SB Chiemgau Traunstein - ESV Freilassing 2:0

Chiemgauer glückliche Derbysieger!

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Freilassinger Goalgetter Albert Deiter muss sich gleich gegen die drei Traunsteiner Alexander Schlosser, Maximilian Probst und Waldemar Daniel behaupten. Schlosser erzielte wenig später das 1:0 für die Heimelf.

Traunstein - Vor sagenhaften 1.300 Zuschauern im heimischen Jakob-Schaumaier-Sportpark holte sich der SB Chiemgau Traunstein den Derbysieg gegen den ESV Freilassing und damit die ersten drei Punkte der noch jungen Saison. Zustande kam der Heimerfolg allerdings anders, als wohl die meisten erwartet hatten: Denn die Gastgeber überzeugten vor allem kämpferisch - die bessere Spielanlage zeigten die Gäste aus Freilassing.

aus dem Jakob-Schaumaier-Sportpark berichtet Christian Schulz

Die Geschichte der ersten Halbzeit ist schnell erzählt. Und sie kann nur eine Überschrift tragen: Verkehrte Welt im Jakob-Schaumaier-Sportpark! SBC-Coach Jochen Reil vertraute derselben Elf wie bei der vorangegangenen Niederlage in Holzkirchen. Nach den beiden Auftaktpleiten erwarteten die heimischen Fans und auch der Trainer ein anderes Auftreten der Chiemgauer. Und die traten auch anders auf – allerdings nur bedingt besser, lediglich viel effizienter.

Beide Teams verzichteten komplett auf eine lange Abtastphase. Das Spiel nahm sofort Fahrt auf. Auch die Eisenbahner waren sofort drin in Spiel, suchten in einem zu Beginn ausgeglichenen Match mutig auch ihre eigenen Möglichkeiten.

Fataler Fehler nach sieben Minuten

Schon nach sieben Minuten erwischte sie allerdings der selbst produzierte Blitz-Nackenschlag: Nach einer unorthodox halbhoch an den Fünfer hereingeschlagenen Eckball von Traunsteins Patrick Schön pennte die komplette Hintermannschaft der Freilassinger. Sie ließ den Ball einfach durchgehen, keiner reagierte – und Alexander Schlosser spritzte dazwischen und drückte den Ball mit der Brust über die Linie. 1:0 – die frühe Führung für den Sportbund!

Was danach im mit 1.300 Zuschauern prächtig besetzten Traunsteiner Stadion passierte, führte die von vielen vermutete Favoritenrolle des SB Chiemgau komplett ad absurdum. Die Heimelf reagierte auf den glücklichen Führungstreffer indem sie begann sich weit zurück zu ziehen, Freilassing kommen zu lassen und sich teilweise sogar hinten einigelte.

Service:

Und die Freilassinger nahmen das dankend und gekonnt an. Ballbesitz fast nur für den ESV – konstruktive Angriffe nur in eine Richtung. In die des Gehäuses von SBC-Keeper Issa Ndiaye. Nicht wenige der Anwesenden rieben sich verwundert die Augen, wie deutlich die Dominanz der Gäste hier war. Traunstein stand unglaublich tief, teilweise mit sechs bis sieben verteidigenden Spielern in letzter Linie. Die davor agierenden Chiemgauer Akteure waren nicht recht viel weiter vorne postiert. Einzig Maximilian Probst war eine einsame und demzufolge wirkungslose Spitze.

Freilassing dominiert vor 1.300 Zuschauern

Ganz beabsichtigt war das sicher nicht – auch Trainer Reil damit nicht zufrieden – aber die beiden Auftaktniederlagen und das damit verbundene aufgeregte Grundrauschen im Umfeld hatten wohl doch die in oder andere mentale Spur bei den Traunsteinern hinterlassen. Sie lagen in Front, hatten eine gute Aussicht endlich Punkte einzufahren und wollten dies erst einmal sichern. Allerdings ließen sie sich dabei viel zu weit hinten hinein drücken. Das verursachte erst diese eklatante Feldüberlegenheit der Freilassinger und gab den Gästen die Möglichkeit zu versuchen mit ihrem Dauer-Ballbesitz etwas Gescheites anzustellen.

