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Hass-Duell spaltet die Boxszene

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Hass-Duell spaltet die Boxszene

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London - Der Kampf der britischen Skandalboxer David Haye und Dereck Chisora erhitzt die Gemüter. Für die einen ist das Hass-Duell eine Schande für den Boxsport, für die anderen eine willkommene Abwechslung.

© dpa

David Haye (l.) und Dereck Chisora

Auge in Auge stehen sie sich mit hasserfüllten Blicken gegenüber, wie zwei wilde Tiere, nur getrennt durch einen Metallzaun. Bei jeder Pressekonferenz inszenieren David Haye und Dereck Chisora auf diese animalische Weise ihre Feindschaft. Am Samstagabend (ab 22.00 Uhr/Sky Select) gibt es kein Gitter mehr, die britischen Skandalboxer werden im Londoner Upton Park aufeinander losgelassen. Endlich, sagen die einen. Leider, sagen die anderen. Der umstrittene Schwergewichtskampf fünf Monate nach der Schande von München spaltet die Boxszene.

Für manche Experten wie Axel Schulz ist das Hass-Duell der unberechenbaren Fighter eine „geile Nummer“ und eine willkommene Abwechslung zu den vorhersehbaren Klitschko-Kämpfen. Moralisten wie die Klitschko-Brüder sprechen dagegen von einer „Freakshow“ und wenden sich vom sportlich fragwürdigen Schauspiel zweier Maulhelden angewidert ab. Obwohl gar kein WM-Gürtel vergeben wird, spricht die ganze Boxwelt über diesen Kampf.

Ein Unding, findet Wladimir Klitschko. „Da ist jemand, der einen anderen bespuckt, ohrfeigt und bepöbelt, aber drei Monate später darf der wieder boxen. Das sendet die falsche Botschaft an die Jugend“, sagt der Weltmeister, „je ungeheuerlicher du dich benimmst, umso mehr Geld kannst du machen.“

Trashtalk, Aggression, Gewalt - damit erzeugten Haye und Chisora viel Aufmerksamkeit. Am 18. Februar prügelten beide in den Katakomben der Münchner Olympiahalle derart wüst aufeinander ein, dass Blut floss und sogar die Polizei anrücken musste. Zuvor hatte Chisora bei seiner Niederlage im Ring gegen Witali Klitschko dessen Bruder Wladimir mit Wasser bespuckt. Nicht zu vergessen Chisoras Ohrfeige gegen Witali beim offiziellen Wiegen.

Nach der Skandalnacht von München war ein Duell der beiden Rüpel-Boxer nur noch eine Frage der Zeit und des Geldes. „Das ist eine Schande für das Profiboxen, der absolute Tiefpunkt“, wettert Thomas Pütz. Der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) hat nichts gegen einen Kampf zwischen den beiden Streithähnen, „aber bitte in einem Freefight-Käfig oder in einer Londoner Kneipe“.

Das sieht Axel Schulz ganz anders. „Das ist doch 'ne geile Nummer! Mit dem Kampf geht das Boxen zurück zu den Wurzeln, zurück in die Zeit, als noch nicht alles schön sauber und glattgebügelt war“, sagt der frühere Schwergewichtler und verteidigt Haye und Chisora: „Die zwei haben alles richtig gemacht. Wann hat es zuletzt so viel Aufmerksamkeit bei einem titellosen Kampf gegeben?“

Aufmerksamkeit, die sich bezahlt macht. Chisora kassiert mit etwa zwei Millionen Euro die Börse seines Lebens, Haye sogar noch eine Million mehr. Der frühere Champion im Cruisergewicht erklärte dafür auch gerne seinen Rücktritt vom Rücktritt. Eigentlich wollte er nach seiner Niederlage gegen Wladimir Klitschko nie mehr in den Ring steigen. Bei einem Sieg winkt dem „Hayemaker“ ein lukratives Duell gegen Witali. Dass der Fight am Samstag überhaupt nach gültigen Regeln stattfindet, ist dem luxemburgischen Boxverband zu verdanken, der beide Athleten mit einer Lizenz austattete.

Die beiden Protagonisten taten im Vorfeld alles, um die Stimmung weiter anzuheizen. Haye empfahl seinem Kontrahenten den Besuch bei einem Psychiater und drohte: „Ich kille dich.“ Der 28-jährige Chisora nannte seinen drei Jahre älteren Gegner eine „Drama-Queen“, die er „vernichten“ wolle.

Der Boxfan darf selbst entscheiden, wie er zu dem Kampf steht. Um ihn am heimischem Fernseher live zu sehen, muss er allerdings tief in die Tasche greifen. 25 Euro (Frühbucherpreis 20 Euro) verlangt der Pay-TV-Sender Sky, der das Duell live und exklusiv auf Sky Select überträgt. Entgegen erster Überlegungen entschied sich die ARD aus Imagegründen gegen eine Übertragung.

BDB-Präsident Pütz wird sich das Geld sparen: „Selbst wenn man mir die Tausender nur so auf den Tisch packen würde, ich werde mir den Kampf nicht ansehen.“ Die 35.000 Eintrittskarten waren aber schnell vergriffen, über 60 Länder zeigen den Kampf, der die Boxszene spaltet.

sid

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