Relatives Risiko ist groß

E-Bike-Fahrer in Gefahr: Hoher Anteil tödlicher Unfälle

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E-Bikes sind womöglich gefährlicher als gedacht.

Die Verkaufszahlen von Elektrorädern steigen seit Jahren rasant. Dementsprechend steigt die Zahl der Unfälle - mit fatalen Folgen.

E-Bike-Fahrer leben gefährlich: Sie kommen bei Unfällen häufiger ums Leben als andere Fahrradfahrer. Im vergangenen Jahr war der Anteil tödlicher Unfälle mit Pedelecs wesentlich höher als mit herkömmlichen Fahrrädern, wie die Daten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden zeigen. Für Senioren über 65 sei das relative Risiko eines tödlichen Unfalls auf dem Pedelec „doppelt so hoch wie auf einem nichtmotorisierten Rad“, sagte Jörg Kubitzki, Unfallforscher bei der Allianz-Versicherung, der Deutschen Presse-Agentur.

Senioren sind die Hauptkäufergruppe von Pedelecs. Noch düsterer fällt die Gesamtschau aus: Über alle Altersgruppen betrachtet sei das relative Risiko eines tödlichen Pedelec-Unfalls „3,7 mal so hoch wie auf einem nichtmotorisierten Fahrrad“, sagte Kubitzki.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts: 2016 zählte die Polizei deutschlandweit 3901 Pedelec-Unfälle „mit Personenschaden“, 62 Menschen starben. Im rechnerischen Schnitt forderte somit gut jeder 62. Pedelec-Unfall ein Todesopfer. Von den tödlich Verunglückten war niemand jünger als 45 Jahre. 57 waren 65 Jahre und älter. Fahrradunfälle gingen dagegen weit seltener tödlich aus. Im Schnitt starb nur bei jedem 234. Radunfall ein Mensch.

„Pedelec bringt höheres Verletzungsrisiko mit sich als das Fahrrad“

Das bedeutet nicht, dass Elektroräder generell unfallträchtiger wären als Fahrräder. Aber wenn es zu einem Unfall kommt, sind die Folgen häufiger schwerwiegend. „Das Pedelec bringt ein höheres Verletzungsrisiko mit sich als das Fahrrad“, erklärt Stephanie Krone, die Sprecherin des Fahrradclubs ADFC in Berlin. „Das liegt an der größeren Verletzungsanfälligkeit seiner meist älteren Nutzer und nicht daran, dass sie mehr Unfälle haben.“

Die erhöhte Gefahr sei nicht allein dadurch zu erklären, dass hauptsächlich Senioren auf das Pedelec steigen, argumentiert Allianz-Unfallforscher Kubitzki. „Pedelecs erreichen eine höhere Geschwindigkeit und weisen fahrdynamische Besonderheiten auf, zum Beispiel beim Anfahren und Abbremsen, die sich von einem herkömmlichen Fahrrad unterscheiden.“

Das bayerische Innenministerium bestätigt die Einschätzung des Unfallforschers. Die Zahlen schwankten erheblich, sagt eine Sprecherin. Aber das Verhältnis ist ähnlich wie im Bund. 2016 starben im Freistaat nach einem Unfall mit Personenschaden 2,4 Prozent der Pedelec-Fahrer, aber nur 0,4 Prozent der Radfahrer. „Damit ist das Risiko, als Pedelec-Fahrer tödlich zu verunglücken, auch in Bayern höher als bei Radfahrern“, heißt es im Ministerium in München.

Umgangssprachlich heißen alle Elektroräder E-Bikes, doch in der Branche bedeutet „E-Bike“ ein Zweirad, das ohne Treten nur mit Motorleistung fahren kann. Pedelec ist der Begriff für die weit verbreiteten Räder mit elektrischem Hilfsmotor, die das Treten unterstützen.

ADFC-Fahrsicherheitstrainer Peter Beckmann meint, dass Pedelecs häufig von älteren Menschen gekauft würden, die sehr lange nicht Fahrrad gefahren und deswegen aus der Übung seien. Es gibt zwar Fahrsicherheitstrainings speziell für Senioren, doch die sind nicht sonderlich populär. „Wir haben letztes Jahr gemeinsam mit dem Sozialverband VdK 22 Fahrsicherheitstrainings angeboten, aber davon konnten wir nur eines durchführen“, berichtet Beckmann. Für die übrigen Veranstaltungen meldeten sich nicht genügend Interessenten.

Das Innenministerium ist ebenfalls in Sachen Vorbeugung aktiv: „Die Landesverkehrswacht Bayern bietet präventive Kurse für Pedelec-Fahrer an, bei denen insbesondere auch Senioren Theorie und Praxis vermittelt werden“, sagt die Sprecherin. Und die Polizei nutze Veranstaltungen wie den Landestag der Verkehrssicherheit oder Infostände, um auf die Gefahren des Pedelec-Fahrens hinzuweisen.

dpa

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