Fall Russ: Eintracht kritisiert Staatsanwaltschaft

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Raphael Schäfer entschuldigte sich in der Nacht für seine voreilig geäußerten Worte nach Spielende. Foto: Arne Dedert

Auch nach dem Relegations-Hinspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg ist die schwere Erkrankung von Marco Russ das zentrale Thema. Die Frankfurter sind empört über den Umgang mit ihrem Abwehrmann, der "Club" entschuldigt sich für unbedachte Äußerungen.

Frankfurt/Main (dpa) - Marco Russ wollte über die bisher wohl schlimmsten 24 Stunden seines Lebens nicht reden.

Weder über sein unglückliches Eigentor, noch über die Durchsuchung seiner Wohnung durch die Staatsanwaltschaft und schon gar nicht über seine Tumorerkrankung verlor der 30-Jährige nach dem 1:1 der Frankfurter Eintracht im ersten Bundesliga-Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg ein Wort. "Wenn man so eine Diagnose erhält, sollte man ihn in Ruhe lassen", äußerte Frankfurts Trainer Niko Kovac Verständnis. "Ich weiß nicht genau, wie er sich fühlt, aber mit Sicherheit nicht gut."

Auch Kovac waren die Vorfälle im Vorfeld des Spiels nahe gegangen. Und so redete er sich mehr und mehr in Rage. "Wie das bei uns im Trainingscamp abgelaufen ist, das war eine Frechheit. Das kann man so nicht machen", kritisierte er das Vorgehen der Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen gegen Russ. "Ich bin geschockt gewesen."

Es sei unbenommen die Pflicht der Staatsanwaltschaft, nach der Kenntnisnahme eines möglichen Dopingfalles zu ermitteln. "Nur: Dann bekommt man vom Arzt eine Bestätigung, dass Russ erkrankt ist, und trotzdem kommt immer noch jemand und sagt, ich glaube dem nicht. Und dann wird auch noch erklärt, der Befund des Arztes sei nicht da gewesen. Das ist eine Lüge, das ist nicht die Wahrheit", ereiferte sich der Eintracht-Trainer. "Es gibt viele, auch die Beamten, die können das Gegenteil bezeugen."

Einmal in Fahrt, bekam auch die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA ihr Fett weg. "Ich finde es merkwürdig, dass es mit den Ergebnissen drei Wochen dauert und diese dann vor einem so wichtigen Spiel veröffentlicht werden", sagte Kovac. "Ich halte das, salopp gesagt, für schlecht. Das ist nicht gut gelaufen."

Das darf man auf jeden Fall in Bezug auf eine unbedachte Äußerung von Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer über die Erkrankung von Russ behaupten. "Ich glaube, wenn einer wirklich schwer krank ist, kann er kein Fußball spielen", erklärte Schäfer nach dem Abpfiff.

Noch in der Nacht distanzierte sich der Kapitän des Zweitliga-Dritten auf der Heimreise nach Nürnberg von dieser Aussage. "Meine Worte waren dumm, dafür kann ich mich nur aufrichtig entschuldigen. Ich habe mich voreilig geäußert, ohne Bescheid zu wissen. So etwas darf mir nicht passieren, das ist absolut nicht in Ordnung. Ich wünsche Marco das Allerbeste und bin sicher, dass er wieder gesund wird", wurde Schäfer in einer Vereinsmitteilung zitiert.

Trainer René Weiler, der die Bekanntmachung der Russ-Erkrankung durch die Eintracht am Abend vor dem Spiel zunächst als "Inszenierung" abgetan hatte, revidierte seine Aussagen ebenfalls. "Es ist pietätlos, dass ein Klub und ein erkrankter Spieler fast dazu genötigt werden, die intimsten Dinge preisgeben zu müssen, um nicht als Dopingsünder in Verdacht zu stehen", sagte der Coach. "Ich habe meine Aussage auch bei Marco Russ sowie den Frankfurter Verantwortlichen persönlich unmittelbar klargestellt."

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