SBC Traunstein - ESV Freilassing

Und was die Eisenbahner anstellten, sah gefällig aus. Spritzig in den Zweikämpfen, meist einen Schritt schneller als ihre Gegner, bissig wie sich das für ein Derby gehört und schnell und ballsicher im Zusammenspiel. Einzig und allein es entfaltete wenig oder nicht genug Wirkung nach ganz vorne. Im letzten Drittel des Spielfeldes war meistens Schluss. Und auch wenn der Ball umgehend zurückerobert oder vom Traunsteiner Abwehrriegel schlicht davon gedroschen wurde – sah es beim nächsten Angriffsversuch ähnlich aus.

Der ESV kommt nicht durch - Traunstein defensiv konzentrierter als zuletzt

Es war aber auch schwer für die Gäste, die zwar ständig am Versuchen waren – sich aber zu wenig entscheidend durchsetzen konnten. Der torgefährliche Raum schien wie vernagelt und die dicht gestaffelte Defensive der Chiemgauer ließ sich einfach nicht überwinden. So blieb es bei Versuchen, bei unermüdlichem Anrennen und Anspielen ohne Ergebnis. Ab und an eine Kopfball-Halbchance nach Flanke ohne das etwas wirklich Zwingendes dabei gewesen wäre – das wars. Sonstige Torabschlüsse der Gäste gab es wenige. Immer war ein Fuß vor oder der letzte Passweg zugestellt.

Eines musste man der Heimelf nämlich auf jeden Fall attestieren: Auch wenn von dem von ihrem Trainer eingeforderten verbesserten Spielaufbau nichts zu sehen war, so zeigten sie sich was Abwehrverhalten und vor allem Konsequenz anging ganz anders als noch am Wochenende zuvor in Holzkirchen. Auch das Zweikampfverhalten war ein ganz anderes – was das fighten anging nahmen sich beide Teams nämlich nichts. Auch die Traunsteiner nahmen das Derby voll an.

Weishäupl verpasst den Ausgleich - Schlosser zum Zweiten

Und so resultierte auch die mehr oder wenige einzige dicke Torgelegenheit der Gäste aus einem Kopfball. Marco Weishäupl schlug eine klasse und genau getimte Flanke aus dem linken Halbfeld herein, der aufgerückte Christian Niederstrasser kam zentral zwischen Fünfer und Elfmeterpunkt zum Kopfball – aber brachte das Leder nicht im Kasten von Ndiaye unter. Eine Riesenchance zum Ausgleich!

Sekunden vor dem Halbzeitpfiff wurde das Geschehen dieser ersten Hälfte schließlich vollends auf den Kopf gestellt. Denn nicht die Freilassinger erzielten den verdienten Ausgleich – sondern der Sportbund Chiemgau erhöhte aus dem nichts heraus auf 2:0. Waldemar Daniel wurde beim einzig vernünftig ausgespielten Entlastungsangriff seit Minuten auf dem linken Flügel in Szene gesetzt, setzte sich fein durch und gab von links außen diagonal zurück nach innen in den Strafraum. Dort war es wieder Alexander Schlosser der bedient wurde, sich blitzschnell und gekonnt drehte und mit einem wunderschönen Schlenzer in die rechte Ecke sein zweites Tor des heutigen Tages erzielte (45.). Ein Klasse Spielzug – ein Klasse Tor. Aber eben auch die eigentlich erste richtige heraus gespielte Torchance der Hausherren.

Die Chiemgauer waren in dieser Szene eiskalt – die Freilassinger marschierten konsterniert in die Kabine. Was konnten sich die Gäste groß vorwerfen. Sie hatten einmal fatal gepennt und sofort die Quittung dafür bekommen und dann eine einzige weitere Torchance der Gastgeber zugelassen. Die Eisenbahner hatten hier – zumal für einen Aufsteiger – eigentlich ein starkes Spiel gemacht. Und doch lagen sie mit zwei Toren und ohne eigene Treffer zurück.

Das gleiche Bild in Hälfte Zwei - Krojer macht die Kiste nicht!

In Halbzeit Zwei, die im aus Sturzbächen strömenden Regen absolviert werden musste, änderte sich am beschrieben Bild wenig. Freilassing im Ballbesitz, Freilassing mit viel Bemühen, Freilassing mit dem Versuch ein Kombinationsspiel aufzuziehen – Freilassing ohne Erfolg. Die Traunsteiner standen weiter tief, allerdings jetzt viel sortierter und beabsichtigter und nicht mehr ganz so ausschließlich. Nichts desto trotz merkte man ihnen deutlich an, dass es nach der Schelte der vergangenen eineinhalb Woche hier keinen Schönheitspreis zu gewinnen gab. Für sie zählten in diesem Derby einzig und allein die drei Punkte. Und die verteidigten sie mit aller Vehemenz. Und dies gelang auch gut. Denn Torchancen ließen sie weiter nur äußerst wenige zu.

