Nach vermeintlicher Giftgas-Attacke

Russland nimmt Syrien in Schutz

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Die Opposition wirft Assad vor, bei den Attacken am Mittwoch Giftgas eingesetzt zu haben.

Moskau - Nach den heftigen Angriffen rund um Damaskus am vergangenen Mittwoch wächst der Druck auf Syrien. Russland jedoch hält weiterhin zu Assad - und kritisiert Europa.

Angesichts von Forderungen nach Erhöhung des Drucks auf Syrien hat sich Russland vor seinen Verbündeten gestellt. Rufe in Europa nach Anwendung von Gewalt gegen Syrien seien "inakzeptabel", erklärte das russische Außenministerium am Freitag. Berichte über angebliche Chemiewaffenangriffe seien "eindeutig eine Provokation" der Rebellen, die eine Untersuchung verhinderten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte dagegen "ernste Konsequenzen" an, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.

Das Außenministerium in Moskau erklärte, die Videos zu dem Angriff seien vor dem angeblichen Chemiewaffenangriff ins Internet gestellt worden. Zudem würden die Rebellen eine "objektive Untersuchung" behindern. Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor nach einem Telefongespräch mit seinem US-Kollegen John Kerry erklärt, sie hätten das "gemeinsame Interesse" an einer "objektiven Untersuchung". Lawrow betonte, er habe gleich nach dem Vorfall Syrien zur Kooperation mit den UN-Inspekteuren gedrängt.

Die UNO geht den Vorwürfen der Rebellen nach

Nach Angaben der Rebellen waren am Mittwoch in den Ortschaften Muadamijat al-Scham und Ghuta nahe Damaskus bei einem Chemiewaffenangriff mehr als 1300 Menschen getötet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf ein Netz aus Aktivisten und Ärzten vor Ort stützt, zählte dagegen in den von den Rebellen kontrollierten Vororten nur 170 Tote. Den Einsatz von Chemiewaffen konnte die oppositionsnahe Organisation nicht bestätigen.

UN-Generalsekretär Ban kündigte "ernste Konsequenzen" an, falls sich die Vorwürfe bestätigen sollten. Jeglicher Einsatz von Chemiewaffen sei ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Ban hatte bereits seine Hohe Vertreterin für Abrüstung, Angela Kane, nach Damaskus entsandt, um den Vorwürfen nachzugehen. Die UNO stellte bei der syrischen Regierung am Donnerstag auch den formellen Antrag, ihren Inspekteuren Zugang zum mutmaßlichen Tatort zu gewähren.

Obama: Vorfall in Syrien bereitet "ernste Sorgen"

Der britische Außenminister William Hague sagte, seine Regierung gehe davon aus, "dass es sich um einen Chemiewaffenangriff des Assad-Regimes handelt", doch wolle sie eine Prüfung durch die UN-Inspekteure im Land. Der schwedische Außenminister Carl Bildt erklärte, angesichts der verfügbaren Informationen sei es "schwer, zu einer anderen Folgerung zu gelangen, als dass eine tödliche chemische Substanz bei dem Angriff eingesetzt wurde".

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bekräftigte die UN-Forderung nach einer "umfassenden, unabhängigen und umgehenden Untersuchung". Die internationale Gemeinschaft müsse nun "mit einem Sinn der Dringlichkeit und der Verantwortung" vorgehen, um eine diplomatische Lösung zu erreichen. Der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi sagte, die Berichte über den angeblichen Chemiewaffenangriff zeigten erneut, dass Syrien die "größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit in der Welt" sei.

US-Präsident Barack Obama sagte in einem CNN-Interview, die Berichte legten nahe, dass es sich um einen "großen Vorfall" handele, der über frühere ähnliche Vorfälle hinausgehe und ihm daher "ernste Sorge" bereite. Zugleich betonte er aber, dass ohne zusätzliche Informationen nicht entschieden werden könne, ob tatsächlich Chemiewaffen eingesetzt wurden. Obama hatte vor einem Jahr den Einsatz chemischer Kampfstoffe als "rote Linie" für eine Militärintervention bezeichnet.

AFP  

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