Der schnellste Bentley aller Zeiten ist ein Öko

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Der extremste Bentley aller Zeiten: Continental Supersports.

Der schnellste Bentley aller Zeiten tankt umweltfreundliches Bioethanol E85 und verdient sich damit die Spitznamen "Sir Quickly" und "Mr. Clean".

Der extremste Bentley aller Zeiten: Continental Supersports. Eckdaten: 630 PS, W12-Biturbo, sechs Liter Hubraum, 329 km/h Spitze, Kaufpreis 230.027 Euro. Und: Der Supersports ist außerdem der grünste Bentley aller Zeiten, denn er fährt verträgt auch den umweltfreundlichen Bio-Kraftstoff E85. Ein britischer Luxusbolide, auf den frei nach „Irgendwie und Sowieso“ der Spitzname „Sir Quickly“ passt, oder auch „Mr. Clean“: Umweltpolitisches Feigenblatt oder sinnvolle Alternative für Supersportwagen?

Hohenlinden, Singer SIT-Tankstelle, E85-Zapfsäule: Als wäre der knallrote Edel- Sportwagen nicht aufsehenerregend genug, jetzt greift sein Fahrer auch noch nach der grünen Zapfpistole, um für 99,9 Cent je Liter Bioethanol E85 zu tanken. Ein exzentrischer Geizhals, der Spritkosten sparen will und nicht weiß, was er da genau tankt? Hintergrund: E85 ist ein Gemisch aus 85 Prozent Biokraftstoff (gewonnen aus Getreide, Raps oder Zuckerrohr) und – wegen des Kaltstartverhaltens – 15 Prozent herkömmlichem Superbenzin. Wenn es der Motor nicht verträgt, bleibt man unweit der Tankstelle stehen. Aber der Bentley-Fahrer in Hohenlinden weiß genau, was er tut. Er schont seinen Geldbeutel und die Umwelt, ohne dem Motor zu schaden. Denn der Bentley Continental Supersports ist der weltweit erste Hochleistungssportwagen mit FlexFuel-Technologie. Bentley hat den W12-Biturbo für Bioethanol fit gemacht.

Mit E85 das schlechte Gewissen einfach wegsparen

Tankstellen mit E 85 sind rar. Aber wer E85 tanken kann, kommt in den Genuss uneingeschränkten Fahrvergnügens, zahlt nur knapp einen Euro pro Liter und kann sich ein schlechtes Umweltgewissen getrost sparen. Denn 70 Prozent weniger CO2-Ausstoß des Supersports im E85-Betrieb sind beeindruckend. Dabei reden wir von der gesamten Produktionskette für Bioethanol, also vom Anbau von Getreide, Raps oder Zuckerrohr über Destillation und Transport bis zur Verbrennung. Laut Bentley kommt der Supersports auf 16,3 Liter Verbrauch und – man höre und staune – 116 g CO2/km. Daneben wird so mancher sparsame Diesel-Kleinwagen zur verachtenswerten CO2-Schleuder. Im reinen Benzin-Betrieb stößt der Supersports dagegen 388 g/km CO2 aus.

Unser Testverbrauch spreizte sich je nach Gemütszustand des Fahrers enorm. Anfangs in überschäumender Leistungs und Sound-Euphorie kletterte die Verbrauchsanzeige bis auf 21,9 Liter im Schnitt. Allmählich lernte der Gasfuß, sich zu beherrschen und die noble britische Sportfuhre auch mal dahingleiten zu lassen. Bei solch entspannter Fahrweise pendelte sich der Durchschnittsverbrauch auf moderate 13,9 Liter ein.

Aus dem Stand auf Tempo

Weniger Gewicht bringt mehr Agilität, so auch beim Supersports. Der gut 2,2 Tonnen schwere Biosportler wuchtet enorme 630 PS und gewaltige 800 Nm Drehmoment erstaunlich kultiviert auf die Vorder- und Hinterräder. Der Spurt auf Tempo 100 ist in 3,9 sek. erledigt. Der permanente Allradantrieb sorgt für neutrale Kraftentfaltung und ist leicht heckorientiert ausgelegt. Über allen Fahrsituationen schwebt das Gänsehaut-erzeugende Grollen und Blubbern des W12-Motors.

Die Sounddesigner von Bentley haben es geschafft, dass jedes Hoch- und Runterschalten zum akustischen Vergnügen wird, vom Ausdrehen des W12 ganz zu schweigen. Wie auch immer man zu Bioethanol und Supersportwagen stehen mag. Wenn schon ein Geschoss mit 630 PS über unsere Straßen fegt, dann kann es doch wenigstens im Falle des Bentley Supersports dank E85 mit niedrigem CO2-Ausstoß glänzen. Und die Signalwirkung ist sicher nicht zu unterschätzen. Der Reiz eines 230 000 Euro teuren Supersportlers weckt Interesse, das man auch für die Vorteile von E85 nutzen kann.

Ralf Schütze

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