Sie stehen auf einem Board, das einem kleinen Surfbrett ähnlich ist. Ziehen lassen sie sich von einem "Lenkdrachen", einem Schirm, der hoch oben in der Luft den Wind einfängt. Und dann geht's in der Regel ziemlich schnell über das Wasser - "Kitesurfen" ist eine Trendsportart, die sich auch am Chiemsee immer größerer Beliebtheit erfreut. Die Extrem-Surfer haben bereits Startplätze am Bayerischen Meer zugebilligt erhalten, nun kommt ein weiterer in Sicht: Den "Kitern" eröffnet sich die Möglichkeit, auch vom Ufer in Felden zu starten.
Der Gemeinderat hat am Donnerstagabend grünes Licht für Starts im Strandbad gegeben. Nicht zu überhören war jedoch die Befürchtung, dass "Kiter" und Schwimmer sich in die Quere kommen und gefährliche Situationen entstehen. Mit 13:7 Stimmen billigte das Gremium schließlich einen Antrag des Vereins "Kiteboard Chiemsee".
Die Gemeinde ist damit einverstanden, dass die "Kiter" von einer kleinen Landzunge im Strandbad Felden auf das Wasser starten. Für die Fahrt hinaus auf den See gewährt ihnen die Kommune einen Korridor, den sie mit Leinen vom Schwimmbereich abgrenzen müssen. Und was die Kommune noch klar zum Ausdruck bringt: Den Sport ausüben dürfen dort in Felden nur die Mitglieder des Vereins "Kiteboard Chiemsee". Ohne Eingrenzung etwa auf die Zeit vor und nach der Badesaison heißt die Kommune sie auf ein "Probejahr", so der Tenor mehrheitlich im Gemeinderat, willkommen. Nach der Saison 2012 will er dann Bilanz ziehen und alles Weitere festlegen.
Doch ob die "Kiter" tatsächlich heuer vom Strandbad Felden aus in den Chiemsee stechen, bleibt noch offen. Nach der Zustimung der Gemeinde ist vermutlich auch eine Genehmigung durch das Landratsamt Traunstein vonnöten. Was wer noch machen muss, war gestern, am Tag nach der Sitzung, noch unklar.
Bereits im September hatte der Gemeinderat den "Kitern" Starts in Felden grundsätzlich zugebiligt - jedoch nicht während der Badesaison. In der vergangenen Woche meldete sich nun der Verein erneut im Rathaus. Und so befasste sich das Gremium jetzt noch einmal mit dem Antrag. Der Rat entsprach dem Wunsch des Vereins, kam ihm entgegen und gab schließlich auch sein Okay für Starts während der Badesaison.
Der Gemeinde dürften keine Kosten entstehen, die Schwimmer nicht gefährdet werden, erläuterte Zweiter Bürgermeister Matthias Vieweger (CSU) die Voraussetzungen für eine Zustimmung, die seiner Ansicht nach gegeben sein müssen. So habe sich etwa auch der Verein - und damit eben nicht, wie von ihm gewünscht, die Kommune - darum zu kümmern, dass Leinen auf dem Wasser ausgebracht werden, die die Bereiche der "Kiter" und Schwimmer voneinander abgrenzen.
Hansjörg Decker (Bernauer Liste) sagte, dass genau im Uferbereich für die beabsichtigten Starts der "Kiter" zwei Bänke stünden. Die Spaziergänger, die an dieser Stelle den Blick in den Irschener Winkel genießen, dürften nicht gestört werden.
Philipp Bernhofer (ebenfalls Bernauer Liste) sagte, dass die Trendsportler "Unruhe" bringen werden. Insbesondere werden sie seinen Angaben zufolge die gefiederten Gäste am See stören. "Die Vogelwelt ist einzigartig", erinnerte er daran, die Fauna zu schützen. Und weiter sagte Bernhofer, der nach eigenem Bekunden gern und oft im Chiemsee schwimmt, dass sie auch die Badegäste im Wasser gefährden werden. Schließlich seien die "Kitesurfer" doch sehr schnel unterwegs.
In das gleich Horn stieß Ursula Zeitlmann (Bündnis 90/Die Grünen). "Kiten" sei ein "Risikosport". Die Surfer "haben Turbo-Geschwindigkeiten drauf". Und da stelle sich dann schon die Frage, wie sie auf einem schmalen Korridor auf den See hinauskommen sollen - und zwar ohne die Schwimmer zu gefährden. Wie andere Gemeinderäte hielt sie gerade den angepeilten Bereich für gänzlich ungeeignet, ihn den "Kitern" zum Starten anzubieten. Auf dem langen Ufer in Felden müsste man doch viel bessere Plätze finden. Der Bürgermeister entgegnete ihr, dass keine anderen Möglichkeiten gegeben seien - ob deswegen, weil eine Kaimauer einen Einstieg nicht zulässt, oder aus dem Grund, weil die Gemeinde nicht der Eigentümer von Grund und Boden am Ufer ist.
Donat Praßberger (CSU) meinte, dass die Trendsportler "da hinten gut aufgehoben sind". Dritter Bürgermeister Alexander Herkner (SPD) hingegen sagte, dass durch das "Kiten" die Gefahr für andere an dieser Stelle "zu groß" sei.
pü/Chiemgau-Zeitung










