Ende einer Ära: Florida weint um Space-Shuttles

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Florida - Am Freitag soll zum vorerst letzten Mal ein US-Space-Shuttle von Cape Canaveral starten. Nach 30 Jahren Dienst gehen die Raumfahrt-Ikonen endgültig in den Ruhestand. Eine ganze Region zittert einer ungewissen Zukunft entgegen.

Der Himmel über Florida ist einmal noch ihre Bühne. Mit ihrem gleißenden Feuerschweif und dem Donnern ihrer Startraketen wird die Raumfähre Atlantis manchen Betrachter zu Tränen rühren. Hunderttausende werden in den Sonnenscheinstaat an der US-Ostküste pilgern, um das Raumschiff ein letztes Mal im Übergang zwischen Erde und All verschwinden zu sehen. Nie wieder wird ein Space-Shuttle - wie es die Welt seit 30 Jahren kennt - in den Orbit fliegen.

"Es wird eine Feier", sagt Kommandant Chris Ferguson über die Abschiedsmission. Die Raumfahrtbehörde Nasa peilt nicht umsonst die Rückkehr der Atlantis für den 20. Juli an - das 42. Jubiläum der Mondlandung. Der Terminplan könnte jedoch durchkreuzt werden - Tropische Regenschauer und Gewitterstürme in Florida drohen den letzten Start zu verzögern. Es bestehe nur eine Chance von 30 Prozent, dass die Atlantis wie geplant am Freitag zu ihrer Abschiedsreise aufbricht, so eine Nasa-Sprecherin.

Das Aus für die bemannten US-Raumfähren stürzt Floridas “Space Coast“ in eine echte Krise. Es gehen nicht nur tausende Jobs verloren, sondern auch das Selbstbewusstsein. Die Einwohner sehnen sich nach einer neuen Weltraumvision aus Washington. Eine der betroffenen Orte ist Titusville, in der Region auch "Space-City" genannt. Wie auch Cape Canaveral, Merritt Island und Cocoa gründet Titusville seine Identität auf Amerikas Erfolge im Weltall. "Die Stimmung ist sehr düster hier", sagt Walter Feitshans, einer der vielen besorgten Bürger.

Nasa Space-Shuttles: Nach 30 Jahren in Rente

Nasa Space-Shuttles: Nach 30 Jahren in Rente

Die Nasa spricht zwar lediglich von einer Unterbrechung, da schon 2015 wieder Astronauten in privat entwickelten Raumkapseln von Cape Canaveral aus in den Orbit abheben sollen. Doch in Titusville glaubt man eher an eine 10 Jahre lange Pause.

Die Lücke ist aber vor allem eine finanzielle. Tausende Bewohner der "Space Coast" verloren mit dem Shuttle-Ende ihren Job. Genaue Zahlen sind rar, weil die Nasa viel Arbeit an Privatunternehmen ausgelagert hat. Die Lokalzeitung "Florida Today" rechnet mit 9.000 Stellenstreichungen im Kennedy Space Center allein und als Konsequenz mit 11.000 weiteren in der Region.

Wer kann, zieht weg. Vor allem junge Familien machen sich nach Texas, Georgia oder South Carolina auf, wo Luftfahrtunternehmen noch Experten brauchen. "Wir haben schon viele Leute verloren. Das hat unsere Gemeinde stark beeinflusst", sagt James Hernandez aus Titusville, der bedauert, dass immer mehr Geschäfte schließen müssen und Häuser leerstehen.

Der Weg aus der Misere muss in den kommenden Jahren wohl über den Tourismus kommen. Cocoa kann immerhin mit 20 Kilometern öffentlichen Strand aufwarten. Nebenan in Port Canaveral legen regelmäßig Kreuzfahrtschiffe an und Cape Canaveral ist auch ohne Shuttle-Starts wegen des Nasa-Besucherzentrums weiter ein Publikumsmagnet. Doch am Ende werden die Einwohner nur mit einer neuen Raumfahrtvision aus Washington wieder glücklich, sagt Marcia Gaedcke, Präsidentin der Handelskammer in Titusville. "Wir sind immer noch die 'Space Coast'. Und werden immer die 'Space Coast' bleiben."

Die Raumgleiter sind technisch kompliziert wie kaum eine andere Maschine - das macht sie weniger verlässlich und ihre Wartung teuer. Eigentlich sollten sie der Menschheit einen günstigen Weg ins All ebnen. Tatsächlich kostet eine Mission rund eine Milliarde Dollar (693 Millionen Euro). "Finanziell sind die Shuttles ein Fehlschlag", sagt Pace. Trotz aller Erfolge: Das Hauptziel haben die Fähren nicht erfüllt: Statt wie geplant 40 bis 60 Flüge pro Jahr zu schaffen, hoben sie im Schnitt keine fünfmal jährlich ab. Das auch nur, weil bis zu 25.000 Nasa-Mitarbeiter im Akkord schufteten. Tausende von ihnen stehen mit dem Shuttle-Ende vor der Arbeitslosigkeit.

Nach dem Flug der Atlantis verfügen die USA zunächst mehrere Jahre über keine Weltraumfahrzeuge, die Astronauten ins All befördern können. Die Nasa ist dann auf Mitfluggelegenheiten in engen russischen “Sojus“-Kapseln angewiesen.

dpa

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