Beinschuss-Direkt: Das stolze "Dorf" fühlt sich in der Bezirksliga so richtig wohl

  • schließen
  • Weitere
    schließen
v. links: Christian Voit, Klaus Seidel und Beinschuss-Redakteur Tobias Ruf

Beinschuss.de hat in dieser Woche die bemerkenswerte Geschichte des SV Amerang unter die Lupe genommen. Dabei kommen Trainer Klaus Seidel und ein sichtlich stolzer Kapitän Christian Voit im Interview der Woche zu Wort.

Beinschuss.de hat in dieser Woche die bemerkenswerte Geschichte des SV Amerang unter die Lupe genommen. Dabei kommen Trainer Klaus Seidel und ein sichtlich stolzer Kapitän Christian Voit im Interview der Woche zu Wort.

Beinschuss: Herr Seidel, Herr Voit. Der SV Amerang darf zum ersten Mal seit über 30 Jahren wieder Bezirksliga-Luft schnuppern. Wie gefällt es Ihnen da „oben“?

Christian Voit: Wir haben zehn Jahre darauf hingearbeitet, dass wir mit unserem Dorf in der Bezirksliga spielen. Die Umstellung ist natürlich groß, vor allem im technischen Bereich ist das Niveau doch erheblich gestiegen. Aber es fühlt sich gut an.

Klaus Seidel: Es hat sich all das bestätigt, was ich im Vorfeld der Saison erwartet hatte. Die Bezirksliga ist körperlich und technisch wesentlich anspruchsvoller als die Kreisliga, vor allem in diesen Bereichen müssen wir uns noch steigern.

Wie viel Stolz spielt mit? Schließlich ist die Bezirksliga für Amerang alles andere als selbstverständlich.

Voit: Ich bin natürlich unglaublich stolz, mit meinem Verein in der Bezirksliga zu spielen. Amerang ist ein Dorf und hat entsprechend überschaubare Möglichkeiten. Dass wir trotzdem auf so hohem Niveau spielen, macht mich unheimlich stolz. Wir sind die erste Generation seit über 30 Jahren, die das erreicht hat. Das spricht für sich.

Seidel: Bei mir kommt der Stolz dann, wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben. Dennoch ist die Entwicklung natürlich bemerkenswert, schließlich sind von 24 Spielern, die wir im Kader haben, 18 Jungs aus Amerang.

Vier Spiele, vier Punkte. Ein Spiel gewonnen, ein bitteres Unentschieden und zwei klare Niederlagen. Wie zufrieden sind Sie mit der Bilanz?

Seidel: Die ersten drei Spiele waren absolut in Ordnung. Dass wir gegen Kolbermoor so kurz vor Schluss den Ausgleich kassieren, tut weh. Diese zwei Punkte gehen uns ab, auch weil wir viele gute Chancen hatten, das Spiel vorzeitig zu entscheiden.

Voit: Wenn man sieht, gegen wen wir gespielt haben, kann man durchaus zufrieden sein. Vor allem das Miesbach-Spiel war richtig gut.

Nun war das Restprogramm mit zwei Meisterschaftskandidaten und zwei Teams, die eher das obere Tabellendrittel anstreben, nicht leicht. Sind Sie froh, dass der Auftakt überstanden ist?

Seidel: Na ja, jetzt geht es gegen Raubling, das wird natürlich auch eine schwere Aufgabe. Dort wollen wir punkten. Wenn uns das gelingt, sind wir mit dem Saisonstart durchaus zufrieden.

Sie waren in der ersten Spielen jeweils klarer Außenseiter. Wird das die ganze Saison so sein?

Voit: Gegen einige etablierte Teams ist das sicherlich so, dass wir Außenseiter sind. Geht es aber gegen Mitaufsteiger oder Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel, ist das sicher nicht mehr der Fall.

Seidel: Zu Außenseitern haben wir uns selbst nie gemacht. Das kommt aus den Medien. Abder das stört uns nicht, wir wollen die Klasse halten, egal, was von außen hineininterpretiert wird.

Herr Seidel, was hat sich für Sie als Trainer in der Bezirksliga verändert. Lassen sie anders trainieren? Mussten sie sich auch persönlich umstellen, z.B was die eigene spielerische Handschrift betrifft?

Seidel: Das Potenzial in der Mannschaft, um meinen Stil spielen zu lassen, ist durchaus vorhanden. Aber noch sind wir nicht so weit, dass wir die vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfen können.

Und wie geht es dem verlängerten Arm auf dem Platz? In der Bezirksliga weht doch ein anderer Wind, oder?

Voit: Wie schon gesagt, vor allem im technischen Bereich ist die Liga sehr anspruchsvoll. Auch im körperlichen Bereich ist das Level sehr sehr hoch. Wenn du da nicht 100 Prozent fit bist, stehst du ganz schnell vor ganz großen Problemen.

Wie eng ist eigentlich das Verhältnis zwischen Coach und Kapitän? Gibt es viele Einzelgespräche?

