Kracher oder Krücke?

Aiways U5: Elektro-SUV aus China für unter 40.000 Euro - ein erster Fahrbericht

Fahrdynamisch nicht unbedingt der Hit. Hier hat der U5 leichte Schwächen.
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Fahrdynamisch nicht unbedingt der Hit. Hier hat der U5 leichte Schwächen.

Ein Edel-SUV für unter 40.000 Euro, voll elektrisch und die erste Inspektion erst nach 100.000 Kilometern. Der Aiways U5 könnte ein China-Kracher werden - Fahrbericht.

  • Die Chinesen greifen an: erster Elektro-SUV rollt nach Europa
  • Mit dem U5 von Aiways kommt man rund 400 Kilometer weit
  • Gesichtserkennung weiß, wer am Steuer sitzt und schützt vor Müdigkeit

Aiways hat das geschafft, woran sich andere immer wieder die Finger verbrannt haben. Den Sprung vom Reich der Mitte, mitten ins Herz von Europa. Und das innerhalb von drei Jahren. Gäbe es das Corona-Virus nicht, das die Produktion in China lahmlegt, schon im April wären die ersten Autos beim Händler. So wird es wohl August werden, bis die ersten U5 auf den Straßen rollen. Dann aber schon das 2021er Modell.

Aufladbar unter 50 Minuten: Das soll an einer Schnelladesäule gelingen.

Aiways U5: Das China-SUV wird über die Elektromarktkette Euronics vertrieben

Aber was heißt hier eigentlich Händler? So etwas Traditionelles wie ein Autohaus gibt es bei Aiways  nicht. Hier werden die Autos über die Elektromarkt-Kette von Euronics vertrieben. Die bezeichnen sich selbst als Spezialisten für alles was elektrisch ist. Und von daher ist es nur folgerichtig, dass jetzt auch ein E-Auto*im Angebot ist. Zunächst nur als Leasing-Fahrzeug, später soll man es auch kaufen können.

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Auch andere Modelle wie ein Abo sind denkbar. Wenn Reparaturen fällig werden, dann kümmern sich die Experten von A.T.U. (rund 570 Filialen in Deutschland) um den U5 von Aiways. Turnusgemäß übrigens erst nach 100.000 Kilometern. Auch das ist rekordverdächtig.

Das Elektro-SUV U5 von Aiways wird von E-Motor mit 190 PS angetrieben

Etwas komisch ist der Name ja schon. U5 klingt eher so, also ob man sich eher unter als über der Erde bewegen würde. Mit einer U-Bahn hat der Shanghai-SUV jedoch nichts zu tun. Außer vielleicht beim Antrieb. Der ist in beiden Fällen elektrisch. Beim U5 von Aiways handelt es sich um einen 190 PS starken Elektro-Motor, der die Vorderachse antreibt. Später soll ein Allrad-Modell nachgereicht  werden.

Die Ladebuchse des U5 sitzt unter dem rechten vorderen Scheinwerfer.

Die Batterie ist 63 kWh groß und soll laut WLTP für eine Reichweite über 400 Kilometer  (300 Kilometer bei Temperaturen unter 0 Grad) sorgen. Aufgeladen wird der Akku an der heimischen Wallbox in zehn Stunden. An einem Schnellader in 50 Minuten bis zu 80 Prozent. Das heißt: Der U5 ist voll alltagstauglich, selbst als Flottenfahrzeug für größere Fuhrunternehmen vorstellbar.

Sitzkomfort im Fond des U5 Aiways: Wie in der S-Klasse von Mercedes

Nach der Probefahrt auf der Sitzbank hinten kann man dieses Auto auch bedenkenlos dem örtlichen Taxler empfehlen. So bequem sitzt man sonst nur in der S-Klasse von Mercedes oder in den Monster-SUVs von BMW, Daimler & Co. Kein Wunder, denn in der aufstrebenden Wirtschaftsmacht gibt es viele Chefs, die gar nicht mehr selbst fahren, sondern chauffiert werden. Aber auch vorne sitzt man wie in der Vorstandsetage. Abgesehen von der ein oder anderen unansehnlichen Kunststoffoberfläche – aber die gibt es ja auch bei BWM oder VW.

Blick vom Chefsessel nach vorne: Eleganz mit Leder und Lack.

