Chat endet unmittelbar vor Attentat

Ansbach-Attentäter fremdgesteuert: Wer befahl das Zünden der Bombe?

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Die Innenstadt von Ansbach.

Ansbach/Gmund - Nach dem Bombenanschlag in Ansbach haben die Ermittler Hinweise darauf entdeckt, dass der Attentäter von einer unbekannten Person in einem Chat direkt beeinflusst wurde.

Der Attentäter von Ansbach bekam vor dem Bombenanschlag offensichtlich Anweisungen: Auf einem Handy des 27-Jährigen entdeckten die Ermittler Hinweise darauf, dass er von einer unbekannten Person in einem Chat direkt beeinflusst wurde. „Es hat offensichtlich einen unmittelbaren Kontakt mit jemandem gegeben, der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Mittwoch am Rande einer Kabinettsklausur am Tegernsee. Der „intensive Chat“ endet nach Angaben des CSU-Politikers „unmittelbar wohl vor dem Attentat“.

Herrmann betonte, man wisse noch nicht, wo sich der Chat-Partner des Mannes aufgehalten habe, im Inland oder im Ausland. Und man wisse auch noch nicht, wie lange der Chat-Kontakt bereits bestanden habe - ob das Wochen oder Monate zurückreiche oder gar noch länger, „noch bevor der Täter überhaupt nach Deutschland gekommen ist“.

Auf Nachfragen, ob es sich um einen Kontakt zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt haben könnte oder ob der Attentäter möglicherweise sogar ganz gezielt nach Deutschland eingeschleust worden sei, konnte Herrmann nichts sagen. Dies sei Gegenstand der Ermittlungen. Aus dem Chat lasse sich lediglich entnehmen, „dass hier ein anderer Mensch ... schon ganz maßgeblichen Einfluss auf das Agieren dieses Täters genommen hat“, erklärte der Minister.

Unklar ist nach den derzeitigen Ermittlungen auch, ob der Attentäter die Bombe tatsächlich in diesem Moment am Sonntagabend zur Explosion bringen wollte. „Es gibt aufgrund der ganzen Zeugenaussagen des Geschehens und übrigens auch des Chat-Verlaufs in der Tat Fragen, ob das in dem Moment jedenfalls von ihm beabsichtigt war, in dieser Minute die Bombe zu zünden“, sagte Herrmann.

Herrmann bestätigte, dass bei dem 27-Jährigen eine Rolle von 50-Euro-Scheinen gefunden worden sei. „Ich war dabei, wie sie gefunden wurde“, sagte er. „Woher das Geld kommt, können wir heute natürlich noch nicht sagen.“ Er fügte aber hinzu: „Wenn man diese Geldbeträge in bar gesehen hat, dann ist es unwahrscheinlich, dass das allein aus dem, was ein Asylbewerber in Deutschland als Taschengeld bekommt, bezahlt werden kann“, sagte Herrmann und verwies zusätzlich auf die Kosten für die Materialien zum Bombenbau. Um wie viel Geld es sich handelte, konnte Herrmann aber nicht sagen.

Der Täter von Ansbach war ein Flüchtling aus Syrien, der bei der von ihm ausgelösten Explosion getötet wurde. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen und prüft, ob er Mitglied in der Terrormiliz IS war. Nach Erkenntnissen der Behörden legt dies ein Bekennervideo auf dem Handy des Mannes nahe. Bei der Explosion am Rande eines Musikfestes wurden am Sonntagabend 15 Menschen verletzt.

dpa/afp

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