Erster “Mr. Gay China“-Wettbewerb in China

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David Wu nimmt an der Wahl zum "Mr. Gay China" teil

Peking - Die Wahl zum “Mr. Gay China“ ist der erste Wettbewerb, in dem sich homosexuelle Chinesen präsentieren. Eine brisante Veranstaltung, denn in der Volksrepublik sind Schwule immer noch verpönt.

David Wu ist nervös. Nicht, weil er sich mit sieben Konkurrenten in Unterwäsche zeigen muss, mit seinem Körper ist er nach intensivem Krafttraining vollauf zufrieden. Sorgen macht dem 30-Jährigen vielmehr, dass er seinen Eltern noch nicht erzählt hat, dass er schwul ist - und sie ihn bei seinem Auftritt beim ersten “Mr. Gay China“-Wettbewerb im Fernsehen oder in der Zeitung sehen könnten. Diese Befürchtung ist typisch für die schätzungsweise 39 Millionen Homosexuellen in China: Die meisten halten ihr Leben selbst vor ihren eigenen Familien geheim.

Der “Mr. Gay China“-Wettbewerb am (heutigen) Freitagabend in Peking ist die erste solche Veranstaltung in der Volksrepublik überhaupt. Die meisten einheimischen Medien würden darüber nicht berichten, “deswegen ist es wohl unwahrscheinlich, dass meine Eltern es herausfinden“, sagt Zhang zuversichtlich. “Andererseits, wenn sie es tun... vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, es ihnen zu sagen.“ Insgesamt acht schwule Männer bewerben sich um den Titel “Mr. Gay China“ und ein Ticket für den Wettbewerb “Worldwide Mr. Gay“ im Februar in Oslo.

Die Veranstaltung solle vor allem deutlich machen, dass es zahlreiche Homosexuelle in China gebe, sagt Organisator Ben Zhang. Die Leute sollten merken, “dass wir nicht einfach Weicheier sind, wir sind keine Psychos, wir sind keine HIV-infizierten Patienten“, erklärt er. “Wir sind sonnige, sexy, schicke und intelligente Leute, und wir leben mitten unter euch.“

Schweigen aus Rücksichtnahme auf die Familie

Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 galt Homosexualität als Krankheit aus dem dekadenten Westen. Schwule und Lesben wurden verfolgt, und erst 2001 wurde ihre sexuelle Orientierung von der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen. Vor dem Wettbewerb am Freitag wollten trotzdem alle Kandidaten von der Nachrichtenagentur AP sicherheitshalber nur ihre englischen Namen genannt wissen, um zu Hause nicht erkannt zu werden. Die Leute wüssten einfach nicht viel über Schwule, sagt einer von ihnen, der 25 Jahre alte Andrew Muyi aus der westchinesischen Region Xinjiang. “Sobald sie mehr über mich wissen, werden sie mich verstehen.“ Fast die ganze Gruppe ist sich einig: ihre größte Herausforderung besteht im Umgang mit ihren Eltern und den tief verwurzelten Erwartungen, zu heiraten und eine Familie zu gründen. “Wirklich, die einzige Schwierigkeit sind die Eltern“, sagt der 30-jährige Wu. “Aber selbst wenn dich deine Eltern akzeptieren können, müssen sie noch immer ihren Freunden und der Familie gegenübertreten.“ Er selbst hat sich ihnen gegenüber aus Rücksicht noch nicht geoutet: “Ich will sie nicht diesem Druck aussetzen.“ Andere, die offen mit ihrer sexuellen Orientierung umgehen, sehen sich dennoch oft der Forderung gegenüber, doch endlich “ein nettes Mädchen zu finden“. Seine Eltern erwarteten beharrlich, dass er heirate, sagt Steven Zhang. “Man kann sie nicht ändern“, erklärte der 30-Jährige schulterzuckend.

Schwules Hochzeitspaar auf der Titelseite

In vielen Familien sei persönliches Glück gegenüber traditionellen Verpflichtungen wie der Zeugung eines Sohnes völlig unbedeutend, sagt die Sexualwissenschaftlerin Li Yinhe. Die Fortführung der Familie stehe im Mittelpunkt, und demgegenüber müsse anderes zurückstehen. Lis Schätzungen zufolge gibt es mindestens 39 Millionen Schwule und Lesben in China - das sind mehr als Kanada Einwohner hat. Immerhin scheint die Volksrepublik inzwischen offener mit dem Thema umzugehen. In Shanghai fand im vergangenen Juni das erste Schwulen-Festival statt und in Peking das fünftägige Beijing Queer Film Festival, das in den Jahren 2001 und 2005 noch von der Polizei verboten worden war. Auch die staatlichen Medien ziehen nach. Die englischsprachige Zeitung “China Daily“ brachte in dieser Woche auf ihrer Titelseite einen Bericht über die Hochzeit eines schwulen Paares in der südwestlichen Stadt Chengdu, neben einem Farbfoto des aneinandergeschmiegten Paares. Der nervöse Wu hat möglicherweise doch bald Gelegenheit zu einem Gespräch mit seinen Eltern: Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua wird vermutlich über den Wettbewerb in Peking berichten. Von mehr Aufmerksamkeit in den Medien könnten alle Homosexuellen in China profitieren, sagt Organisator Zhang: Er selbst habe erst mit 18 oder 19 erfahren, dass es ein chinesisches Wort für homosexuell gibt.

AP

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