Ansonsten schönes weißes Kunstleder, offenbar gut verarbeitet. Chromspangen, Klavierlack, Holzimitate. Wie das alles nach 100.000 Kilometern aussieht, muss man sehen. Direkt hinter dem leicht abgeflachten Lenkrad, gibt es drei Bildschirme, mit den wesentlichen Fahrzeuginformationen. In der Mitte des Cockpits thront das 12,3-Zoll-Infotainment-Display, über das sich das ganze Auto vom Rekuperationsgrad bis hin zum Öffnen des Panorama-Glasdachs steuern lässt. Das Menü ist logisch aufgebaut und auf der Höhe der Zeit.

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Aiways U5: Kein Handschuhfach - dafür versenkbare Türgriffe

Untypisch hingegen ist das fehlende Handschuhfach. Hier findet man nur zwei quadratische Chrom-Aufhängungen, an denen man verschiedene Boxen oder auch einen Tablet-Halter platzieren kann. Ein nettes Ausstattungsdetail – so wie auch die versenkbaren Türgriffe. Apropos. Das erinnert doch? Richtig an das ein oder andere Modell von Jaguar und Land Rover. Zusammen mit dem Steuerrad, das in der Mittelkonsole versenkt ist und mit dem mit dem man Vorwärts-, Rückwärtsgang, Parken oder Leerlauf einstellt, sind es aber schon die einzigen Features, die unter die Rubrik Raubkopie fallen könnten, für die die chinesische Autoindustrie einst berüchtigt war.

Versenkbare Türgriffe: Stimmt da war doch was bei Jaguar und Land Rover…

Ansonsten ist das Design des U5 fein gezeichnet, modern, aufgeräumt und auch für den europäischen Geschmack geeignet. Ist es Absicht, Provokation oder reiner Zufall? Dass die ersten Testfahrten mit dem U5 ausgerechnet in der Daimler-Home-Base Stuttgart stattfinden? Nun dafür gibt es eine Erklärung. Nachdem die Genfer-Automesse abgesagt wurde, suchte Aiways eine Präsentationsalternative. Und die fand man beim Marketing-Partner Staud in der Spätzle-Metropole Stuttgart.

Das Ingolstädter Kennzeichen der Testfahrzeuge könnte man allerdings als Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Audi verstehen. Mit dem e-Tron  hat die Vorsprung-durch-Technik-Tochter des VW-Konzerns zwar einen recht ordentlichen Stromer* im Angebot, allerdings ist der doppelt so teuer und von der Reichweite her um einiges schlechter.

Fahrdynamik? Hier hat der Aiways U5 noch viel Nachholbedarf

Von der Fahrdynamik her, kann der U5 trotz seines moderaten Leergewichts von 1,7 Tonnen mit dem Audi e-tron natürlich nicht mithalten. Weder beim Antritt, der mit 9,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100 nicht nur auf dem Papier ein wenig zögerlich wirkt. Auch wenn mal alle 190 Elektropferde in der Einstellung Sport gleichzeitig auf die Straße schickt. 315 Nm Drehmoment sind halt nicht unbedingt der Hammer. Noch beim Fahrwerk, das im Shanghai-SUV eher schwammig, manchmal auch übertrieben hart, wirkt. Aber da wird sicherlich noch nachjustiert.

Erste Testfahrt: Autor Rudolf Bögel mit dem neuen U5 von Aiways.

Die eher moderaten Fahrleistungen haben vermutlich Methode. Denn nur so lässt sich einVerbrauch um die 16 kw/h realisieren und die Akku-Reichweite auf über 400 Kilometer steigern. Für Kunden, die einfach ein erschwingliches Auto suchen, dürfte die mangelnde Dynamik ohnehin keine Rolle spielen.

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Gute Ausstattung: Der Aiways U5 hat viele Helferlein an Bord

Ausgestattet ist der U5 mit allen herkömmlichen Assistenten. Vom Tot-Winkel-Warner bis hin zu Notbremssystem. Von der intelligenten Fernlichtsteuerung bis hin zur Ausparkhilfe. Und dann gibt es ja noch das kleine Kästchen mit dem schwarzen Auge unten links an der Frontscheibe. Hier sitzt die Kamera der Gesichtserkennungs-Software. Sie stellt fest, wer das Auto fährt und spricht Warnungen aus, sollte der Fahrer müde sein. Big Auto-Brother is watching you.

