Niersbach und Lehmann äußern sich

Outing eines aktiven Profis? "Der wäre blöd"

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Jens Lehmann

Köln - Wolfgang Niersbach will mit Thomas Hitzlsperger nach dessen Outing über ein Engagement im Kampf gegen Homophobie im Fußball sprechen. Jens Lehmann rät von einem Coming-out ab.

„Er hat angekündigt, zum Länderspiel am 5. März in Stuttgart gegen Chile zu kommen. Wir werden uns unterhalten und sehen, ob und wie wir ihn mit den Erfahrungen, die er gemacht hat, einbinden, um dann weiteren zu helfen“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei Sky90.

Der ehemalige Nationalspieler Hitzlsperger hatte sich Anfang Januar öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. „Unser Wunsch wäre, dass man damit genauso normal umgeht wie bei Künstlern, Politikern, Schauspielern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses. Wir stehen freundschaftlich an seiner Seite“, sagte Niersbach.

Der ehemalige Nationaltorhüter Jens Lehmann riet unterdessen noch aktiven Profis in der Sendung von einem Outing ab. „Wenn ein Spieler das machen würde, wäre er blöd. Er kann nicht voraussehen, was passiert. Das kann man den Leuten nicht raten, die hätten keinen Spaß mehr daran, Fußball zu spielen. Es kann zu unvorhersehbaren Reaktionen kommen, vor allem bei Auswärtsspielen“, sagte Lehmann.

Auf die Frage wie er selber reagiert hätte, wenn sich ein Mitspieler geoutet hätte, antwortete Lehmann: „Komisch, glaube ich. Man duscht jeden Tag zusammen, man hat Phasen, in denen es nicht so läuft. Niemand kann seine Gedanken kontrollieren. Was ich mit Sicherheit gewusst hätte, ist, dass es einige gegeben hätte, sei es Konkurrenten oder andere in der Kabine, die permanent Witze darüber gemacht hätten.“

sid

"Respekt!" Stimmen zum Hitzlsperger-Outing

"Respekt!" Stimmen zum Hitzlsperger-Outing

Die wichtigsten Zitate aus Sky90 im Wortlaut

Wolfgang Niersbach… 

…über das Outing von Thomas Hitzlsperger: „Aufmerksamkeit ist klar, aber ich hätte mir das medial ein paar Etagen tiefer gewünscht. Ich fand das teilweise völlig überzogen, weil das für mich ein Stück Normalität ist. Wir haben aus Sicht des Verbandes immer gesagt, aber das ist auch meine persönliche Überzeugung: Es ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen. Wenn jemand diesen Schritt macht, dann kann er davon ausgehen, dass er unsere volle Unterstützung besitzt und unseren Respekt weiter genießt. Wir waren vorher informiert und er hat mich nachher nochmal angerufen. Er hat sich vorgenommen, zum Länderspiel am 5.März in Stuttgart gegen Chile zu kommen: Dann wollen wir auch darüber sprechen, in wie weit wir ihn mit den Erfahrungen, die er gemacht hat, in den Verband einbinden können, um dann weiteren zu helfen. Unser Wunsch wäre, dass man damit genauso normal umgeht wie bei Künstlern, Politikern, Schauspielern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses. Wir stehen freundschaftlich an seiner Seite.“

…über die jüngsten Fan-Randale: „Das Thema hat uns in all den Jahren nie ganz losgelassen. Präventiv macht kein anderes Land so viel wie wir. Die Fanprojekte machen hervorragende Arbeit: Sie haben Einfluss auf Leute im Stadion, die schwanken. Durch ihre Arbeit, können sie diese auf ihre Seite herüberziehen. Aber es gibt immer einen Rest, der einfach nicht angesprochen werden will, wo der Dialog nicht mehr hilft, wo nur noch Sanktionen helfen. Was will ein Verein wie Schalke 04 machen, wenn es unter dem Aufhänger Fußball in der Kölner Innenstadt etwas passiert? Das sind Straftaten von Kriminellen. Man muss ganz klar sagen, dass ein sehr schwieriger Punkt erreicht ist. Es geht darum, dass die Leute, die die große Masse an friedfertigen Fans in Misskredit bringen, identifiziert und hart bestraft werden. Ich würde für wirksam halten, dass stärker als bisher durchgesetzt wird, dass Leute, die als Krawalltäter identifiziert werden, die Auflage bekommen, sich beim Polizeirevier ihrer Heimatstadt melden, wenn ein Auswärtsspiel ansteht. Das wäre präventiv eine sehr geeignete Maßnahme.“

