Vorschau: FC Töging - TSV Kastl

Derbytime! Kastler 'Gallier' fordern Töging!

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Sven Vetter und seine forschen Aufsteiger aus Kastl wollen den Nachbarn Töging ärgern.

Töging/Kastl - Das nächste Derby im Landesliga-Triangel des Landkreises Altötting Töging-Erlbach-Kastl steht an. Und was für eines! FC Töging gegen TSV Kastl heißt es diesmal. Ein Duell zweier ungleicher Nachbarn in dem es definitiv um mehr geht, als nur drei Punkte. Höchstspannung ist garantiert.

Während die Töginger im ersten direkten Aufeinandertreffen des Landkreis-Trios am Freitag in Erlbach die Schmach einer unerwartet hohen 0:3 Niederlage erleiden musste, stürmten die Kastler als rotzfrecher und unbeschwerter Aufsteiger mit dem zweiten Sieg im zweiten Spiel - einem souveränen 2:0 gegen den SE Freising - an die Landesliga-Spitze. Die Ausgangslage vor dem nächsten Prestigeduell der Region könnte also brisanter nicht sein. Es ist definitiv alles angerichtet für einen heißen Lokalkampf.

So lief der Saisonstart der beiden Kontrahenten

Die Töginger starteten mit einem torlosen Unentschieden gegen den SB Rosenheim in die neue Spielzeit. Trotz vieler Chancen und einer leichten Überlegenheit blieb es am Ende beim Remis. Kein schlechtes Resultat im ersten Spiel - in die Saison will schließlich erst hinein gefunden werden und die Töginger wollen erst einmal ohnehin bescheidener auftreten und kleiner Brötchen backen. Dementsprechend zufrieden mit dem Auftakt zeigte sich auch der Macher der Töginger Fußballer, Abteilungsleiter Klaus Maier: "Mit dem Ergebnis bin ich zwar nur bedingt zufrieden, weil wir doch deutlich mehr Chancen hatten, aber mit dem Auftreten sehr. Ich habe eine Mannschaft gesehen, die unbedingt wollte und über 90 Minuten Vollgas geben konnte."

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Das zweite Spiel der Saison verlief dann allerdings um einiges ernüchternder. Betrachtet man nur das Endergebnis, steht da eine Derby-Packung. 0:3 - ausgerechnet beim ungeliebten alten Rivalen SV Erlbach. Das wurmt natürlich kräftig. Ein Resultat das schwer wiegt - und dennoch etwas täuscht. Der FC Töging hätte nicht mit einer derart klaren Niederlage nach Hause fahren müssen. Denn das Spiel war wesentlich ausgeglichener, als es die reine Statistik vermuten lässt - die Töginger waren in der ersten Hälfte sogar überlegen und eigentlich das bessere Team. Nur bissen sie sich an der Erlbacher Defensive die Zähne aus, schafften es nicht ihre Feldüberlegenheit auch in hochkarätige Torchancen umzumünzen. Und so fingen sie sich erst ein Gegentor, lagen zur Halbzeit zurück - und fielen am Ende der Partie den Erlbacher Kontern zum Opfer.

Ganz anders und wesentlich beschwingter die Kastler. Die frisch aufgestiegene Truppe von Erfolgscoach Sven Vetter legte einen veritablen Traumstart hin. Gleich im ersten Auswärtsspiel holte sie sich den ersten Landesliga-Dreier der Vereinsgeschichte. Der 4:2 Erfolg in der Münchner Peripherie beim TSV Eching war ein erstes Ausrufezeichen. und ein deutliches Signal dafür, dass die Kastler keineswegs vorhaben, in der neuen Liga die Duckmäuser zu spielen.

Dass sie das auch gar nicht nötig haben, zeigten die Jungs aus dem "gallischen Dorf" dann am letzten Wochenende mit dem mehr als verdienten Heimsieg gegen den SE Freising. Mehr noch als der reine Fakt des zweiten dreifachen Punktgewinns in Folge und der Tatsache, dass er gegen ein Gästeteam errungen wurde, das allgemein nicht als Leichtgewicht der Liga eingeschätzt wird, beeindruckte dabei das Wie, die Art und Weise auf welche dieser Erfolg errungen wurde.

Man muss Vetter (den wir vor der Saison zu einem ausführlichen Interview trafen) und seiner Mannschaft attestieren, in der - aufgrund der Relegation - äußerst kurzen Vorbereitungsphase ganze Arbeit geleistet zu haben. Das war vom mannschaftlichen Gefüge her eine großartige Leistung auf wirklich gutem Landesliga-Niveau. Da griff ein Rädchen ins Andere. Die Organisation stimmte, die Abstände waren fast immer die Richtigen, das Verschieben klappte - eine leicht zu spielende Mannschaft sieht anders aus. Neben dem ausgeprägten Willen, der den TSV Kastl auch schon in der vergangenen Bezirksliga-Saison auszeichnete, und dem notwendigen Mut, waren auch die nötige Laufbereitschaft - und vor allem auch das nötige Laufvermögen vorhanden. Ob es den Kastlern allerdings gelingt, eine solche Leistung binnen weniger Tage mehrfach abzurufen, bleibt abzuwarten.