Macht auch von hinten eine gute Figur: Das Ladevolumen liegt bei bis zu 1543 Liter.

Unser Fazit: Schon bei der ersten Ausfahrt überzeugt der U5. Sowohl vom Design, das modern, aufgeräumt und leicht wirkt, als auch bei der guten Verarbeitung. Made in China kann sich sehen lassen. Von der Fahrdynamik waren wir nicht begeistert, dafür aber stimmten Komfort und Platzangebot. Alles in allem ein gutes Paket für unter 40.000 Euro. Und wer dem chinesischen Braten nicht traut: Beim Leasing kann nicht viel passieren.

Aiways U5: Technische Daten

Leistung:

190 PS

Drehmoment:

315 Nm

Antrieb:

Front

0 - 100 km/h:

9,1 s

Höchstgeschwindigkeit:

160 km/h

Batteriekapazität:

63 kWh

Reichweite:

400 km

Ladezeit:

50 min / Schnelllader

10 Stunden / Wallbox

Länge / Breite / Höhe:

4,68/1,87/1,68 m

Sitzplätze:

5

Leergewicht:

1,75 t

Kofferraum:

423 - 1543 Liter

Normverbrauch:

16,4 kWh / 100 km

Preis:

unter 40.000 Euro

Rudolf Bögel

Warnleuchten im Auto und was sie bedeuten

Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Plötzlich blinkt und leuchtet es im Cockpit! Die Symbole und Kontrolllichter am Armaturenbrett zeigen an, ob dem Auto technisch etwas fehlt. Allerdings, ist es wichtig zu wissen, was die Lämpchen bedeuten. Hier die wichtigsten Kontrollleuchten im Auto: © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motoröldruck zu niedrig. Motor abstellen. Ölstand prüfen und gegebenenfalls nachfüllen - hilft aber nicht immer. Meist muss der Wagen in eine Werkstatt geschleppt werden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Ölmangel, Ölstand überprüfen und nachfüllen - sonst droht Motorschaden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Anschnallzeichen: Einer oder einige der Fahrgäste sind nicht angeschnallt. Das Symbol leuchtet auch auf, wenn eine schwere Tasche auf dem Sitz steht. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme bei der Stromversorgung: Generator defekt oder eine elektrische Verbindung unterbrochen. Motor nicht ausschalten und zur nächsten Werkstatt. NICHT weiterfahren bei elektrischer Servolenkung (Lenkkraftunterstützung kann ausfallen) oder gerissener Keilriemen (Motor kann überhitzen). © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme mit der Bremse. Brennt dieses Licht auch bei gelöster Handbremse, droht große Gefahr. Zu wenig Bremsflüssigkeit oder die Beläge sind bis aufs Metall runter. Sofort anhalten und Pannendienst rufen. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motor ist überhitzt. Kühlwasser reicht nicht mehr. Anhalten und abkühlen lassen. Danach unbedingt in die Werkstatt. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Reifendruckkontrollsystem meldet zu niedrigen Reifendruck. Eventuell harmlos, wenn das Symbol nach dem Reifenwechsel leuchtet (fehlende Kalibrierung) - mehr in der Betriebsanleitung. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Störung im Rückhaltesystem. Funktionsversagen des Airbags/ Gurtstraffers bei Unfall möglich - sofort in die Werkstatt. Symbol leuchtet auch bei deaktiviertem Beifahrerairbag (wg. Kindersitz). © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Bremsbeläge sind abgefahren und sollten demnächst erneuert werden. Weiterfahren möglich. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) ist aktiv - oft auf nassen und vereisten Straßen. Vorsichtig lenken, keine Vollbremsung machen und Fuß vom Gas nehmen. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme mit der Motorsteuerung. Der Schadstoffausstoß kann erhöht sein. Symbol leuchtet auch, wenn die Lambdasonde defekt ist oder ein Marder ein Kabel beschädigt hat. Umgehend in die nächste Werkstatt fahren. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Nebelschlussleuchte ist eingeschaltet. In Deutschland nur erlaubt, wenn die Sicht durch Nebel geringer als 50 Meter ist. © ADAC

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