Schwere Gefechte am Flughafen von Tripolis

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Tripolis - Die Truppen Muammar al-Gaddafis leisten den vorrückenden libyschen Rebellen weiter erbitterten Widerstand. Ein Ende des blutigen Konflikts ist noch nicht abzusehen.

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In Libyen dauern die Kämpfe zwischen Aufständischen und Truppen des untergetauchten Diktators Muammar al-Gaddafi an. In der Hauptstadt Tripolis kam es in der Nacht zum Donnerstag am Internationalen Flughafen wieder zu schweren Gefechten. Aufgrund der hohen Opferzahlen bei den Kämpfen der vergangenen Tage werden in den Krankenhäusern die Medikamente knapp. Ärzte sprechen von chaotischen Zuständen. Von Gaddafi selbst fehlt nach wie vor jede Spur. Die von den Aufständischen gebildete Übergangsregierung setzte ein Kopfgeld auf ihn aus und versprach jedem aus dem näheren Umfeld des Diktators, der ihn tötet oder ausliefert, Straffreiheit.

Gaddafis Liste des Schreckens

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Unterdessen bemühte sich die Regierung in Rom um die Freilassung von vier in Libyen entführten italienischen Journalisten. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa in der Nacht berichtete, habe ein Krisenstab des Außenministeriums alle diplomatischen Hebel in Bewegung gesetzt. Die Entführten seien offenbar in einer Wohnung in Tripolis nahe dem Hotel Rixos untergebracht. Nach dem Fastenbrechen am Abend hätten sie Nahrung und Wasser von ihren Kidnappern bekommen, berichteten die Entführten telefonisch in die Heimat.

Bei den Verschleppten handelt es sich um zwei Journalisten des “Corriere della Sera“ sowie um je einen Vertreter der katholischen Zeitung “Avvenire“ und von “La Stampa“. Vermutlich Gaddafi-Milizen hätten die Journalisten auf dem Weg nach Tripolis angehalten und den Fahrer erschossen, teilte der regionale italienische Journalistenverband von Latium mit. Das habe einer der Entführten per Telefon mitgeteilt. Pariser Medien berichteten am Abend, dass in Tripolis zwei französische Reporter durch Schüsse verletzt worden seien.

Gaddafis Anhänger hielten nach Berichten arabischer Medien noch in zwei Stadtvierteln von Tripolis die Stellung. In einem dieser Viertel liegt das Hotel Rixos, in dem Soldaten seit Sonntag mehrere Dutzend ausländische Journalisten und Diplomaten festgesetzt hatten. Nach Tagen der Angst durften sie das Hotel am Mittwoch verlassen. Auch außerhalb der Hauptstadt sind noch weitere Gebiete, etwa Gaddafis Heimatort Sirte, in der Hand der Regierungstruppen.

Nach Angaben der Rebellen setzten die Gaddafi-treuen Truppen bei den Kämpfen am Flughafen von Tripolis in der Nacht zum Donnerstag auch Grad-Kurzstreckenraketen ein. Ein Flugzeug sei getroffen worden und in Flammen aufgegangen, berichtete der US-Sender CNN. Aufgrund der heftigen Angriffe der Regierungstruppen hätten Rebellen die Vermutung geäußert, dass sich Gaddafi in der Nähe des Flughafens aufhalten könnte.

Die US-Regierung geht nach wie vor davon aus, dass sich Gaddafi in Libyen aufhält. Es gebe keine Hinweise, dass er das Land verlassen haben könnte, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, David Lapan, der BBC. “Die uns vorliegenden Informationen lassen uns davon ausgehen, dass er sich nach wie vor in Libyens aufhält.“

Die Übergangsregierung hatte am Mittwoch ein Kopfgeld von 1,7 Millionen Dollar auf Gaddafi ausgesetzt. Den Vertrauten des Diktators wurde außerdem Straffreiheit zugesichert, wenn sie bei seiner Ergreifung helfen. “Sollten sie ihre Haut retten und nicht mit ihm untergehen wollen, werden sie vor strafrechtlicher Verfolgung sicher sein, wenn sie ihn ausliefern oder töten“, sagte Rebellen-Sprecher Guma al-Gamati der BBC.

Die Übergangsregierung läutet bereits eine neue Ära ein. Sie legte einen Zeitplan für das Libyen nach Gaddafi vor und kündigte Wahlen binnen acht Monaten an. In Paris kündigte der französische Staatschef Nicolas Sarkozy eine Libyen-Aufbaukonferenz für den 1. September in der französischen Hauptstadt an. “In voller Übereinstimmung mit (dem britischen Regierungschef) David Cameron haben wir beschlossen, eine große internationale Konferenz zugunsten des freien Libyen von morgen einzuberufen - um zu zeigen, dass wir uns nun mit der Zukunft befassen“, sagte Sarkozy nach einer Unterredung mit dem Chef der Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, im Élysee-Palast.

Unterdessen kommen die Ärzte in den Krankenhäusern von Tripolis kaum noch gegen die Flut von Verletzten an. Wie der Leiter des Teams der Organisation Ärzte ohne Grenzen in Tripolis, Jonathan Whittal, laut CNN sagte, spielten sich in den Kliniken chaotische Szenen ab. “In fast alle Krankenhäuser der Stadt werden Verwundete gebracht. Aber einige Krankenhäuser waren wegen der Kämpfe nicht zugänglich, so dass andere Klinken umso mehr belastet sind“, sagte er.

Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira veröffentlichte auf Bitten der Ärzte des Zentralkrankenhauses in Tripolis eine Liste mit dringend benötigten Medikamenten und medizinischem Material. Internationale Hilfsorganisationen wurden um Hilfe gebeten. Wie ein Mitarbeiter des Zentralkrankenhauses der Nachrichtenagentur dpa sagte, kamen bis Mittwoch allein beim Kampf um Tripolis 435 Menschen ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt.

dpa

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