…über die Toten auf den WM-Baustellen in Katar: „Man muss höchst beunruhigt sein. Ich muss zugeben, dass ich das Thema der offensichtlich unwürdigen Arbeitsbedingungen bis zum letzten Herbst auch nicht kannte. Damals ist über Katar mit anderen Argumenten diskutiert worden. Das kommt jetzt erschwerend hinzu. Die Entscheidung ist im Jahre 2010 über eine Abstimmung auf demokratischen Weg mit 14:8 herbeigeführt worden. Das steht. Die Fifa hat eine Untersuchung eingeleitet, ob irgendetwas unsauber gelaufen ist. Wenn ich richtig informiert bin, wird man zu dem Ergebnis kommen: nein. Dann steht diese Entscheidung. Aber was die Arbeitsbedingungen betrifft: Meines Erachtens muss Katar da tätig werden, denn wenn dieses Ereignis auch für das Image des Landes ein Erfolg werden soll, dann müssen die das höchst ernst nehmen. Wenn das so stimmt, ist das schockierend.“

…auf die Frage, ob der DFB seinen Einfluss nutzen werde, Katar die WM zu entziehen: „Was ist der Einfluss des DFB? Wir haben auch nur eine Stimme. In dem Moment, wo ich auf den Tisch schlage, sagen 35 aus der Karibik: Wir sind dafür. So sind viele Entscheidungen zustande gekommen. Was die Gesamtbedingungen anbetrifft: Es ist nicht nur die Hitze, es ist auch die Größe des Landes, das flächenmäßig kleiner ist als Hessen. Mit hat vor der Entscheidung 2010 auch die Vorstellungskraft gefehlt, dass man eine solche Entscheidung herbeiführt. Aber sie ist gefallen, und sie ist, so weit ich weiß, unter korrekten Bedingungen gefallen. Der größte Fehler war, die Turniere 2018 und 2022 zu koppeln. Dass da wechselseitig Absprachen getroffen werden, ist naheliegend. Wenn es darum geht, einen Alternativtermin zu finden: Frühjahr 2022 scheidet aus wegen Winter-Olympia. Also muss man den Blick mehr nach hinten richten. Im Moment bleibt noch Zeit, die offenen Fragen, die uns quälen, zu beantworten. Zum Beispiel Confederations Cup: Den braucht man im Jahr davor wirklich nicht dort zu spielen. Das ist eine ganz schwierige Gemengenlage.“

…auf die Frage, ob man dem FC Bayern schon zur Meisterschaft gratulieren könne: „Gratulieren wäre voreilig und respektlos. Aber wenn man das Spiel am Freitagabend gesehen hat, muss man sagen: Die Art und Weise, wie Bayern aufspielt, ist phänomenal. Die machen auch keine Fehler. Der einzige Punkt ist die Effektivität vorne.“

Jens Lehmann…

…auf die Frage, wie er reagiert hätte, wenn er während seiner aktiven Karriere von Thomas Hitzlspergers Homosexualität gewusst hätte: „Komisch, glaube ich. Man duscht jeden Tag zusammen, man hat Phasen, in denen es nicht so läuft. Aber Thomas Hitzlsperger ist ein Spieler, der erstens sehr intelligent ist, und zweitens von seiner Spielweise überhaupt nicht den Anlass gegeben hätte, dass da man hätte denken können, da ist irgendetwas. Man assoziiert ja mit Homosexuellen leider immer, dass sie etwas weicher sind. Bei ihm war das nicht so. Trotzdem ist es innerhalb einer Fußballmannschaft undenkbar, dass das jemand das preisgibt. Ich weiß nicht, was ich gedacht hätte, wenn ich mit jemand zusammengespielt hätte, den ich tagtäglich gesehen hätte: beim Duschen, in Zweikämpfen. Niemand kann seine Gedanken kontrollieren. Was ich mit Sicherheit gewusst hätte, ist, dass es einige gegeben hätte, sei es Konkurrenten oder andere in der Kabine, die permanent Witze darüber gemacht hätten. Es ist nicht so, dass da 25 hoch Intellektuelle rumlaufen, die darüber diskutieren, ob jemand schwul ist oder nicht. Fußball ist eine Männersache, da muss man nicht so viel nachdenken. Und die Zuschauer in den Stadien kann man auch nicht kontrollieren. Ob man sich das als Betroffener antun muss?“

…auf die Frage, ob er es für möglich hält, dass sich ein aktiver Fußballer als homosexuell outet: „Wenn ein Spieler das machen würde, wäre er blöd. Er kann nicht voraussehen, was passiert. Das kann man den Leuten nicht raten, die hätten keinen Spaß mehr daran, Fußball zu spielen. Es kann zu unvorhersehbaren Reaktionen kommen, vor allem bei Auswärtsspielen. Warum auch? Es hat niemand etwas daran gewonnen, es ist Privatsache.“

Diese Sportler outeten sich als homosexuell

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