Carsharing kommt ins Rollen

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Ein Auto - viele Fahrer: Carsharing wird immer beliebter.

Hannover - Die Vermietung kleiner Flitzer für kurze Strecken wandelt sich vom modischen Öko-Trend zum ernsthaften Geschäftsmodell. Autobauer wollen Carsharing als Köder nutzen.

Risiko fürs Kerngeschäft oder Chance für ein langfristiges Absatzplus? Beim Carsharing benötigen mehr Menschen weniger Autos. Viele Hersteller versprechen sich vom Trend zum geteilten Fahrzeug aber eher zusätzliche Einkünfte denn bröckelnde Neuverkäufe. Wer sich keinen eigenen Wagen leisten kann oder will, darf nicht als potenzieller Kunde verloren gehen und sollte an die Marke “herangeführt“ werden - nach diesem Motto legen sich Autobauer ihre Strategien rund um ie viel beschworene neue Mobilität zurecht.


Autos & Rekorde: Spitzenwert oder Schlusslicht

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Schneller, höher oder weiter - Autofans kennen die schnellsten, stärksten und günstigsten Trümpfe. Doch welche Modelle sind zurzeit die Serienwagen der Superlative, die offiziell als Neufahrzeuge in Deutschland angeboten werden? Klicken Sie sich durch die Rekordhalter der Autowelt. © dpa/Hersteller
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PREIS: Ein Bugatti Veyron 16.4 Super Sport kostet 1,96 Millionen Euro. Mehr kann man für ein Serienauto momentan nicht ausgeben. © dpa/Hersteller
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PREIS: Der Dacia Sandero ist dagegen ab 6990 Euro ein absolutes Schnäppchen. Anstelle eines Bugatti Veyron 16.4 Super Sport könnten Liebhaber der rumäischen Kleinwagen gleich 281 Dacia erwerben. © dpa/Hersteller
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LEISTUNG: Der 8,0 Liter große 16-Zylinder-Motor im Bugatti Veyron Super Sport entwickelt 883 kW/1200 PS - fast doppelt so viel.... © dpa/Hersteller
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...wie eine Corvette C6 6.2 V8 ZR1 Coupé mit 476 kW/647 PS... © dpa/Hersteller
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...Mit einem Zehntel des Veyron-Hubraums und 40 kW/54 PS bildet der Smart Fortwo 0.8 cdi das Schlusslicht bei der Leistung. © dpa/Hersteller
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BESCHLEUNIGUNG: Das Feld der Spitzensprinter führt ebenfalls der Veyron an: In 2,5 Sekunden stehen 100 km/h auf dem Tacho. © dpa/Hersteller
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Der Porsche 911 3.8 Turbo S Coupé sprintet aus dem Stand binnen 3,3 Sekunden auf Tempo 100. © dpa/Hersteller
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Da bleibt dem Fahrer eines Hyundai H-1 Travel mit 81 kW/110-PS-Diesel reichlich Zeit zum Staunen: Mit 23,7 Sekunden ist der Kleinbus der trägste Serienwagen. © dpa/Hersteller
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HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT: Und wieder liegt Bugatti vorn: Mit Spitzentempo 431 hängt der Veyron Super Sport alle übrigen Autos mit Straßenzulassung ab. Die Kaufversion riegelt das Tempo bei 415 km/h ab. Damit ist der Sportwagen noch 75 km/h schneller als... © dpa/Hersteller
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...Lamborghini Murcielago LP 640 E-Gear © dpa/Hersteller
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Die Schnecke: Der Land Rover Defender Station Wagon erreicht maximal 132 km/h. © dpa/Hersteller
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LÄNGE: Zwischen den Stoßfängern des Daimler-Luxusliners Maybach 62 erstrecken sich 6,17 Meter Blech - mehr als bei jedem anderen Serienwagen auf dem deutschen Markt. © ampnet photo
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Problemlos passen zwei Exemplare des kürzesten Autos in die Parklücke, die einem Maybach gerade reicht: Der Smart Fortwo misst nur knapp 2,70 Meter. © Hersteller
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BREITE: Mit einem Jeep Grand Cherokee oder den Ford-Modellen Galaxy und S-Max kann es auf kleinen Straßen schon mal eng werden: Ab den Spitzen der Außenspiegel gemessen sind sie mit etwas mehr als 2,15 Metern die breitesten Serienwagen der Nation. © dpa
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Ziemlich breit: Ford Galaxy © dpa/Hersteller
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Ford S-Max © dpa/Hersteller
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Am unteren Ende der Liste steht der 1,56 Meter schmale Stadtflitzer Smart Fortwo. © dpa/Hersteller
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HÖHE: Für den Land Rover Defender sind viele Parkhäuser tabu: Einige Varianten der Modelle 90 und 110 ragen rund 2,06 Meter in die Höhe - zu viel für die meisten Großgaragen. © dpa/Hersteller
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Mit solchen Problemen muss sich am Steuer eines Lotus Elise niemand herumschlagen: Die Dachkante befindet sich nicht ganz 1,12 Meter über dem Asphalt. © dpa/Hersteller
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GEWICHT: Der Elefant unter den hierzulande gehandelten Serienautos ist der Maybach 62: 2855 Kilogramm bringt der Oberklassewagen auf die Waage. © amphnet Photo
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In der Fliegengewichtsklasse bleibt der Smart Fortwo 1.0 mhd Coupé mit 750 Kilogramm unerreicht. © dpa/Hersteller
VERBRAUCH: Den größten Durst hat der Bugatti Veyron - und zwar in der Basisversion: 24,1 Liter Benzin verbrennt der Supersportwagen im Schnitt auf 100 Kilometer (CO2-Ausstoß: 574 g/km). Das Topmodell Veyron Super Sport gibt sich immerhin mit einem Liter weniger zufrieden (CO2-Ausstoß: 539 g/km) © 
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Die zweitgrößten Spritschlucker sind der Lamborghini Murcielago LP 640 und... © dpa/Hersteller
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...der Ferrari 599 GTB Fiorano: Beide benötigen 21,3 Liter (CO2-Ausstoß: 490 g/km). © dpa/Hersteller
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Sparsam im Verbrauch ist dagegen der Smart Fortwo 0.8 cdi Coupé. Der Kleine begnügt sich mit 3,3 Litern Diesel (CO2-Ausstoß: 86 g/km). © dpa/Hersteller
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NEUZULASSUNGEN: In den Kfz-Zulassungsstellen der Republik waren im vergangenen Jahr VW-Golf-Käufer wieder einmal am häufigsten anzutreffen. In all seinen Varianten, wozu auch der Jetta gezählt wird, wurde das Kompaktmodell von Anfang Januar bis Ende Dezember insgesamt 251 078 Mal als Neuwagen angemeldet. © dpa/Hersteller
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Seltenster Kandidat unter den Neuzulassungen: Der exklusive Rolls-Royce Phantom mit gerade einmal 9 Neuzulassungen. © dpa/Hersteller

