Richtiges Verhalten nach dem Krach

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Auch Blechschäden bergen ein beachtliches Ärger-Potenzial. Deshalb sollten die Unfallbeteiligten einige Regeln beachten, um keine unnötigen Scherereien zu bekommen.

Vier Stunden war Herbert K. schon unterwegs. Noch 15 Minuten bis nach Hause. Da passiert es: Ein Auto-Fahrer nimmt ihm die Vorfahrt.

Aus der Traum vom gemütlichen Feierabend. Der Ärger darüber sollte nicht dazu führen, später nicht mehr reparierbare Fehler zu machen.

Bei aller Aufregung nach einem Verkehrsunfall, in erster Linie gilt jetzt: Ruhe bewahren. Folgende Regeln sollten beachtet werden, damit zum Ärger nicht noch unnötige Kosten oder gar unerfreuliche juristische Folgen kommen.

  • Am Unfallort bleiben, bis die Polizei eingetroffen ist und neben den beteiligten Personen die Fahrzeuge und die Art der Unfallbeteiligung festgestellt wurden. Personalien, Fahrzeug- und Versicherungsdaten austauschen.
  • Unfallbericht und -skizze anfertigen (Formblätter sind bei Versicherungen und Autoclubs erhältlich). Beschädigungen an den Fahrzeugen, Bremsspuren notieren, möglichst fotografieren. Auch bei scheinbar klarer Schuldfrage Adressen von Zeugen notieren.
  • Ist die Schuldfrage unklar, am Unfallort keine Stellungnahme abgeben.
  • Bietet die Polizei ein Verwarnungsgeld an, sollte man das nur bei wirklich eindeutigem Verschulden akzeptieren. Erst recht sollte man kein pauschales Schuldanerkenntnis abgeben.
  • Unfallhelfern, die „alles regeln“ und eine Unterschrift dafür haben wollen, grundsätzlichmisstrauen. Muss das Fahrzeug abgeschleppt werden, sollte man sich am besten vor Zeugen (oder schriftlich) den Preis dafür nennen lassen.
  • Die Schadenshöhe kann in einer Werkstatt oder (bei Schäden ab circa 700 Euro netto) durch einen Kfz-Sachverständigen festgestellt werden. Geringe Blechschäden können von Schnelldienst- Stationen der Versicherung erledigt werden.
  • Bei größeren Schäden kann ein Kfz-Sachverständiger eingeschaltet werden. Den Reparaturauftrag sollte der Geschädigte nicht verzögern. Dadurch gegebenenfalls entstehende Mehrkosten (etwa längere Mietdauer für einen Mietwagen) werden in der Regel nicht ersetzt.
  • Ansprüche bei der Versicherung muss manunverzüglich anmelden. Sinnvoll ist es, um eine Kostenübernahmeerklärung zu bitten, die dem Händler die Direktabrechnung mit dem eintrittspflichtigen Versicherer ermöglicht.
  • Muss die Rechnung zunächst bezahlt werden, kann vom Versicherer ein Vorschuss verlangt werden. Geht das Unternehmen darauf nicht ein und muss zur Finanzierung der Rechnungssumme ein Darlehen aufgenommen werden, trägt die Versicherung die Kosten, wenn sie zuvor auf die Notwendigkeit der Finanzierung hingewiesen wurde.
  • Die eigene Haftpflichtversicherung sollte immer verständigt werden, insbesondere, wenn Ansprüche des Unfallgegners zu erwarten sind, etwa wegen eines Mitverschuldens.
  • In der Regel kann für die Schadensregulierung die Hilfe eines Rechtsanwalts in Anspruch genommen werden.
  • Für die Dauer der Reparatur kann entweder ein Mietwagen beansprucht werden oder „Nutzungsausfall“ (unterschiedlich hoch je nach Wagentyp). Für einen Mietwagen werden teilweise 5 bis 10 Prozent des Rechnungsbetrages für „ersparte Eigenkosten“ abgezogen.
    Etliche Versicherer verzichten darauf, wenn ein kleineres Fahrzeug gemietet wird.

Achtung: Der Bundesgerichtshof verlangt, dass im Regelfall nicht beim „erstbesten“ Autovermieter unterschrieben wird – es kann passieren, dass (zu) hohe Mietwagenrechnungen von der Versicherung nicht voll akzeptiert werden (siehe Kasten). Es kann daher sinnvoll sein, sich bei der Versicherung des Schädigers über die Erstattungsfähigkeit zu erkundigen.

  • Zur Abgeltung von Kosten für Telefon, Porto oder Fahrten zur Werkstatt bieten die Gesellschaften rund 20 Euro an. Höhere Kosten müssen nachgewiesen werden.
  • Wird der Wagen nicht repariert, kann eine Barentschädigung „auf Gutachtenbasis“ verlangt werden.
  • Achtung: Mietwagen oder Nutzungsausfall entfallen, wenn der Wagen wegen Krankheit oder einer schweren Verletzung gar nicht benutzt werden kann (auch wenn der Unfall Grund für die Verletzung war). Und: Wer wenig fährt, der wäre mit einem Taxi billiger dran. Das wird im Regelfall dann unterstellt, wenn bis zur Rückgabe des Mietautos nicht mindestens 30 Kilometer pro Tag gefahren wurden. Schadenminderungspflicht ist der Fachausdruck dafür.

WOLFGANG BÜSER

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