Viele haben es schwer

Berühmte Fußballer-Väter - erfolglose Söhne?

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Karlheinz Riedle

Bochum - Alessandro Riedle, Sohn des ehemaligen Nationalspielers Karlheinz Riedle, spielt beim VfL Bochum für einen Vertrag vor. Nur die wenigsten Söhne berühmter Fußballer konnten in die großen Fußstapfen ihrer Väter treten.

Ein Probespieler bei einem Fußball-Zweitligisten erregt für gewöhnlich kaum Aufmerksamkeit. Die Kiebitze des VfL Bochum nehmen den Mann, der da zurzeit auf dem Trainingsplatz um einen Vertrag kämpft, aber ganz genau und sehr kritisch unter die Lupe. Alessandro Riedle stört das nicht mehr, er hat sich längst daran gewöhnt. Daran, dass ihn alle mit seinem erfolgreichen Vater Karlheinz Riedle vergleichen.

„Klein-Kalle“ taufte ihn bereits der Boulevard, selbst VfL-Trainer Peter Neururer kann den familiären Hintergrund bei seinem Urteil nicht ganz ausblenden. „Ganz klar ein Riedle“, sagt Neururer über seinen Probespieler mit dem prominenten Nachnamen. „Riedle zu heißen“, sagt der 21-jährige Alessandro, „ist eher ein Nachteil.“ Die Öffentlichkeit würde oft zu viel von einem erwarten. Denn der junge Stürmer weiß: In die großen Fußstapfen seines Vaters, dem Weltmeister (1990) und Champions-League-Sieger (1997), wird er trotz guter Anlagen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht treten können.

Doch damit ist Alessandro Riedle nicht allein. Den meisten Söhnen von berühmten Fußballern bleibt der große Erfolg verwehrt, manche schaffen auch den Sprung ins Profigeschäft nicht. Das liegt oft am fehlenden Spitzentalent, manchmal aber auch an den besonderen Umständen. Der Druck ist bei diesen Spielern ungleich höher, der berühmte Name auf dem Trikot-Rücken wird nicht selten zur Belastung.

Jens Rehhagel zum Beispiel wurde einmal bei einem Amateurspiel vom Platz gestellt und bekam vom Schiedsrichter noch folgenden Spruch mit auf dem Weg: „Und richten Sie Ihrem Vater einen schönen Gruß von mir aus.“ Von solchen Geschichten kann auch Stephan Beckenbauer berichten. Franz Beckenbauers Sohn hat es wohl von allen „Fußballer-Söhnen“ am schwersten gehabt. Denn wie soll man an den „Kaiser“, an die „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs heranreichen?

„Diesem Vergleich standzuhalten, war einfach unmöglich“, sagte Stephan Beckenbauer nach dem Ende seiner Karriere. Als damals 18-Jähriger wurde er in den Profikader von Bayern München berufen, die Erwartungen an den Beckenbauer-Filius waren groß. Zu groß. Zu einem Einsatz bei den Bayern-Profis ist es nie gekommen. Zwölf Bundesligaspiele mit dem 1. FC Saarbrücken stehen für den heutigen Talentescout zu Buche, mehr als viele andere je erreichen werden. Und dennoch gibt es in der Öffentlichkeit den Reflex, seine Karriere als gescheitert zu bewerten.

Dabei ist Erfolg immer relativ. Kevin Völler beispielsweise macht derzeit einen großen Karrieresprung, er wechselt von der zweiten Mannschaft des KFC Uerdingen in der Kreisliga B zum Oberligisten Jahn Hiesfeld. Das ganz große Talent hat der 20 Jahre alte Angreifer aber nicht von Vater Rudi Völler geerbt, weshalb er sich auf dem Platz den ein oder anderen Spruch anhören muss. Auch Völlers zweiter Sohn Marco spielte in der Jugend Fußball, entdeckte aber schnell sein größeres Talent für den Basketball und spielt zurzeit für den Zweitligisten Hanau White Wings.

Auch Benjamin Kirsten entgeht dem oft nervenden Vergleich mit seinem Vater, dem früheren Stürmerstar Ulf Kirsten, weil er als Torhüter des Zweitligisten Dynamo Dresden eine ganz andere Position bekleidet.

Dass Söhne auf dem Fußballplatz ihre Väter auch übertrumpfen können, bewies einst Uwe Seeler. Was die Erfolge angeht, sticht der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft seinen Vater Erwin klar aus. In Sache Härte habe er seinem alten Herrn aber nicht das Wasser reichen können, berichtete „Uns Uwe“ in seinem Buch „Danke, Fußball!“: „Wer mit einem gebrochenen Wadenbein durchgespielt hat oder in einem einzigen Spiel sieben Tore geschossen hat und dessen Motto lautete: “Kampf ist Trumpf und sonst gar nix', der konnte natürlich auf die Pauke hauen.„

sid

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