Mopedführerschein bald schon mit 15?

Berlin - Die Altersabsenkung für den Erwerb eines Mopedführerscheins auf 15 Jahre ist äußerst umstritten - nun wollen zwei ostdeutsche Länder die Probe aufs Exempel machen. Verkehrsexperten warnen davor.

Nach einer Umfrage des Auto Clubs Europa (ACE), die der Nachrichtenagentur dapd vorliegt, würden Thüringen und Sachsen an einem Modellversuch teilnehmen. Die große Mehrheit der Länder hat dagegen kein Interesse.

Laut ACE will Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf der Verkehrsministerkonferenz in Potsdam am Mittwoch mindestens ein Bundesland zur Erprobung finden. Ein Ministeriumssprecher sagte auf Nachfrage am Sonntag, Ramsauer stehe einer Absenkung von 16 auf 15 Jahre für den Erwerb eines Mopedführerschein weiter skeptisch gegenüber. Es gehe dem Minister in erster Linie um Verkehrssicherheit. Laut ACE muss Ramsauer einer Erprobung in einem Bundesland formal zustimmen.

Der Verkehrsausschuss des Bundestags hatte bereits vor knapp einem Jahr einen Antrag von Union und FDP zur Senkung des Alters angenommen. Die Opposition stimmte dagegen. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass bereits 15-Jährige einen Führerschein der Klasse M erwerben dürfen, mit dem sie Mopeds und kleinere vierrädrige Gefährte wie Quads mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 Stundenkilometern fahren dürfen. Damit will die Regierung die Mobilität von Jugendlichen auf dem Land verbessern.

Verkehrsexperten warnen

Vor einer Senkung des Alters warnen jedoch viele Verkehrsexperten. Der ACE verwies auf eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen: Deren Fazit sei: “Je jünger und unerfahrener jugendliche motorisierte Zweiradfahrer sind, desto größer ist ihr Unfallrisiko.“ Die häufigste Unfallursache bei Unfällen, an denen 15- bis 17-jährige Jugendliche beteiligt seien, sei nicht angepasste Geschwindigkeit.

Der ACE wies darüber hinaus auf Berechnungen des österreichischen Kuratoriums für Verkehrssicherheit hin, wonach bei Verwirklichung des Plans die Zahl der Verkehrsunfälle in Deutschland jährlich um bis zu 17.000 steigen würde.

Moped-Absatz ging laut ACE zurück

Dass es nur ostdeutsche Länder sind, die für den Führerschein mit 15 sind, führt der ACE auf DDR-Traditionen zurück. In der DDR sei seit 1963 15-Jährigen nach Absolvieren einer Fahrprüfung das Führen von Kleinkrafträdern gestattet gewesen, die bis zu 60 Stundenkilometer schnell gewesen seien. Damit hätten sogar Autobahnen genutzt werden dürfen. Erfahrungen in der DDR hätten jedoch ebenfalls eine deutlich höhere Unfallbeteiligung dieser Altersgruppe im Vergleich zu den alten Ländern gezeigt.

Aus der Weigerung der Koalition, sich mit den Bedenken der Fachleute auseinanderzusetzen, entstehe der Eindruck, dass die Koalition einer starken Industrielobby zu Diensten sein wolle, monierte der ACE und wies auf den sinkenden Absatz von Mopeds in den vergangenen Jahren hin.

dapd

Rubriklistenbild: © Kurzendörfer (Symbolbild)

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