Biathlon-Erfolgstrainer hört auf

Müssiggang hinterlässt ein schweres Erbe

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Uwe Müssiggang verabschiedet sich als Biathlon-Cheftrainer.

Oslo - Uwe Müssiggang ist für das deutsche Damen-Biathlon das, was Heiner Brand für den Männer-Handball war. Unter seiner Regie faszinierte die Goldene Generation um Andrea Henkel und später Magdalena Neuner die Nation. Er hinterlässt ein schweres Erbe.

Vor seinem Abschied als Biathlon-Chefbundestrainer hat Uwe Müssiggang noch einen ganz großen Wunsch. „Dass die neue Damen-Mannschaft nicht an der alten gemessen wird, denn das wäre einfach unfair“, sagt der erfolgreiche Coach der deutschen Skijägerinnen. Nach der historischen Olympia-Nullnummer von Sotschi ist der Umbruch bereits eingeleitet. „Hier in Oslo sind wir mit einer kompletten Junioren-Mannschaft am Start. Es dauert aber ganz bestimmt einige Jahre, bis wir wieder an die alten Erfolge anknüpfen können. Wir müssen uns dran gewöhnen, dass es keine Siegleistungen in Serie mehr geben wird“, meint Müssiggang.

Der 62-Jährige hat das Damen-Biathlon ohne Frage mitgestaltet. An fast allen der großen deutschen Siege war Müssiggang beteiligt. Seit die Frauen 1992 bei Olympia starten, gab es 25 Mal Edelmetall - acht Gold-Medaillen waren darunter. Unter anderem waren Antje Misersky, Petra Behle, Uschi Disl, Kati Wilhelm, Magdalena Neuner und Andrea Henkel erfolgreich.

Auch bei Weltmeisterschaften sammelte das Damen-Team unter seiner Führung von 1991 bis 2010 25 Gold-, 17 Silber- und zehn Bronze-Medaillen (inklusive aller Weltcup-Disziplinen, Mixed und dem alten Teamwettbewerb). Insgesamt holten die Biathletinnen unter Müssiggang bei Großereignissen 77 Medaillen. Und mit Martina Beck, Kati Wilhelm, Andrea Henkel und zuletzt Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner gewannen gleich vier Skijägerinnen den Gesamtweltcup.

Vom Desinteresse zum Publikumsrenner

Auf eine Abschiedsparty am legendären Holmenkollen ist Müssiggang „nicht vorbereitet“. Dabei kann er stolz sein auf das, was geleistet wurde. Nicht unbedingt die vielen Medaillen sind es, sondern „die ganze Entwicklung des Damen-Biathlons“ gibt Anlass zur großen Freude. „Anfangs gab es null Interesse.“ Mittlerweile ist das Damen-Biathlon ein Publikumsrenner. Auch wenn es zuletzt nicht mehr so lief wie einst. Auch weil der nach Olympia in Vancouver vom Damen-Chef zum Chefcoach der gesamten Nationalmannschaft beförderte Müssiggang vielleicht vergessen hat, den Umbruch früher einzuleiten.

Im Parkhotel in der norwegischen Hauptstadt kommt vor dem Abschied schon ein wenig Wehmut auf, gibt Müssiggang zu. „Es gab eine Menge schöner Erlebnisse“, sagt er. Nach Oslo wird die Saison bei der traditionellen Bundestrainer-Tagung im April aufgearbeitet. Erst danach wird Müssiggang Gespräche führen, welche Funktion er in den nächsten Jahren im Skiverband übernehmen wird. „Aber mein Abschied als Bundestrainer ist definitiv“, bekräftigt er.

Magdalena Neuner: So schön, so erfolgreich

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

Verabschieden wird sich auch Männer-Coach Fritz Fischer, zumindest aus der ersten Reihe. „Ich sage nicht Servus, aber ich will nicht mehr so viel rumreisen. Ich möchte meine Erfahrung gerne weitergeben. Ob und was ich im Verband noch machen kann, wird sich nach Gesprächen bei der Trainertagung zeigen“, sagte der Bayer. Sein Nachfolger an der Seite von Mark Kirchner wird Andreas Stizl, der aus dem Nachwuchsbereich aufrückt.

Fischer war die gute Seele im Team, sorgte mit seinen Späßen immer für gute Stimmung. „Biathlon ist eine Lebensschule. Deshalb finde ich es gut, wenn ich in dem Job weiter arbeiten kann und darf“, sagt der Staffel-Olympiasieger von 1992. Seine Schützlinge werden nicht nur seinen Humor, sondern auch seine Anfeurungen an der Strecke vermissen. „Seine Pfiffe verfolgen mich noch die nächsten 30, 40 Jahre. Ich glaube, den Pfiff erkenne ich aus eine Gruppe von Leuten heraus“, sagte Olympia-Starter Simon Schempp im ZDF.

dpa

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