Die beste Möglichkeit das Spiel eventuell zu drehen, vergaben die Eisenbahner kurz nach Wiederanpfiff: Nach einer Flanke von links stand Denis Krojer kurz vor dem langen Fünfereck sträflich allein gelassen – aber er traf aus bester Einschussposition mit der Innenseite das Leder nicht richtig und schoss den Ball statt aufs Tor zurück in Richtung Flügel (51.). Eine Wahnsinns-Chance zum Anschluss! Hier hätte die Kugel im langen Eck zappeln müssen!

Freilassing weiter bemüht und gefällig - Traunstein lässt nichts zu

Danach das bereits beschriebene Spielgeschehen in allen Variationen – aber immer mit dem gleichen Resultat. Die Freilassinger Hälfte phasenweise verwaist, in den Strafräumen tat sich wenig und das Anrennen der Eisenbahner blieb ohne Effekt. Weder Goalgetter Albert Deiter, noch der pfeilschnelle Daniel Leitz, noch Neuzugang Krojer gelang ein Durchbruch. Das Meiste spielte sich daher zwischen 25 Metern vor dem Tor des SBC und zehn Metern in der Hälfte des ESV ab.

Als die Freilassinger dann endgültig aufmachten und begannen alles nach vorne zu werfen, verpassten es die Traunsteiner die entstehenden Räume clever auszunutzen, ihre Konter zu Ende zu spielen und das Spiel mit einem weiteren Torerfolg endgültig zu entscheiden. Hier waren auch wieder die unerklärlich vielen leichten Abspielfehler aus dem Holzkirchen-Spiel zu sehen.

Schlosser mit der Riesenchance zu Treffer Nummer Drei

Auf dem Kopf hatte die Entscheidung wieder Alexander Schlosser – es wäre sein dritter Treffe an diesem Tag gewesen! Nach einem Konter der auch einmal abgeschlossen wurde, flankte der eingewechselte Anton Mook von links – und in der Mitte kam Schlosser völlig frei zum Kopfball, verfehlte mit seinem Versuch allerdings das lange Eck (78.).

Da auch die folgenden verzweifelten Angriffsbemühungen des ESV inklusive guter Möglichkeiten durch Mario Switil, der sich halblinks durchgedribbelt hatte und mit seinem Chip nach innen weder Mitspieler noch Tor fand (82.), und Krojer, der mit einem Distanzschuss aus 20 Metern Ndiaye zu einer Glanzparade zwang (92.), keinerlei Erfolg zeigten, blieb es beim schmeichelhaften 2:0 Derbysieg für die Traunsteiner.

Glücklicher Sieg für den SB Chiemgau - Reil erleichtert und zufrieden

Hinterher fragt danach aber meistens keiner mehr – und auch Traunsteins Coach wars zufrieden: „Für uns zählt heute nur das Ergebnis. Vor allem nach der harten Kritik. Die war zwar berechtigt – aber hat die Jungs doch mitgenommen. Wie sie damit umgegangen sind – und sich in den Zweikämpfen gezeigt und nicht versteckt haben, hat mir gefallen. Auch in Sachen Konsequenz war das ein ganz anderes Auftreten. Eine der Sachen, die ich angemahnt hatte, wurde klar verbessert – am Rest müssen wir arbeiten. Dass das heute kein Sahneauftritt war... - Schwamm drüber! Für uns zählt der Derbysieg!“, so Reil.

Die Gäste hatten ein gutes Spiel abgeliefert, für einen Aufsteiger spielerisch ansprechend ausgesehen und nicht nur mitgespielt, sondern auswärts das Geschehen dominiert. Dass sie trotzdem als unglückliche Verlierer vom Platz gingen ärgerte die Eisenbahner wegen des prestigeträchtigen Duells – vorwerfen konnte sie sich außer den beiden Situationen vor den Gegentreffern in Halbzeit Eins allerdings kaum etwas.

Quelle: rosenheim24.de

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