Lokalkampf der unterschiedlichen Philosophien

Wenn der FC Töging auf den benachbarten Underdog TSV Kastl trifft, prallen natürlich in gewisser Weise auch "Welten" aufeinander. Die grundsätzlichen Ausrichtungen, Ziele und verfolgten Philosophien sind doch sehr verschieden. Und doch sind beide in der Region absolute Aufsteiger der letzten Jahre. Ein weiterer Punkt, der dieses Duell neben der geographischen Nähe so interessant macht - und dem Derby besondere Brisanz verleiht.

Die Töginger haben in den Jahren seit der Fusion der Fußballabteilungen von SSV und TuS im Jahre 2002 einen steilen Aufstieg hingelegt. In der Saison 2011/12 noch in der Kreisliga beheimatet, ging es über drei Jahre in der Bezirksliga im ersten Landesliga-Jahr der Vereinsgeschichte sogar bis ins vordere Drittel der sechsthöchsten Spielklasse. In den beiden Folgejahren tat man sich schwerer, entging in der letzten Saison sogar nur äußerst knapp der Abstiegs-Relegation. Trotzdem ist es kein Geheimnis, dass man sich am Wasserschloss auch schon den ein oder anderen Gedanken an die Bayernliga gegönnt hat.

Ermöglicht wurde dieser Aufschwung auch durch die in Töging durchaus vorhandenen finanziellen Möglichkeiten. Vor allem der emsigen Akquisearbeit von Fußball-Boss Maier ist es zu verdanken, dass immer wieder neue Sponsoren und Gönner hinzugewonnen und alte gepflegt und bei der Stange gehalten wurden. Und das Geld, was herein kommt, wird in Töging natürlich auch wieder investiert. In Umfeld, Infrastruktur und Kader. Die Anlage am Wasserschloss wurde ausgebaut, eine stattliche Tribüne ist entstanden und auch so einige Spieler konnten zum FCT gelockt werden.

Dass all dies und gerade Letzteres bei den Vereinen in der Umgebung allerdings nicht nur Begeisterungsstürme und Bewunderung auslöst, dürfte eben so klar sein. Und so mischt sich oft auch Spott unter die Kommentare von anderen Plätzen, vom "Mann mit dem Geldkoffer" ist dann die Rede oder speziell nach der Auflösung der zweiten Mannschaft an der Salzach von der "Resterampe von Buchbach und Wacker Burghausen". Erfolg schafft außerhalb selten Freunde - wenn er teilweise auch eingekauft wird, erst recht nicht. So ist das eben.

Das Gegenmodell ist, wenn man den Aussagen der Verantwortlichen Glauben schenkt, derzeit beim TSV Kastl zu beobachten. War der Aufstieg der Töginger rasant, so ist der der Kastler kometenhaft. Innerhalb von nur sechs Jahren ging es von den Niederungen der A-Klasse bis hinauf in die Landesliga. Ohne die Möglichkeiten, welche in Töging zur Verfügung stehen. Mit einigen glücklichen Jahrgängen, jeder Menge Willen und einem aus der Gemeinschaft des Vereins heraus gespeisten besonderen Teamspirit.

In Kastl beschreiben sie sich daher stolz als "gallisches Dorf". Viele Spieler aus der jetzigen Mannschaft haben auch schon in der A-Klasse für den Verein gespielt. Geld gebe es für die Kicker keines - nur zwei paar Fußballschuhe, eine komplette Ausstattung an Trainingsklamotten, die keine Wünsche offen lässt, ein gutes Training, eine harmonische Vereinsgemeinschaft - und die Aussicht darauf Teil eines besonderen und funktionierenden Teams zu sein. Bestenfalls ein Fahrtkostenzuschuss für die wenigen Auswärtigen sei drin. Wem das nicht reiche, der müsse sich eben andernorts umschauen. Ändern will man jedenfalls in Kastl an der Ausrichtung und Philosophie des Vereins nichts.

Ob man dieses oder jenes für bare Münze nimmt, bleibt jedem selbst überlassen und in wie weit die öffentlichen Klischees und Zuschreibungen in Bezug auf die beiden Vereine der Realität entsprechen, steht ohnehin auf einem ganz anderen Blatt. Tatsache allerdings ist: Das Derby elektrisiert nicht nur - es polarisiert auch.

