Nein, es ist nicht so, dass der Münchner Tommy Krappweis eine schlechte Kindheit gehabt hätte, so kann man das nicht sagen. Es ist wohl einfach so, dass er Pech hatte und in eine Familie hineingeboren wurde, die nicht zusammenpasste – rein urlaubstechnisch.
Für den Sohn aber ist der einzig wahre Standort für die Hippieschüssel die Garage daheim, der einzig akzeptable Platz für einen Urlaub die Wohnzimmercouch und die beste Freizeitausrüstung ein Stapel Pumuckl-Kassetten.
Tommy Krappweis hat’s gesehen. Und ganz klar erkannt: Das war nicht seine Welt. Er hätte, wie er meint, eigentlich einen Therapeuten aufsuchen müssen, um sein Kindheits-Urlaubstrauma aufzuarbeiten. Stattdessen hat er es sich von der Seele geschrieben. Und weil der Mann nicht nur Schriftsteller und Autor ist, sondern auch Komiker von Beruf und Erfinder von „Bernd das Brot“, ist das von der Seele geschriebene Campinghasserbuch größtenteils ziemlich komisch.
An manchen Passagen bleibt einem das Lachen dann allerdings im Hals stecken, weil man merkt, hier ist einfach Schluss mit lustig, hier fühlt sich ein kleiner Junge einfach völlig unverstanden und leidet.
Ende gut, alles gut? Wo und wie Tommy Krappweis heute Urlaub macht, erzählte er im Interview (s.u.).
Christine Hinkofer
BUCH & AUTOR
„Eine rustikale Almhütte ohne Strom finde ich entspannend“
Herr Krappweis, haben Sie denn Ihren Urlaub in diesem Jahr schon geplant oder gebucht?
Wenn wir es dieses Jahr hoffentlich schaffen, dann fahren wir ans Meer in ein schönes Hotel. Meine Frau, meine Tochter Finja (3) und ich.
Hat Ihre Tochter ein Mitspracherecht im Urlaub?
Sie hat das große Glück, dass sie beides hat. Meine Frau tendiert in der Richtung meines Vaters, sie will raus, und meine Tochter ist ganz begeistert dabei. Aber sie ist auch begeistert, wenn sie mit mir stundenlang Lego spielen kann. Finja fährt auch zusammen mit meinem Vater und meiner Frau für eine Woche zum Campen. Da muss ich aber dann nicht mit.
Mal ehrlich, war denn wirklich alles schlecht bei den Campingurlauben?
Es gibt Momente, die ich okay fand. Es war immer dann okay, wenn es nicht so war wie sonst. Wenn wir zum Beispiel mal an einem Strand waren, wo es Sand gab und wenn wir nicht die ganze Zeit mit diesem Boot rumgetuckert sind, sondern wenn Ruhe einkehrte und ich in meiner Hängematte liegen und Bücher lesen konnte. Das war dann Urlaub für mich.
Ist der Sinn dieses Buches Traumabewältigung?
Ja, da war ich 12. Mit 16 hat meine Mutter mich und den Thorsten nochmal zum Campingurlaub verpflanzt. Du und dein Kumpel von deiner Schulband, ihr Grottenolme, ihr müsst jetzt raus. Das war sehr bizarr.
Ist eine Rückkehr auf den Campingplatz heute ausgeschlossen?
Mich nervt schon der Gedanke! Es muss ein Vier-Sterne-Hotel sein? Mindestens. Um Urlaub zu machen, mit meiner Familie ja. Da soll alles entspannend sein. Schön halt.
Haben Sie ein Lieblings-Reiseland?
Land kann man nicht sagen, aber eine ganz rustikale stromlose Almhütte, wo man sich selber das Feuer macht, das find ich ganz entspannend. Aber das ist Ihr Vater auf einer anderen Ebene. Richtig, aber es ist kein Campingbus. Ich muss kein Zelt dafür aufbauen. Es sind keine Plastikdinge, die man klappen kann, sondern es hat Flair. Eine Almhütte atmet irgendwie Zeitgeschichte, man kriegt ein Gefühl, wie es ist, in der Natur zu leben. Holz hacken, reingehen, warm machen – großartig! Was ich mittlerweile auch toll finde: Städtereisen, Sachen angucken.
Wenn Sie reisen, wie reisen Sie?
Mit dem Zug oder dem Flugzeug. Wir haben auch ein sehr bequemes Auto.
Waren Sie denn jemals wieder mit Ihrem Vater im Urlaub?
Ich hab wo gedreht, mein Vater kam für ein paar Tage, aber ich war nie wieder mit ihm in Urlaub.
Ist das auch künftig kein Thema?
Nein, wir haben jetzt eine Lesereise zusammen, das finde ich sehr lustig, aber da sind wir dann auch in Hotels. Wenn er mir einmal versucht vorzuschlagen, dass wir im Campingbus hinfahren, schreie ich ganz laut.
Was gehört unbedingt in Ihr Reisegepäck?
Früher mussten das ja die Pumuckl-Kassetten sein... In meinem Koffer ist ein kleiner, sehr praktischer Luftbefeuchter, wegen meiner chronischen Bronchitis. Dann: sehr viele Stromanschlüsse für iPhones, Boxen, um Musik zu hören, die kleine Reisegitarre, Bücher, Zeitschriften und die Kamera und dazu dann auch ein Stativ.
Wie nähern Sie sich einem Land?
Entweder gar nicht oder weil ich da arbeite. Ich würde nie im Leben als Tourist durch Indien reisen und arme Leute besichtigen. Ich habe gar kein Interesse an anderen Kulturen, außer ich habe beruflich damit zu tun. Wigald (Anm. d. Red.: Boning) ist in Thailand ein Star. Da bin ich dann mitten drin und wir machen da was. Das ist okay.
Sie fahren also nicht an die Adria, setzen sich ins Hotel und freuen sich, dass ein Pool davor ist?
Ja, das mach ich schon oder an die Loire, Schlösser anschauen, das schon. Da interessiert mich, wer da mal gewohnt hat, und was es darüber für Sagen und Mythen gibt.
Ein Ranking der schrecklichsten Urlaubsorte?
Das gibt es nicht. Egal wo sie sind auf dieser Erde: alle Heißundscheißeländer.
Interview: Katrin Basaran


© privatTommy im Sand
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