Streit um Lohngleichheit

Geheimes Gehalt: Schwesig fordert Offenheit, Union ist dagegen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Lohnlücke existiert. Mehr Transparenz soll Abhilfe schaffen.

Berlin - Sehr geehrter Arbeitgeber, was verdienen eigentlich meine Kollegen? Geht es nach Manuela Schwesig, müssen alle Chefs die Frage künftig beantworten. Der Union geht das zu weit. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Der Streit um mehr Lohngleichheit ist der letzte große sozialpolitische Konflikt auf der Agenda der schwarz-roten Koalition. Die CDU pocht auf die Abschwächung eines Entwurfs von Manuela Schwesig. Die SPD-Frauenministerin wirft der Union vor, Millionen Frauen von Lohngerechtigkeit ausschließen zu wollen. Ein Überblick:

Wie groß ist die Lohnlücke?

Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen lag nach jüngsten Zahlen 2014 um 22 Prozent niedriger als der der Männer. Besonders groß ist die Lücke etwa bei Banken und Versicherungen (29 Prozent), unterdurchschnittlich im Gastgewerbe (13 Prozent). Nur in Estland (28 Prozent) und Österreich (23 Prozent) liegt der Verdienstunterschied im EU-Vergleich höher.

Wo liegen die Hauptursachen?

Frauen nehmen immer noch öfter längere Auszeiten für die Familie. Das schadet Karriere und Gehalt. Und es gibt nach wie vor Berufe, die eher typisch für Frauen sind - und oft schlechter bezahlt. So werden Frauen immer noch öfter Erzieherin oder studieren Lehramt, Männer werden Elektroinstallateur oder studieren Maschinenbau. Mehrere Studien legen sogar nahe, dass das Lohnniveau in einer Branche sinkt, je stärker sich der Frauenanteil erhöht.

Wie stellt sich die Lohnlücke regional dar?

Ein aktueller Vergleich des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, dass diese Lücke vor allem ein westdeutsches Phänomen ist. Am größten ist der Vorsprung der Männer in den Hochlohnberufen im Westen. In den mittleren Gehaltsklassen im Osten verdienen Frauen im Mittel sogar etwas mehr als Männer.

Ist die Lohnlücke für die Union kein Problem?

Doch. „Wir wollen, dass unsere Töchter und Söhne für die gleiche Arbeit auch das gleiche Einkommen bekommen“, sagt etwa der CDU-Familienpolitiker Marcus Weinberg. Für ihn wiegt allerdings ein Wert schwerer, bei dem Statistiker etwa Unterschiede bei der Arbeitszeit, der Berufswahl und der Dauer der Betriebszugehörigkeit herausgerechnet haben: Dann bliebt eine Lohnlücke von rund 7 Prozent.

Wie will die Koalition mehr Lohngleichheit erreichen?

Das Thema Gehalt soll per Gesetz aus der Tabuzone geholt werden. Größere Unternehmen sollen verpflichtet werden, Verfahren zur Herstellung der Entgeltgleichheit einzuführen und darüber zu berichten. Und es soll einen Auskunftsanspruch geben - so dass Frauen erfahren, was Kollegen, die das Gleiche machen, im Schnitt verdienen.

Wie soll die Auskunftspflicht konkret ausgestaltet werden?

Der Arbeitgeber soll nach Schwesigs bisherigem Gesetzentwurf der fragenden Beschäftigten die Kriterien für ihr Gehalt sagen. Und sie soll auf Nachfrage erfahren, wie das mittlere Gehalt bei einer Vergleichsgruppe von mindestens fünf Beschäftigten mit gleichwertiger Tätigkeit in dem Betrieb ist.

Was ist der Hauptstreitpunkt zwischen SPD und Union?

Die Frage, welche Unternehmen künftig auskunftspflichtig sein sollen. Die Union will, dass das nur für Unternehmen ab 500 Beschäftigten gilt. Schwesigs Entwurf sieht vor, die Auskunftspflicht für alle Betriebe einzuführen. Deshalb sagt sie, nötig sei ein Lohngerechtigkeitsgesetz, „das für alle 31 Millionen Beschäftigte gilt und nicht nur - wie von der Union gewollt - für sechs Millionen Beschäftigte“. Der Koalitionsvertrag ist hier nicht ganz klar. Da steht bei dem anderen zentralen Punkt, den Berichten der Firmen zur Entgeltgleichheit, dass dies ab 500 Beschäftigten gelten soll - der Auskunftsanspruch solle „darauf aufbauend“ kommen.

Was ist noch strittig?

Ob die Firmenberichte zur Lohngleichheit im Internet veröffentlicht werden sollen - Schwesig sieht das vor, die Union ist skeptisch. Strittig ist auch, ob auch für die Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes die geplante Auskunftspflicht eingeführt werden soll. Schwesig und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sollen den Streit nun lösen.

dpa

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser