichen Blutkreislauf und kann dort erhebliche Schäden verursachen. Bereits 2012 führte die Europäische Umweltagentur allein in Deutschland über 10.000 vorzeitige Todesfälle auf Stickoxide zurück.  

Bei der Diskussion um Feinstaub, Stickoxide und Dieselfahrzeuge ist aber auch zu beachten, dass diese nicht nur von PKWs und LKWs ausgehen, sondern auch aus Quellen in der Landwirtschaft oder Industrie stammen können. In diesem Zusammenhang gibt die Studie für das Jahr 2015 insgesamt 107.000 Todesfälle weltweit durch Stickoxide an.

Dieselabgase: EU trägt die größte Last

Laut der Studie stoßen global gesehen dennoch Lastwagen und Busse die meisten Stickoxide aus. Drei Viertel der erhöhten Ausstoßwerte gingen auf deren Konto. "Der Schwerlastverkehr trug bei Weitem am meisten zu den überschüssigen Stickoxiden bei", so Josh Miller vom International Council on Clean Transportation (ICCT) in Washington und Co-Autor der Studie.

In der EU stellt sich die Situation hingegen etwas anders dar, da Diesel hier wesentlich weiter verbreitet sind als etwa in den USA. 60 Prozent des Mehrausstoßes an Stickoxiden verursachen in der EU Dieselautos, so die Studienautoren. "Europa trägt unter den größten Automärkten die größte Gesundheitslast durch zusätzliche Stickoxid-Emissionen", erklärt ICCT-Experte und Mitautor Ray Minjares.

"Überfällige" Studie über Dieselabgase

Benjamin Stephan von Greenpeace hält die Studie für "überfällig", da sie Daten bereitstelle, die bislang gefehlt hätten. Ein Manko seien lediglich genauere Angaben zu Autoklassen und -marken. Dennoch erhofft er sich  einen anderen Schwerpunkt in der Aufarbeitung des Dieselabgas-Skandals. "Bisher stand oft der Betrug an den Autobesitzern im Mittelpunkt. Jetzt wird klar, welche Größenordnung der Skandal hat und welche Auswirkungen dies auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen hat."

Im bevorstehenden Abschlussbericht des Bundestagsausschusses zur Untersuchung des Abgas-Skandals heißt es dagegen, "ein Zusammenhang zwischen Todesfällen und bestimmten NO2-Expositionen im Sinne einer adäquaten Kausalität" sei 'nicht erwiesen'." 

Die Technik für betroffenen VW 1.6 TDI Motoren 

Von Matthias Opfermann

Mit Material von dpa und AFP.

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