"Berlin aus Landkarte gestrichen"

Guttenberg teilt aus: Schwere Vorwürfe gegen Obama

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Karl-Theodor zu Guttenberg (Mitte) rechnet mit dem aktuellen US-Präsidenten Barack Obama ab.

Berlin - Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt sich von Barack Obama enttäuscht. Der US-Präsident habe in seiner Amtszeit viele Versprechen nicht einhalten können, so der Vorwurf des ehemaligen Verteidigungsministers.

Drei Mal habe Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, den US-Präsidenten Barack Obama zu einem Deutschland-Trip nach Hannover zu bewegen. Erst beim dritten Anlauf habe Obama dann schließlich zugesagt, die Reise nach Niedersachsen anzutreten, behauptet die "Washington Post". 

Dort eröffnete der 44. Präsident von Amerika zusammen mit der Kanzlerin am Sonntagabend die Hannover Messe. Obama nahm die Rolle als Merkel-Unterstützer sofort an und hielt gleich am ersten Tag mit Lobhudeleien nicht hinterm Berg. Auf die Flüchtlingspolitik angesprochen, nannte er die Kanzlerin "auf der richtigen Seite der Geschichte." Für Merkel, deren Umfragewerte im eigenen Land durch die Flüchtlingskrise in den Keller stürzten, sind das warme Worte. "Sie ist wegen ihres Durchhaltevermögens zu bewundern. Es ist die wichtigste Beziehung, die wichtigste Freundschaft, die ich in meiner Amtszeit hatte", bauchpinselte der US-Präsident die Kanzlerin weiter. 

Bei seinem wohl letzten Deutschland-Besuch gibt sich Obama große Mühe, Deutschland und Kanzlerin Merkel als engen Verbündeten darzustellen. Im November wird in Amerika ein neuer Präsident gewählt. Die US-Wahl 2016 für einen Nachfolger Obamas ist bereits im vollen Gange.

Guttenberg: Obama einer der "distanziertesten Präsidenten seit Langem"

Für Karl-Theodor zu Guttenberg sind die amerikanischen Liebesbekundungen nicht besonders glaubhaft. In der "Bild" zeigt sich der ehemalige Verteidigungsminister enttäuscht von der Amtszeit des US-Präsidenten. "Die Deutschen träumten von einem neuen Freund Obama und bekamen: den transatlantisch distanziertesten Präsidenten seit Langem", schreibt Guttenberg in seinem Gastbeitrag. Dass Amerika nun Deutschland als langjährigen Partner bezeichne, empfindet der ehemalige deutsche Politiker als scheinheilig: "In den ersten Jahren hatte man das Gefühl, dass Europa – und insbesondere Berlin – aus der Landkarte des Weißen Hauses gestrichen worden wären. Erst spät kam es zu einer Korrektur, eher taktisch als emotional motiviert. Der Besuch in Hannover ändert daran wenig."

Guttenberg: "Obama wurde schließlich selbst gewandelt"

Dabei glaubt Guttenberg, die hohen Erwartungen an Obama zu Beginn seiner Amtszeit seien "erdrückend" gewesen. Hinzu kam noch die Auszeichnung als Nobelpreisträger im Jahr 2009, nur kurze Zeit nach seinem Amtsantritt. Diesen Erwartungen könne man nicht nachkommen, so die Meinung des ehemaligen Bundesministers für Wirtschaft und Technologie. "Es ist, als ob man einen frechen, jungen Formel-1-Neuling am Anfang der Saison zum Weltmeister erklärt, um ihn dann verkrampft gegen die Wand fahren zu sehen."

Obamas Bilanz in seiner acht Jahre andauernden Amtszeit fällt laut Guttenberg durchwachsen aus. Sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch habe Obama eine Vielzahl seiner Wahlversprechen nicht einhalten können. Guatanamo steht immer noch, der Kampf gegen die mächtige Waffenlobby scheint gescheitert und die Beziehungen zu der muslimischen Welt scheinen angespannter denn je. Guttenberg sieht in Obama jedoch auch den Präsidenten, der Amerika wieder näher an Kuba brachte, der den Mut besaß, das völlig marode amerikanische Gesundheitssystem zu reformieren und auch die Klima-Politik seines Landes neu ausrichtete.

Schlussendlich fällt Guttenbergs Zeugnis über Obamas Amtszeit ernüchternd aus: "Er trat an, um die tiefen Gräben zwischen den politischen Lagern im Kongress zu überwinden. Heute sind aus den Gräben Abgründe geworden." Der US-Präsident trage Schuld an den politischen Aufstiegen der Populisten Donald Trump, Ted Cruz und Bernie Sanders. "Barack Obama predigte Wandel und wurde schließlich selbst gewandelt", rechnet Guttenberg mit Obama ab.

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kus

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