Seidel: Nein, eigentlich nicht. Wir sind im Mannschaftsgefüge sehr breit aufgestellt. Wir haben viele Spieler, die eine gewichtige Rolle tragen und diskutieren eigentlich alles offen miteinander aus. Das erstreckt sich auf alle Bereiche. Wir holen jeden Einzelnen mit ins Boot, um Amerang in der Bezirksliga zu halten.

Bezieht sich das auch auf die jungen Spieler?

Seidel: Nicht immer. Die Jungen darf man nicht zu sehr unter Druck setzen und muss sie im Endeffekt einfach spielen lassen.

Das Torverhältnis spricht Bände. Zwei erzielten Toren stehen acht Gegentreffer gegenüber. Im letzten Jahr hatte der SV noch ein positives Verhältnis von 36. Muss man da zwangsläufig minimalistisch denken?

Seidel: Zu Saisonbeginn auf jeden Fall. Solange wir noch konditionelle und technische Rückstände haben, bleibt uns gar nichts anderes übrig. Wenn wir uns weiterentwickelt haben, sieht die Sache natürlich anders aus. Aber bis dahin ist noch ein ordentlicher Weg zu gehen.

Voit: Sehe ich genau so. Vorne fehlt uns noch die Cleverness und hinten wird jeder Fehler eiskalt bestraft. Aber wir sind im Defensivverbund gut aufgestellt, das haben die Spiele gegen Miesbach und Kolbermoor gezeigt. Dass wir gegen Teams wie Traunstein und Heimstetten mal drei oder vier Tore kassieren, kommt leider in der Bezirksliga vor.

Herr Seidel, sie betonen immer wieder, das im taktischen Verhalten des Teams noch Luft nach oben besteht. Sind schon Fortschritte erkennbar?

Seidel: Vor allem im Defensivverhalten haben wir uns gesteigert. Es wird insgesamt immer besser. Was mir noch ein wenig abgeht, ist die Aggressivität. In diesem Bereich müssen wir zulegen. Wären wir beispielsweise gegen Heimstetten energischer aufgetreten, hätten wir sicherlich nicht 0:3 verloren.

Herr Voit, macht sich das im Training bemerkbar?

Voit: Man erkennt eine klare Handschrift des Trainers. Von Woche zu Woche lassen wir weniger Torchancen des Gegners zu, das ist der Grundstein, auf dem wir unser großes Ziel, den Klassenerhalt, aufbauen.

Vor einem knappen halben Jahr hat der SV Amerang ein neues Konzept vorgestellt. Worum geht es da genau?

Seidel: Es geht darum, junge Spieler aus Amerang auf ein hohes Niveau zu bringen und zudem junge Spieler aus aus einem Umkreis von fünf bis zehn Kilometern holt und sie früh an die erste Mannschaft heranführt. Es werden auf finanzieller Basis keine Spieler mehr von außen verpflichtet. Wir wollen aus Amerang einen besonderen Verein machen, der eigenständig und authentisch ist.

Welche Verantwortung kommt dem Kapitän im Umgang mit jungen Spielern zu?

Voit: Eine sehr große. Dabei geht es um sportliche Komponenten aber auch um zwischenmenschliche Dinge.

Herr Seidel, kommt Ihnen bei ihrem jetztigen Engagement Ihre frühere Aufgabe als Jugendkoordinator bei 1860 Rosenheim zu Gute?

Seidel: Ich mache seit 20 Jahren Jugendarbeit. Das macht mir unheimlich Spaß. Ich kann dabei viel entwickeln und das Projekt hier in Amerang mit meinen Erfahrungen bereichern.

Die Zweite Mannschaft des SVA spielt „nur“ in der C-Klasse. Ist da der Sprung in die BZL nicht zu groß?

Seidel: Die Divergenz ist groß, aber das können wir nicht ändern. Trotzdem ziehen die Jungs gut mit und identifizieren sich voll mit dem Verein.

Wie sind die weiteren Ziele in der Saison, was die Entwicklung der Mannschaft betrifft?

Voit: Wir müssen vor allem das Kameradschaftliche festigen und dürfen nie vergessen, dass Fußball nur ein Hobby ist. Der Zusammenhalt in unserer Mannschaft ist etwas ganz besonderes und macht uns zu dem, was wir sind.

Seidl: Es wird den ein oder anderen Spieler geben, der in naher Zukunft seine Karriere beenden wird. Das müssen wir mit jungen Spielern aus Amerang auffangen können, das ist das große Ziel. Mittelfristig ist das Ziel, sich in der Bezirksliga zu etablieren.

Abschließend noch zwei Fragen. Herr Voit, Sie werden „Postler“ genannt. . . was steckt dahinter?

Voit (lacht): Mein Beruf. Ich arbeite bei der Post.

Hat der Trainer auch einen Spitznamen?

Voit: Noch nicht! Aber ich halte den Beinschuss auf dem Laufenden.

Vielen Dank für das Interview

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Magazin

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare