Berater steigt aus

Medien: Infantino ignorierte Warnungen von FIFA-Prüfern

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Zürich - FIFA-Präsident Gianni Infantino (Schweiz) drohen in der Aufarbeitung des Ausstiegs der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG als Revisor des Fußball-Weltverbandes neue Probleme.

Einem Bericht der Schweizer Zeitung Tagesanzeiger zufolge soll der Verbandschef Warnungen des Finanzexperten ignoriert haben. Damit soll er das Unternehmen indirekt zur Niederlegung seines über zehnjährigen Mandats provoziert haben.

Die entgegen der Mahnungen erfolgten Beschlüsse auf dem FIFA-Kongress Mitte Mai in Mexiko-Stadt gaben demnach den Ausschlag für den Rückzug der Berater. Laut Tagesanzeiger soll KPMG Infantino rund zwei Wochen vor dem Kongress in Mexiko in einem Brief zur vollen Umsetzung der im vergangenen Februar verabschiedeten Reformen aufgefordert haben.

"Ein wichtiges Element dieser Reformen ist die Ausarbeitung der Governance-Regeln, die in vollem Umfang in den Geist der Reformen zu implementieren sind und zu einer klaren Trennung der 'politischen' und der Management-Funktionen führen müssen", zitierte das Blatt aus einem Brief von Anfang Mai.

Darüber hinaus wiesen die Prüfer auch auf das höhere Risiko von Korruption für den Fall der Einlösung von Infantinos Versprechen für höhere Zuschüsse an die Nationalverbände hin: "Die Erfahrung hat gezeigt, dass in einigen Fällen die von der FIFA im Rahmen des Finanzhilfeprogramms zur Verfügung gestellten Mittel missbraucht wurden."

In Mexiko jedoch lenkte Infantino die FIFA in eine andere Richtung. Einerseits unterstrich der frühere Generalsekretär des Europa-Verbandes UEFA nachdrücklich seinen Anspruch auf Gestaltungsmacht, andererseits ließ der FIFA-Boss Kontrollen für die Exekutive aufweichen. Er ließ sich die zugesagten Millionen-Zuschüsse absegnen.

Vor der Reise nach Mexiko soll sich der FIFA-Boss nach Angaben der Zeitung zudem bei einer Konferenz mit KPMG-Vertretern in rüdem Ton jegliche Einmischung verbeten haben. Außerdem soll er dem Unternehmen als Dienstleister das Recht zur Aufstellung von Forderungen abgesprochen haben.

Bislang hatte der KPMG-Rückzug hauptsächlich als eine Konsequenz aus den jahrelang unentdeckten Zahlungen an FIFA-Funktionäre in Millionen-Höhe gegolten. Besonders kritisch wurde die Rolle der Prüfer nochmals zuletzt wegen der enthüllten "Selbstbedienungswirtschaft" der früheren FIFA-Führungsclique um Infantinos Vorgänger Joseph S. Blatter (Schweiz) hinterfragt. Blatter und Co. hatten sich allein in den vergangenen fünf Jahren gegenseitig insgesamt über 70 Millionen Euro zugeschanzt.

SID

Rubriklistenbild: © dpa

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