Waffenruhe hält nicht

Erneute Kämpfe um Flughafen in Tripolis

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Rauch steigt über dem Stadtteil von Tripolis auf, in dem sich der internationale Flughafen befindet.

Tripolis - Die am Freitag verkündete Waffenruhe in der libyschen Hauptstadt Tripolis hielt nicht: Um den Flughafen flammten erneut heftige Kämpfe auf.

Die heftigen Kämpfe um den internationalen Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am Freitag erneut aufgeflammt. Der Bürgermeister von Tripolis und die rivalisierenden Milizen hatten wenige Stunden zuvor eine Waffenruhe verkündet. Die libysche Regierung bat in einem dramatischen Appell den UN-Sicherheitsrat um Hilfe bei der Ausbildung von Sicherheitskräften.

Der Flughafen war nach Angaben eines Sicherheitsbeamten wieder Ziel von Angriffen mit Mörsern. Getroffen wurde demnach unter anderem das Büro für die Sicherheit des Flughafens. Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes hätten das Feuer erwidert. Schüsse und Explosionen waren auch im südlich von Flughafen gelegenen Stadtviertel Abu Slim zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Die Vereinbarung über einen Waffenstillstand sah vor, den wegen der Kämpfe seit Sonntag gesperrten Flughafen unter die Kontrolle neutraler Kräfte zu stellen. Der Flughafen war seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 in der Hand der Sintan-Brigaden. Rivalisierende Islamisten-Milizen versuchten, diese zu vertreiben. Mehrere Flugzeuge sowie wichtige Einrichtungen des Flughafens wurden durch Raketenbeschuss schwer beschädigt.

Ein Anführer der Sintan-Brigaden, Mochtar Lachdhar, sagte AFP, dass die Waffenruhe unter Vermittlung der Stadtverwaltung von Tripolis vereinbart worden sei. Die Raketenangriffe auf den Flughafen wurden seinen Angaben zufolge bereits am Donnerstagabend eingestellt.

Ein Sprecher der islamistischen Misrata-Brigaden betonte, dass die Waffenruhe "nur rund um den Flughafen" gelte und nicht auch die von den Sintan-Brigaden kontrollierten Militärstandorte in Tripolis betreffe. Beide Milizen waren nach der Tötung Gaddafis im Zuge des Nato-Luftkriegs gegen Libyen 2011 offiziell den Ministerien für Inneres und Verteidigung unterstellt worden.

Der libysche Außenminister Mohammed Abdelasis warnte angesichts der anhaltenden Gewalt in Libyen davor, dass sich das Land zu einem "gescheiterten Staat" und zu einem "Anziehungspunkt für Extremisten" entwickeln könnte. "Wir bitten um ein UN-Team aus Experten in Sicherheitsfragen, nicht um eine militärische Intervention", sagte Abdelasis vor einer Zusammenkunft des UN-Sicherheitsrats in New York. Nötig seien Experten, die libysche Streit- und Polizeikräfte trainierten, damit diese etwa Flughäfen, Ölfelder und andere strategisch wichtige Orte besser schützen könnten.

Der Sicherheitsrat verwies die Anfrage aus Tripolis an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Dieser soll die Bitte prüfen und "Optionen" vorschlagen, wie der Vertreter Ruandas im Sicherheitsrat, Eugene-Richard Gasana, sagte. Erst am Montag hatten die Vereinten Nationen ihre Mitarbeiter wegen der Gewalt aus Libyen abgezogen.

Die jetzt neu aufgeflackerten Kämpfe nähren Befürchtungen, dass es in Tripolis zu einem länger anhaltenden Konflikt kommen könnte. Die Ergebnisse der Parlamentswahl vom 25. Juni liegen noch nicht vor. Beobachtern zufolge könnten die Liberalen bei der Abstimmung mehr Sitze gewonnen haben als die Islamisten. Diese versuchen demnach, ihre Niederlage militärisch zu kompensieren.

AFP

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