Terror in Nigeria

Hunderte Tote bei Massaker von Boko Haram

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Der Pin zeigt den Standort der Stadt Baga an, im Nordosten Nigerias, direkt an der Grenze zum Nachbarstaat Tschad.
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Baga - Ein Massaker hat sich in Nigeria abgespielt: Die islamistische Terrormiliz Boko Haram hat die Stadt Baga niedergebrannt und weitere Orte überfallen! *NEUE INFOS*

UPDATE 23.05 Uhr: Offenbar Hunderte Tote

Knapp sechs Wochen vor der Präsidentenwahl in Nigeria eskaliert die Gewalt im Norden des Landes. Bei einem Großangriff der Islamistenmiliz Boko Haram im Nordosten Nigerias sind offenbar Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl nannte der Vorsteher des betroffenen Bezirks Baga, Alhaji Baba Abba Hassan, örtlichen Medien zufolge.

Der Vorsteher wies Medienberichten zurück, wonach bei den Angriffen vom Mittwoch bis zu 2000 Menschen getötet worden seien. Da in der abgelegenen Region Telefone nur noch eingeschränkt funktionieren, dauert es häufig länger, bis es belastbare Informationen von dort gibt. "Ich bekomme weiter neue Informationen über die Angriffe", räumte der Bezirksvorsteher ein.

Die Europäische Union zeigte sich schockiert über die jüngsten Angriffe. Der gegen die unschuldige Zivilbevölkerung gerichtete Terror habe Berichten zufolge Hunderte Todesopfer gefordert und Tausende vertrieben, hieß es in einer Mitteilung der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini.

Boko Haram will im Norden Nigerias und in den angrenzen Gebieten Kameruns und des Tschads einen Gottesstaat errichten. Bei Terroranschlägen der sunnitischen Organisation sind im ölreichen westafrikanischen Staat Nigeria allein in diesem Jahr Tausende Menschen getötet worden. Zuletzt mehrten sich die Anschläge immer mehr, was Experten auch mit der Mitte Februar anstehenden Präsidentenwahl in Verbindung bringen.

Staatschef Goodluck Jonathan verurteilte in einer Wahlkampfrede am Donnerstag das Attentat auf die Redaktion des Satireblattes "Charlie Hebdo" in Paris. Er sagte lokalen Medien zufolge aber nichts zu den jüngsten Boko-Haram-Angriffen im Norden des Landes.

UPDATE 20.40 Uhr: "Hetzjagd" durch die Stadt

"Hunderte Milizionäre kamen auf Lastwagen mit AK-47-Sturmgewehren bewaffnet, fuhren durch die Straßen und fingen an, wahllos Handgranaten zu schmeißen und zu schießen", zitiert die nigerianische Zeitung "Premium Times" das Stadtoberhaupt von Baga, Audu Labo.

Ein Überlebender berichtet von einer "Hetzjagd" durch die Stadt: "Diejenigen, die fliehen konnten, rannten mehrere Stunden in Richtung eines Sees, ehe sie schwimmend in den Tschad fliehen konnten".

Die Angriffe auf die Stadt begannen offenbar schon vor wenigen Tagen. Eine Militärbasis wurde übernommen und Teile der Stadt wurden niedergebrannt. Anwohner flohen ins Nachbarland Tschad. Am Mittwoch kam es dann zu Angriffen auf benachbarte Ortschaften.

UPDATE 19.40 Uhr: Opferzahl bleibt unklar

Die dpa zitiert einen Sicherheitsbeamten des Bundesstaates Borno, wonach elf Ortschaften angegriffen wurden. Der Mann, der aufgrund der kritischen Lage anonym bleiben möchte, wies einen Bericht des BBC zurück, laut dem es bis zu 2000 Todesopfer gebe. "Viele Menschen in den Dörfern fliehen jetzt in den Busch", fügte er hinzu.

Eigene Angaben zu Opferzahlen machte der Beamte nicht. Die Katastrophenschutzbehörde bereite jedoch einen Hilfseinsatz vor.

UPDATE 19.30 Uhr: Insgesamt 16 Ortschaften zerstört

Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf örtliche Behörden berichtet, wurden insgesamt 16 Ortschaften im nördlichen Bundesstaat Borno zerstört. Darunter auch das Handelszentrum Baga.

Vor Ort müssen schreckliche Zustände herrschen: "In den Büschen liegen Leichen, aber es wäre unvorsichtig, sie zu bergen, um sie beizusetzen", sagte Behördenvertreter Musa Bukar laut der Agentur AFP.

Rund 20.000 Menschen seien aus Baga und den anderen Orten geflüchtet. 560 Menschen seien auf eine Insel im Tschad-See geflohen, wo sie ohne Lebensmittelversorgung seien. "Einige sterben an Hunger, an Kälte und an Malaria."

Erstmeldung 18.40 Uhr: Bis zu 2000 Tote befürchtet

Nach ersten Berichten des BBC sei die Stadt mit 10.000 Einwohnern "praktisch ausgelöscht". Es werden bis zu 2000 Tote befürchtet.

Hintergrund: 

Die islamistische Gruppierung Boko Haram setzt sich für ein Kalifat und die Einführung der Scharia in ganz Nigeria ein. Boko Haram hält enge Kontakte zu Al Kaida und anderen islamistischen Terrorgruppen. Der Konflikt brach 2009 aus, nach einem Demokratisierungsprozess in Nigeria und der ersten Wahl eines Präsidenten der IV. Republik. Opfer ihrer Anschläge sind sowohl Christen als auch Muslime.

Boko Haram habe die Stadt fast völlig niedergebrannt. Einwohner seien bis ins Nachbarland Tschad geflüchtet. Auch die Schutztruppen der Regierung seien vorher aus der Stadt geflohen und ließen die Einwohner somit im Stich. Die Straßen seien übersät mit Leichen. Die Terrormiliz kontrolliere nun rund 70 Prozent des Bundesstaates Borno im Nordosten von Nigeria.

Immer wieder verbreiteten die Islamisten mit brutalen Anschlägen und Überfällen auf Dörfer Angst und Schrecken. Internationale Aufmerksamkeit erreichte die Terrorgruppe auch mit der Verschleppung von 276 Schülerinnen in der Nacht vom 14. zum 15. April 2014. Viele Prominente, wie First Lady Michelle Obama, forderten daraufhin unter dem Hashtag #bringbackourgirl die Befreiung der Mädchen aus der Gewalt der Terroristen.

mg/ro24 / Quellen: dpa/AFP

Quelle: rosenheim24.de

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