Dopfer und Luitz

Im Neureuther-Schatten zur Medaille?

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Fritz Dopfer

Sotschi - "Kapitän" Felix Neureuther ist wohl nicht mit an Bord, jetzt müssen es Fritz Dopfer und Stefan Luitz richten - alles andere als "Leichtmatrosen".

Stefan Luitz saß im Pressezentrum von Krasnaja Poljana und schaute zu Felix Neureuther hinüber. „Ich bin froh, dass er da ist“, sagte Luitz mit einem Schuss Ehrfurcht in der Stimme über Neureuther, „er ist ja unser Captain.“ Das Problem ist nur: Der „Kapitän“ der deutschen Ski-Mannschaft ist stark angeschlagen und beim olympischen Riesenslalom am Mittwoch (8.00/11. 00 Uhr und 11.30/14.30 Uhr) wohl nicht mit an Bord. Jetzt müssen es die „Matrosen“ richten.

Dabei sind Luitz und der dritte Deutsche, Fritz Dopfer, alles andere als das, was man despektierlich Leichtmatrosen nennen würde. „Ich kann versprechen: Wer eine Medaille holen will, muss sie schlagen. Ich traue ihnen alles zu“, sagt Cheftrainer Charly Waibel. Alpindirektor Wolfgang Maier echauffierte sich dieser Tage in Sotschi gar darüber, dass angesichts des Wirbels um Neureuthers Autounfall „kein Mensch“ mehr von Luitz und Dopfer rede.

Dass Neureuther das Interesse auf sich zieht, hat für Luitz und Dopfer allerdings auch Vorteile: Beide entwickelten sich im Schatten des Stars relativ unbeobachtet. Der Garmischer Dopfer (25) schaffte es im Weltcup immerhin schon drei Mal aufs „Stockerl“. In diesem Winter war er als Vierter zwei Mal nahe dran. Und mit seiner herausragenden Leistung war er 2013 bei der WM der Garant für Bronze im Team-Wettbewerb.

Dopfer gilt als Grübler. Als einer, der sich manchmal vielleicht den einen Gedanken zu viel macht. Wenn Neureuther der Chaot der Mannschaft ist, ist Dopfer der Ruhepol. Dass er jetzt in Sotschi sagt, für ihn sei im Riesenslalom „sicher einiges drin“, muss fast als Kampfansage gewertet werden.

Auch der Allgäuer Luitz (21) gibt sich nach außen eher einsilbig. Menschen, die ihn besser kennen, berichten jedoch von einem Draufgänger-Typen. Einer, wie sie bei den Skifahrern sagen, „der sich nichts scheißt“. Maier nennt Luitz ein „Ausnahmetalent“. Eines, wie sie es beim Deutschen Skiverband (DSV) zuletzt im jungen Felix Neureuther hatten.

Dass er eine vielversprechende Karriere vor sich hat, bewies Luitz einer breiteren Öffentlichkeit erstmals im Dezember 2012, als er beim Riesenslalom in Val d'Isere, auf einem der anspruchsvollsten Hänge im Weltcup, Zweiter wurde. Hinter dem Österreicher Marcel Hirscher, aber vor dem späteren Weltmeister Ted Ligety (USA).

Diese beiden, dazu der Franzose Alexis Pinturault, gelten auch am Mittwoch als Favoriten. Ligety und Pinturault hat Luitz bereits Mitte Dezember geschlagen, als er in Val d'Isere als Dritter seine zweite Podest-Platzierung im Weltcup einfuhr - nicht einmal zehn Monate nach einem Kreuzbandriss im linken Knie

Die deutschen Medaillengewinner in Sotschi

Die deutschen Medaillengewinner in Sotschi

Noch schaut Luitz zu Neureuther und Dopfer auf. „Die zwei sind älter als ich, da stelle ich mich immer hinten an“, sagt er. Aber, fügt er augenzwinkernd an, „ab und zu kann ich sie auch mal ärgern“.

Dass ihr „Captain“ Neureuther auf dem Weg nach Sotschi verunfallte, sei für beide „ein Schock“ gewesen, meinen Luitz und Dopfer. „Aber wir sind Profis genug, das wegzustecken.“ Die „Matrosen“ fühlen sich bereit, das Steuer zu übernehmen.

sid

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