Fakt ist: Carsharing kommt langsam, aber sicher aus der Nische. Im innerstädtischen Verkehr und unter jungen Leuten wird das Teilen kompakter und spritsparender Flitzer immer beliebter. Während sich Deutschland nach Angaben der Unternehmensberatung Frost & Sullivan zum wichtigsten Markt in Europa gemausert hat, nutzen in den USA schon doppelt so viele Menschen ein Mietauto. Hierzulande könnte ihre Zahl nach Schätzungen des Bundesverbands Carsharing in diesem Jahr von 158 000 auf 190 000 zulegen. Die Kollegen vom Verband der Automobilindustrie (VDA) sehen die Idee ebenfalls auf dem Vormarsch.


“Carsharing ist eine spannende Entwicklung“, heißt es in der Berliner VDA-Zentrale. Die deutschen Marken seien dabei bestens aufgestellt. Dass die Kurzzeitvermietung dem Neuwagen-, Finanzierungs- oder Leasinggeschäft gefährlich werden könnte, erwartet der Verband nicht. Im Gegenteil: Die Hersteller dürften auch aus wohlkalkuliertem Eigeninteresse in den neuen Mietmarkt einsteigen. “Das führt selbst Menschen ans Auto heran, die eher im Gebrauchtwagen-Segment unterwegs waren oder gar kein Auto hatten“, glaubt Sprecher Eckehart Rotter.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnt davor, die Mietmodelle als reine Marketingmaßnahmen zu begreifen. “Wir begrüßen den Trend insgesamt natürlich“, stellt VCD-Sprecherin Anja Smetanin klar. “Aber man muss auch skeptisch sein, ob manche Autoproduzenten darin nicht primär ein Absatzinstrument sehen.“ Carsharing sei insbesondere in Ballungsräumen eine gute Ergänzung für einen umweltfreundlichen Verkehrsmix. “Wenn wir mehr dazu übergehen, kann viel Verkehr vermieden werden, und das Auto wird effizienter genutzt.“

