Berlin - Joachim Gauck entspricht dem Anforderungsprofil an den neuen Bundespräsidenten mehr als jeder andere der gehandelten Kandidaten. Wir stellen Ihnen den Auserwählten vor.

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Erst im dritten Wahlgang konnten Union und FDP ihren Kandidaten, den vormaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff durchsetzen. Der “Wahlkampf“ war weitgehend fair verlaufen, was Wulff nach der Wahl ausdrücklich anerkannte. Nachdem Wulff am Freitag das Handtuch geworfen hatte, schoben die Sozialdemokraten Gauck erneut ins Rampenlicht. Als ihren “Favoriten“ bezeichneten die Sozialdemokraten den 72-Jährigen zugleich, ohne aber auf seiner Kandidatur zu beharren.
Schon vor anderthalb Jahren hatte seine Nominierung bei den Bürgern und im Internet Begeisterungsstürme ausgelöst. Dem Freiheitsprediger Joachim Gauck flogen die Herzen der Bundesbürger zu und auch im Regierungslager wurden Sympathien für ihn deutlich.
Der im Kriegsjahr 1940 als Kapitänssohn in Rostock geborene Gauck wollte in der DDR eigentlich Journalist werden, erhielt aber keinen Studienplatz für Germanistik. Kein Wunder, hatte er sich doch der Pionierorganisation ebenso verweigert wie der Jugendorganisation “Freie Deutsche Jugend“. Also studierte er nach dem Abitur evangelische Theologie und wurde Pfarrer.
Im Wendejahr 1989 engagierte sich Gauck im Neuen Forum. Dort kümmerte er sich um die Aufdeckung des Überwachungsapparates der DDR. Dieses Aufgabenfeld sollte Gauck in den folgenden elf Jahren nicht mehr loslassen. Das Amt des “Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“ übte er überaus streitbar aus.
Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) etwa, dessen Kontakte zur Stasi jahrelang die deutsche Politik beschäftigten, fühlte sich von Gauck ungerecht behandelt. Konflikten geht der streitbare Intellektuelle also nicht aus dem Weg und der Kampf für die Freiheit ist sein Lebensmotto. Über das höchste Staatsamt hat der redegewandte Gauck zudem präzise Vorstellungen: “Als Repräsentant des ganzen Volkes kann der Bundespräsident zwischen den Regierten und den Regierenden vermitteln und zu einer besseren Verständigung zwischen ihnen beitragen.“
Bei seinem Abschied als Chef der Stasiunterlagenbehörde sagte Gauck im Jahr 2000, Bundespräsident wolle er nicht werden. Ein Mecklenburger wisse um seine eigenen Grenzen. 2010 versuchte Gauck es noch erfolglos. Bei der unverhofft schnellen zweiten Chance klappt es nun.
dapd
Rubriklistenbild: © dpa


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