Die Spielklasse ist die Gleiche - doch die Zielsetzungen sind verschieden

Mittlerweile sind beide Clubs mit ihren so unterschiedlichen Herangehensweisen in derselben Spielklasse angekommen. Beide spielen in der Landesliga. Und doch sind Anspruch, Zielsetzung und die Richtung, die beide einschlagen gänzlich verschieden.

In Töging wollen sie - wenn auch zukünftig bescheidener und vielleicht nicht mehr ganz so ungeduldig und mit der Brechstange - ihr Projekt weiterentwickeln, den Verein Stück für Stück noch eine Stufe nach vorne bringen. Langfristig kann man sich am Wasserschloss die Bayernliga nach wie vor vorstellen. Erst einmal will man in der Landesliga eine gute Rolle spielen. In gewisser Hinsicht bringt dies natürlich immer auch einen gewissen selbst auferlegten Druck mit sich - den man aber auch annimmt.

Die Kastler hingegen wollen sich und dem Motto "Ein Team - ein Verein - ein Dorf" treu bleiben und hegen gar keine weitergehenden Ambitionen, als weiterhin möglichst guten Fußball aus dem Dorf für das Dorf anzubieten. Dass der Weg auch einmal wieder in die andere Richtung gehen kann, wissen sie in Kastl - und akzeptieren es auch. Ohne die Bereitschaft für den Dorffußball Geld in die Hand zu nehmen und vor allem ohne höherklassige eigene Jugendarbeit wird es eben schwierig werden, kontinuierlich ein solch hohes Niveau zu halten.

In Kastl sind sie vieles - blauäugig sind sie nicht. Aber sie halten sich auch gar nicht lange mit diesbezüglichen Gedanken auf - sondern genießen derweil lieber, was sie haben. Die neue Liga, die neuen Erfahrungen, zu sehen, welche Begeisterung sie im Ort auslösen - und auch dabei mitzuwirken, dass sich das kleine Kastl im südöstlichen Bayern einen Namen macht. Den Moment genießen und solange es geht nicht damit aufhören - das beschreibt den Weg der Kastler wohl am besten. Was danach kommt, steht in den Sternen.

Töginger wollen Derby-Blamage vermeiden - Kastler weiter frech bleiben

Für die Beteiligten wie für den neutralen Zuschauer der so verschiedenen Nachbarn, die in einer Sache - nämlich ihrer Begeisterung für den Fußball - gar nicht so verschieden sind, könnten die Geschichte und die Rahmenbedingungen dieses Derbies nicht besser gestrickt sein. Zusätzliches Öl ins Feuer gießen, ein künstliches Aufbauschen - schlichtweg überflüssig. Den unterschiedlichen Konzepten sei Dank - alle Zutaten für einen packenden Lokalvergleich sind vorhanden.

Man verrät sicherlich nicht zu viel, wenn man anmerkt, dass es übertrieben wäre, zu behaupten, die Kontrahenten seien sich in "inniger Zuneigung" verbunden. Es wird ein heißes Match werden am Wasserschloss. Beide werden alles geben. Die einen angetrieben vom eigenen Anspruch - die anderen völlig unbeschwert.

Für die Töginger wäre eine erneute Derby-Niederlage im zweiten Lokalduell in Folge gegen das kleine Kastl eine Blamage - gerade zuhause. Und nebenbei bemerkt auch dann nur ein Punkt aus drei Partien nicht unbedingt das, was man sich vom eigenen Saisonstart erwartet hätte. Die Kastler hingegen würden sich diebisch freuen, wenn sie den großen Cousin ein wenig necken und ihm ein Bein stellen könnten - und ihre eigene unglaubliche Erfolgsstory erst einmal weiterschreiben würden. Zu verlieren haben sie jedenfalls nichts.

Hochspannung vor dem ersten Duell in der Landesliga

Man darf also gespannt sein auf dieses Aufeinandertreffen unter besonderen Voraussetzungen – auf und neben dem Platz. Denn sofern das Wetter mitspielt, werden sicherlich auch zahlreiche Zuschauer die Ränge des Stadions am Wasserschloss säumen und dabei sein wollen, wenn der FC Töging und der TSV Kastl erstmals in der Landesliga die Klingen kreuzen (Mittwoch, 19:00 Uhr).

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Auch wir vom Beinschuss sind höchst gespannt – und werden Live für Euch vom Wasserschloss berichten.

Ein weiteres heißes und prestigeträchtiges Derby in dieser Englischen Woche der Bezirksliga findet im Jakob-Schaumaier-Sportpark in Traunstein statt. Ebenfalls um 19:00 Uhr trifft dort der heimische SB Chiemgau Traunstein auf die Lokalrivalen vom ESV Freilassing. Auch hier wird der Beinschuss live vor Ort sein.

Quelle: rosenheim24.de

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