Historischer Staatsbesuch

Tschechiens Regierungschef in Bayern

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Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (rechts im Bild) begrüßt Tschechiens Regierungschef Petr Necas in München.

München - "Sehr historisch und sehr gut" nannte Ministerpräsident Seehofer den Besuch von Tschechiens Regierungschef Petr Necas. Der Besuch soll die politischen Beziehungen normalisieren.

(Zusammenfassung 1600) Seehofer würdigt Necas-Besuch: „Sehr schön, sehr historisch“ (Foto - aktuell)

Ministerpräsident Horst Seehofer kann einen diplomatischen Erfolg verbuchen: Die Normalisierung der Beziehungen zu Tschechien.

München (dpa/lby) - Mehr als sechs Jahrzehnte nach der Vertreibung der Sudetendeutschen sind die historischen Spannungen zwischen Bayern und Tschechien weitgehend ausgeräumt. Nach zwei Besuchen von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in Tschechien traf am Mittwoch der tschechische Regierungschef Petr Necas zur Gegenvisite in München ein. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Necas' Reise als „sehr schön, sehr historisch und sehr gut“. Sofern es keine diplomatischen Zwischenfälle gibt, wird damit die von Seehofer erhoffte Normalisierung der Beziehungen zu Prag abgeschlossen. Der CSU-Chef hatte dafür mit seinen bisherigen Besuchen in Tschechien die Grundlage gelegt.

Sowohl Seehofer als auch Necas sprachen von „Freundschaft“. Beide vereinbarten jährliche Begegnungen der Ministerpräsidenten und regten die Einrichtung einer bayerisch-tschechischen Parlamentariergruppe an, wie Seehofer nach dem Gespräch berichtete. Außerdem soll es eine gemeinsame Landesausstellung geben. Der Streit um die Vertreibung der Sudetendeutschen solle das Klima nicht mehr vergiften. „Unsere Beziehungen sind auf die Zukunft angelegt, aber niemand wird die Vergangenheit umschiffen“, sagte Necas. Seehofer ergänzte: „Der Weg, den wir jetzt eingeschlagen haben ist besser als eine jahrzehntelange Sprachlosigkeit.“

Prag ist München näher als jede andere europäische Hauptstadt, doch während die Staatsregierung traditionell freundliche Beziehungen zu Österreich und zur Schweiz pflegt, herrschte im Verhältnis zu den Tschechen wegen des Streits um die Vertreibung über Jahrzehnte Eiszeit. Eis gab es zwar auch am Mittwoch, aber nur noch auf den Straßen: Wegen glatter Straßen wurde aus Sicherheitsgründen Necas' Motorradeskorte gestrichen.

Inzwischen sind sich beide Seiten informell einig, dass das Thema entschärft wird - auch wenn die tschechische Regierung die langjährige CSU-Forderung nach einer Aufhebung der Benes-Dekrete nie erfüllt hat. Die Dekrete waren die Grundlage für die Ausweisung der deutschen und ungarischen Bevölkerung aus der früheren Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg. Am Mittwoch wollte Necas noch das frühere Konzentrationslager Dachau besuchen, in dem auch Tschechen inhaftiert waren. Als erster tschechischer Politiker wird er dann am Donnerstag eine mit Spannung erwartete Rede im Landtag halten.

Zusammentreffen bayerischer und tschechischer Politiker gab es seit dem Fall des Eisernen Vorhangs mehrfach. Als erster besuchte 1993 der damalige tschechische Regierungschef und heutige Präsident Vaclav Klaus München. Damals war das Verhältnis jedoch noch sehr frostig: Klaus ließ den damaligen Ministerpräsidenten Max Streibl (CSU) auflaufen. Streibl hatte behauptet, Klaus habe Gespräche mit den Sudetendeutschen „im Geiste des Aufeinanderzugehens“ zugesagt - doch Klaus widersprach öffentlich. Zwanzig Jahre später spielen die Vertriebenen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle: Am Rande des Necas-Besuchs gab es lediglich eine Mini-Kundgebung zweier Sudetendeutscher mit einem Transparent: „Bayerns vierter Stamm - mahnen und informieren“.

dpa

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