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Witali Klitschkos doppelter Kampf

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Witali Klitschkos doppelter Kampf

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Kiew - Er ist im Boxring zu Hause wie auch im Stadtparlament von Kiew. Noch kriegt Weltmeister Witali Klitschko beides irgendwie unter einen Hut. Am Samstag boxt er, demnächst will er sich wählen lassen. Da staunt auch sein Bruder Wladimir.

© dpa

Witali Klitschko ist nicht nur Boxer, sondern auch Politiker 

Witali Klitschko ist ein Mann des subtilen Humors, er liebt Wortspiele und tiefgründige Witze. Doch wenn es um Dinge geht, die ihm wirklich am Herzen liegen, dann wird aus dem Schwergewichts-Boxweltmeister ein Mensch, der keinen Spaß versteht. Kürzlich war dies im Prominenten-Hotel „Stanglwirt“ in Tirol zu beobachten. Der 40 Jahre alte Ukrainer bereitete sich dort auf die Verteidigung seines WM-Titels vor, in der an diesem Samstag (22.15 Uhr/RTL) in der Münchner Olympiahalle der Brite Dereck Chisora sein Gegner ist.

In kleiner Runde schilderte er, als die sportlichen Fragen geklärt waren, seinen Kampf für die Demokratisierung des Heimatlandes. Klitschko ist Vorsitzender der Partei Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen (Udar). Sein Ziel sind demokratische Strukturen, die Ukraine in Europa zu verankern und die ausufernde Korruption einzudämmen. Seine Erfolgschancen stehen derzeit nicht viel höher als die von Chisora, durch Knockout zu gewinnen.

Deshalb fragte Manager Bernd Bönte, halb im Spaß, halb im Ernst, warum er sich diese Arbeit überhaupt antue. Klitschkos Augen verengten sich zu Schlitzen, die Wangenknochen mahlten, bevor er antwortete: „Weil es wichtig ist, sich für die gute Sache zu engagieren. Die Ukraine braucht die Hilfe eines jeden Demokraten, und wenn ich etwas bewegen kann, dann kämpfe ich dafür.“

Mit der orangenen Revolution im Jahr 2004 hat das politische Kämpferherz des Witali Klitschko zu schlagen begonnen. 2006 und 2008 trat er zur Bürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt Kiew an. In diesem Jahr will der Zwei-Meter-Hüne den dritten Anlauf wagen, allerdings ist noch nicht klar, ob die für Mai geplanten Wahlen tatsächlich stattfinden. „Die Machthaber versuchen alles, um Veränderungen zu verhindern“, sagt Klitschko. Seine Sorge um die Heimat ist in den vergangenen Monaten stark gewachsen. Der Münchner „Abendzeitung“ sagte er sogar: „Wir sind ein autoritäres Regime geworden. Es gibt nicht wenige, die fürchten, dass es zu einem blutigen Aufstand wie in Syrien kommen könnte.“

Ein ähnliches Schicksal wie die inzwischen inhaftierte frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko fürchtet er nicht. Dennoch muss auch Klitschko sich mit üblen Gerüchten herumschlagen, die ihn mit Waffen- und Drogengeschäften in Verbindung bringen. „Es wurde behauptet, dass mein Vater seine Stellung als Diplomat dazu missbraucht hätte“, sagt er. Derlei Anfeindungen schüchtern den Weltmeister allerdings nicht ein, sondern treiben ihn eher noch an. Sollte er bei der Bürgermeisterwahl im dritten Anlauf erfolgreich sein und Amtsinhaber Leonid Tschernowetski ablösen können, dann würde er seine sportliche Laufbahn beenden. „Ich glaube nicht, dass es noch möglich wäre, dann Sport und Politik unter einen Hut zu bekommen. Schon jetzt ist es zeitlich oftmals sehr schwierig“, sagt er.

Tatsächlich hat Trainer Fritz Sdunek in den vergangenen Jahren schon mehrfach intervenieren müssen, wenn sich sein Vorzeigeathlet außerhalb der Trainingseinheiten zu sehr um die Politik bemühte. Jeden Tag kommuniziert der Weltmeister mit Parteifreunden, entweder per Mobiltelefon oder via Videokonferenz. Mehr als 10 000 Mitglieder hat die Udar bereits, sie ist in 15 der 24 Regionalparlamente mit Abgeordneten vertreten. Im Oktober nimmt die Partei an den Parlamentswahlen teil.

Die beiden Menschen, die Witali Klitschko am nächsten stehen, konnte der dreifache Vater noch nicht mit seiner Leidenschaft für die Politik infizieren: seine Frau Natalie und seinen Bruder Wladimir. Er glaube, weder Geduld noch Ehrgeiz zu haben, um politische Lagerkämpfe ausfechten zu können, sagt Wladimir. „Witali und ich ergänzen uns gut, grenzen uns aber auch in unseren Interessen voneinander ab. Es wäre auch nicht gut, wenn wir überall gleich stark wären.“

dpa

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