Attacke aus der Luft: Wenn Greifvögel Jogger angreifen

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Während der Brutzeit wollen Mäusebussarde oft Jogger oder Spaziergänger aus dem Wald vertreiben. In der Regel bleibt es bei einem Scheinangriff. Foto: Boris Roessler

Wer beim Joggen im Wald dem Nest eines Greifvogels zu Nahe kommt, lebt gefährlich. Manche Vögel verteidigen aggressiv ihren Nachwuchs. Um den Attacken zu entgehen, gibt es aber eine einfach Lösung.

Groß-Gerau (dpa) - Dreimal hat der Bussard schon zugeschlagen. Dreimal mussten Jogger in einem Wald bei Groß-Gerau mit blutigen Kratzern am Kopf zum Arzt. Der Angriff kommt für die Opfer meist völlig überraschend, von hinten schießt der Greifvogel im Sturzflug heran.

In der Regel dreht er in letzter Sekunde ab, belässt es bei einem Scheinangriff. Doch manche Vögel sind hartnäckiger, wenn es darum geht, unliebsamen Besuch zu vertreiben. "Der Bussard hier, der ist schon ziemlich aggressiv", sagt der Leiter des Forstamtes Groß-Gerau, Wolfram Hammes. An dem Weg stehen jetzt Warnschilder, die auf die Gefahr aus der Luft hinweisen.

Während der Brutzeit des Mäusebussards zwischen Mai und Juli machen Jogger und Radfahrer auf den Wegen der hessischen Wälder immer wieder ungewollt Bekanntschaft mit den Greifvögeln. "Den Tieren geht es einfach darum, ihr Nest zu verteidigen", erklärt Dagmar Stiefel von der Staatlichen Vogelschutzwarte. Dem Landesbetrieb HessenForst ist neben den Fällen bei Groß-Gerau noch ein angriffslustiger Vogel in Nordhessen bekannt, im Bereich des Forstamtes Wehretal. "Im Vergleich zur Zahl der brütenden Bussarde sind das aber nur Einzelfälle", sagt HessenForst-Sprecher André Schulenberg. 8000 bis 14 000 Mäusebussard-Brutpaare gebe es in Hessen, schätzt die Vogelschutzwarte.

Der Mäusebussard ist unter Vogelkundlern bekannt für seine aggressive Nestverteidigung. Hinzu kommt, dass die Vögel häufig nah am Waldrand brüten - und das in vergleichsweise geringer Höhe von um die zehn Meter über dem Boden. "Da kommt es schon mal vor, dass ein Brutplatz direkt an einem Waldweg liegt", sagt Stiefel. Jogger und Radfahrer können dann von den Tieren als Bedrohung wahrgenommen werden, weil sie sich relativ schnell bewegen. "Für normale Spaziergänger besteht eigentlich keine Gefahr."

Stiefel rät deshalb, an entsprechenden Stellen eine kurze Pause einzulegen und zu gehen, statt zu joggen. "Noch besser ist es, die Strecke ganz zu meiden und für ein paar Wochen eine andere Joggingstrecke zu nutzen." Kommt es doch zu einer Bussard-Attacke helfe nur "Rückwärtsgang rein und weg", damit der Vogel erkennt, dass sich der vermeintliche Eindringling zurückzieht. Da die Greifvögel immer auf die höchste Stelle - beim Menschen also auf den Kopf - zielen, nutzt auch eine Mütze oder man hält die Arme schützend über den Kopf.

Dabei ist der Schreck bei einem solchen Angriff meist größer als die tatsächlichen Folgen. "Da muss niemand in Panik ausbrechen, in der Regel geht das glimpflich aus", sagt HessenForst-Sprecher Schulenberg. Auch Stiefel betont: "Es gehört nicht zum Standard-Repertoire des Mäusebussards, Menschen zu attackieren." Meist streiften die Vögel nur kurz durch die Haare. "Das kitzelt ein wenig, mehr nicht."

Von einem riesigen Schreck berichtet auch Wolfgang Patommel. Der 53-Jährige aus Wehrheim hat beim Joggen bereits die Bekanntschaft eines Bussards gemacht. "Auf einmal spürte ich einen Lufthauch, als der Vogel im Tiefflug von hinten über mich geflogen ist", beschreibt Patommel den rund vier Jahre zurückliegenden Vorfall. Bei einem zweiten Angriff hinterließ der Bussard auch ein paar Kratzer auf seiner Kopfhaut. "Seither meide ich diesen Waldweg im Frühsommer."

Inzwischen stünden auch in Wehrheim Warnschilder, berichtet Patommel. Ein gängiges Vorgehen, bestätigt HessenForst-Sprecher Schulenberg. "Wenn es irgendwo ein kratzbürstiges Exemplar gibt, weisen wir darauf hin." Gegen die Vögel werde aber nichts unternommen. "Die dürfen da brüten, sie sind herzlich willkommen", erklärt Schulenberg. Komplett für Spaziergänger und Jogger gesperrt werden die Wege jedoch auch nicht. Hammes: "Wir appellieren an die Vernunft der Leute - wer dort trotzdem joggt, ist selber Schuld".

NABU zum Mäusebussard

Der Mäusebussard ist der am häufigsten vorkommende Greifvogel in Mitteleuropa. Die Jäger erreichen eine Flügelspannweite von bis zu 1,3 Meter und wiegen bis zu einem Kilogramm. Die Farbe des Gefieders reicht von weiß bis dunkelbraun. Sie ernähren sich vor allem von Mäusen und Maulwürfen, aber auch Kaninchen und Amphibien stehen auf ihrem Speisezettel. Gerne lauern die Vögel auch an stark befahrenen Straßen auf Aas.

In ganz Europa brüten rund eine Million Mäusebussardpaare, rund 100 000 davon in Deutschland. Je nach Nahrungsangebot können die Bestände stark schwanken. Lange Zeit wurden die Tiere auch stark vom Menschen gejagt. In Deutschland bleiben die Greifvögel auch im Winter, während skandinavische und russische Bussarde als Zugvögel bis nach Südafrika ziehen.

Bussardpaare bleiben meist ein Leben lang zusammen. Der für das Nest auserkorene Horstbaum wird konsequent gegen Konkurrenz verteidigt. Seine Eier legt das Weibchen Anfang bis Mitte April, dann wird über einen Monat ausgebrütet. Danach kümmern sich die Eltern gut sechs Wochen lang fürsorglich um ihren Nachwuchs im Nest. Auch wenn die Kleinen schon fliegen können, werden sie von Mama und Papa versorgt und angelernt.

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