Neues Sicherheitskonzept

„Gorch Fock“ erstmals wieder ausgelaufen

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Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ kurz vor dem Auslaufen im Hafen von Las Palmas

Las Palmas - Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ ist zum ersten Mal seit dem tödlichen Unfall im Jahr 2010 wieder in See gestochen. Nun muss sich das neue Ausbildungs- und Sicherheitskonzept bewähren.

Beim Auslaufen aus dem Hafen von Las Palmas setzt die „Gorch Fock“ Segel. Der elegante weiße Dreimaster bietet am Dienstag wieder einen majestätischen Anblick. Doch die Windjammer-Idylle trügt: Zwei Jahre lang wurde der tödliche Sturz einer Kadettin aufgearbeitet, Ausbildung und Takelage sicherer gemacht. Erstmals sind nun wieder Kadetten auf See, um das Segelhandwerk in den bis zu 45 Meter hohen Masten zu lernen. Es ist die große Bewährungsprobe - nicht nur für die Männer und Frauen, die Offiziere werden wollen. Auch das neue Konzept und damit die Zukunft des Ausbildungsschiffs stehen auf dem Prüfstand.

Im November 2010 stürzte eine 25-jährige Kadettin bei der Ausbildung im Hafen der brasilianischen Stadt Salvador de Bahia aus der Takelage und starb. Es war der vierte Todesfall seit 1998 auf der „Gorch Fock“. Danach wurden Vorwürfe laut über Schikane auf dem Schiff und Überforderung von Kadetten. Der Kommandant musste gehen.

Doch ist ein Segelschulschiff überhaupt noch zeitgemäß? Computer zu bedienen sei auf modernen Schiffen wichtiger als Segel setzen zu können, argumentierten Kritiker. Rund 15 000 Offizier- und Unteroffizieranwärter erhielten auf der „Gorch Fock“ maritimen Schliff, praktisch jeder musste den inneren Schweinehund in der Takelage überwinden oder in den reihenweise über- und nebeneinander angebrachten Hängematten unter Deck schlafen. Experten verwiesen darauf, dass fast alle wichtigen Marinen weltweit Segelschulschiffe haben - Grenzerfahrungen, Kameradschaft, Teamgeist und der Kampf mit den Naturgewalten Wind und Wasser ist dort sehr intensiv.

28 Meter hoher Übungsmast an Land für eine Million Euro

Nach dem Todessturz wurde am neuen Ausbildungskonzept gefeilt, das mehr Sicherheit und eine bessere Menschenführung verbinden soll. In der Marineschule Flensburg-Mürwik wurde außerdem für über eine Million Euro ein 28 Meter hoher Übungsmast an Land errichtet. Sogar der neue Kommandant Helge Risch übte, ging mit gutem Beispiel voran.

Die Takelage erhielt zusätzliche Sicherungen. So können sich Kadetten in den Rahen in eine lange Stahlstrebe einklinken und sichern. Sicherungsmöglichkeiten wurden zudem zwischen den Plattformen in den Masten geschaffen, wenn ein Crew-Mitglied weiter hinauf muss in die Takelage. Die Ausbilder sind jetzt psychologisch besser geschult, und es gibt einen Kadetten-Offizier für deren Nöte.

"Man kommt hier gar nicht groß zum Nachdenken"

„Ich selber fühl mich wohl da oben“, sagte die Kadettin Lara Sönnichsen am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. „Es ist schon eine Portion Respekt dabei, ich denke es ist auch sehr wichtig.“ Und die früheren Unfälle? „Anfangs hat man sich natürlich seine Gedanken gemacht. Aber spätestens mit dem ersten Schritt hier an Bord war das alles verflogen. Die Stimmung ist gut, und man hat soviel zu tun, dass man gar nicht groß zum Nachdenken kommt.“

Kommandant Risch misst vor allem dem Aspekt Führung große Bedeutung zu. „Ich glaube daran, dass man zunächst einmal Menschen mögen muss, um Menschen führen und ausbilden zu können.“ Die Stammbesatzung müsse den aktuell 96 Kadetten vermitteln: „Wir sind für euch da, wir freuen uns, dass ihr hier seid.“

Über die Gefühlswelten an Bord sagte Militärseelsorger Michael Gmelch: „Es gibt einige, die Unfälle und schlechte Zeiten miterlebt haben, da ist das Thema "der Traum von einem Schiff" zu einem Trauma geworden.“ Viele Menschen seien auch ungerecht behandelt, verletzt worden. „Aber für die neuen Offizieranwärter und -anwärterinnen ist das mit Sicherheit kaum ein Thema.“

dpa

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