Ducati Quattro Stagioni

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Gut geschützt: Dank des (manuell) verstellbaren Windschilds lassen sich auch lange Etappen stressfrei absolvieren.

Das Motorrad, das alles kann – welcher Hersteller hätte nicht gerne solch eine eierlegende Wollmilchsau in seiner Modellpalette?

Ducati ist mit der neuen Multistrada 1200 S angetreten, eben solch ein Bike zu präsentieren, das auf jedem Terrain eine gute Figur macht: Stadtverkehr, Landstraße, Rennstrecke und Offroad. Die Italiener legen mit diesen Ansprüchen die Messlatte sehr hoch.

Informationszentrale: Von einem schnöden Cockpit zu sprechen, wäre im Fall der Ducati Multistrada eine glatte Untertreibung

Bevor es mit der hochbeinigen Schönheit zum Erkunden der verschiedenen Einsatzzwecke losgeht, ist erst einmal das ausführliche Studium der Bedienungsanleitung sinnvoll: Um in der Informationszentrale, zu der das Cockpit mutiert ist, den Durchblick zu behalten und obendrein, um das Keyless- Go-System zu kapieren. Das Grundsätzliche, also die Wahl der vier Programme Sport, Touring, Urban und Enduro sowie der Traktionskontrolle DTC und der elektronischen Fahrwerkseinstellung DES, ist dann aber schnell klar. Den Feinheiten, also der Vielzahl der möglichen individuellen Einstellungen der einzelnen Programme, können wir uns später widmen, jetzt ist ersteinmal Fahren angesagt.

Der theoretische Exkurs ist im Sattel schnell zweitrangig. Sofort fühlt man sich auf der Multistrada heimisch, als habe man sie schon Tausende von Kilometern bewegt: aufrechte Sitzposition, breiter Lenker, übersichtlich angeordnetes Schalterund Instrumentenwerk. Die ersten Kilometer im Urban-Modus gibt sich die Ducati sehr zahm, die nun zur Verfügung stehende Leistung von 100 PS (74 kW) wird sehr sanft zur Verfügung gestellt – innerorts reicht das allemal, und bei Regen ist’s ein Segen.

Die wahren Wonnen stellen sich indes ein, wenn Verkehr und Straßenzustand den Modus Touring oder Sport zulassen. Entspannt, souverän und mit einem leistungsmäßig ausgewogenen Untersatz ist man dann als Kilometerfresser unterwegs, bissig und bei Bedarf gar giftig im flottesten Wahlprogramm. Da geht die 220 Kilogramm schwere Ducati mit ihren 150 PS (109 kW), die der Zweizylinder mit 1198 ccm Hubraum dann zur Verfügung stellt, ab wie Hölle und fegt temperamentvoll um die Kurven, dass es eine wahre Wonne ist, bleibt dabei aber stets gutmütigundkontrollierbar.

Auch auf der Autobahn zieht die Multistrada ruhig ihre Bahn, das (leider nur manuell verstellbare) Windschild tut gute Dienste – was bei maximal 245 km/h dankbar registriert wird. Mit der Multistrada 1200 S schlägt Ducati ein neues Kapitel auf. Die Italienerin, für die der Händler 17 990 Euro verlangt, ist zwar in keinem der vier Fahrbereiche Spitze, aber in der Summe der Einzelkomponenten ergibt sich ein sportliches Allroundmotorrad, das über einen eigenständigen Charakter verfügt. An einige Eigenheiten der Italienerin kann man sich gewöhnen. Dazu gehören die nur von feingliedrigen Fingern vernünftig zu bedienenden Schalter und Knöpfe,dievibrierendenRückspiegel, die nicht immer korrektanzeigendeLeerlaufleuchte und der hohe Verbrauch von 6,5 Liter Super, der trotz 20- Liter-Tank Etappen von gerade mal gut 300 Kilometer ermöglicht. Wie gesagt, man kann sich durchaus an die Multistrada gewöhnen.

VOLKER PFAU

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