Nachdem schon Daimler und BMW im Carsharing durchstarteten, zog nun Europas Branchenprimus VW mit einem Projekt in Hannover nach. Der VCD sieht prinzipiell große Vorteile: Das Problem verstopfter Straßen und verrußter Luft lasse sich entschärfen, wenn das Modell “Auto auf Abruf“ Einzug ins Mobilitätsverhalten erhalte. Es gebe außerdem mehr Angebote, die - wie in Mainz, Bremen und Hannover - die Nutzung von Mietautos mit Rabatten im öffentlichen Nahverkehr kombinierten.

Top 10: Autos unter 10.000 Euro

Gibt es auch gute Autos, die günstig sind? Wir stellen zehn Modelle vor, die weniger als 10.000 Euro kosten – Fahrspaß inklusive. Kia Picanto: 8.990 Euro. © Hersteller
Chevrolet Spark 9.140 Euro © Hersteller
Dacia Sandero 6.990 Euro ist mit Abstand der günstigste Fünftürer. © Hersteller
Fiat Panda 9.990 Euro © Hersteller
Ford Ka 9.700 Euro © Hersteller
Hyundai i10 FIFA 8.740 Euro © Hersteller
Lada Kalina 8.750 Euro © Hersteller
Nissan Pixo 8.290 Euro © Hersteller
Suzuki Splash 9.990 Euro © Hersteller
Toyota Aygo 8.990 Euro © Hersteller

Dem Leitbild der sogenannten multimodalen Fortbewegung, bei der nicht nur Pkw zum Zug kommen, kann auch Autoexperte Stefan Bratzel einiges abgewinnen. “Das Thema Nutzen statt Besitzen wird wichtiger werden“, betont der Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. 30 Prozent der deutschen Jugendlichen hielten das Auto nicht mehr für ein Statussymbol, sondern für einen Gebrauchsgegenstand. Weil die “Generation I-Phone“ einen Großteil der geteilten Wagen über interaktive Angebote buchen könne, dürfte das Auto selbst wieder “für Vollkunden emotionalisiert“ werden.

Die großen Hersteller sind jedenfalls längst darüber hinaus, das Carsharing als kurzlebige Erscheinung zu belächeln. In Industrie- wie Schwellenländern sieht VW viel Luft nach oben. “Wir gehen davon aus, dass das auch in anderen Märkten eine Rolle spielen kann“, meint Vertriebsvorstand Christian Klingler. Der Chef der VW-Finanztochter, Frank Witter, erwartet, dass die Abrechnung einzelner Fahrten nach dem “Pay-per-use“-Prinzip bei vielen Menschen Erfolg haben kann: “Die Aufgabe ist es, diese Menschen und die Marke zusammenzubringen.“

Dabei sind die Wolfsburger relativ spät dran. Daimler war bereits 2008 mit dem Projekt “Car2Go“ in den Carsharing-Markt eingestiegen. Der Stuttgarter Autobauer will das Geschäft nun mit seinem Partner Europcar massiv ausbauen. In fünf Jahren sollen bis zu 50 Städte in Europa abgedeckt werden. BMW ist mit Sixt in München und Berlin aktiv (“DriveNow“), der französische Konzern Peugeot-Citroën will nach einer Testphase in Berlin sein Konzept “Mu“ im ganzen Land anbieten.

Daneben umwerben Dutzende Online-Vermittler die Kunden. Der Bremer Pionier Cambio Carsharing - sein Vorläufer ging vor 21 Jahren an den Start - ist von den Wachstumsaussichten überzeugt. “Der Markt wird sich weiter gut entwickeln“, schätzt Sprecherin Bettina Dannheim. “Denn von dem Geld, was manche Leute heute im Monat für ihr Auto ausgeben, kann man bequem zwei Wochenenden ins Wellness-Hotel gehen.“

dpa

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