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Bargeld im Luftfilter: Zoll geht in Lindau auf Schmugglerjagd

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    • 15.06.12
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Grenzenlose Fantasie

Bargeld im Luftfilter: Zoll auf Schmugglerjagd

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Als Brotzeit getarnt oder im Motorraum versteckt: Geht es darum, Geld über die Grenze zu schmuggeln, scheint die Fantasie grenzenlos. Doch die Zollbeamten in Lindau kennen viele Tricks. 

© dpa

Bargeld-Tourismus in Lindau.

Um Steuersündern auf die Schliche zu kommen, führt der Zoll rund um Lindau täglich Kontrollen durch - und stellt hohe Beträge sicher.

Als Walter Mesmer den grauen Mercedes ankommen sieht, hebt er die Kelle. „Halt - Zoll“ steht darauf. Mesmer weist den älteren Herrn am Steuer an, in die Haltebucht am rechten Straßenrand zu fahren, wo zwei Beamte in leuchtenden Warnwesten ihn in Empfang nehmen.

„Ein Klassikerauto“, sagt Mesmer kurz und fügt dann hinzu: „Es reicht aber nicht aus, nur nach der Autoklasse zu gehen.“ Schon hat er seinen Blick wieder auf die viel befahrene Straße am Ortseingang von Lindau gerichtet. Hier, nur wenige hundert Meter von der Grenze nach Österreich entfernt, führen die Lindauer Zollbeamten regelmäßig Kontrollen durch. Sie interessieren sich vor allem für Bargeld und Wertpapiere. 2011 stellten sie auf diese Weise drei Millionen Euro Bargeld sicher, die nicht angemeldet waren.

© dpaUm Missverständnisse zu vermeiden, wird den Reisenden das Anliegen der Zollbeamten immer schriftlich vorgelegt. Die Karte gibt es in 40 verschiedenen Sprachen.

Der ältere Herr und seine Beifahrerin sind inzwischen ausgestiegen. Freundlich fragen die Beamten, wo sie herkommen. „Wir haben einen Tagesausflug in die Schweiz gemacht“, antwortet der Fahrer mit gereizter Stimme. Dann bekommt das Paar aus Oberbayern eine kleine eingeschweißte Karte gezeigt, auf der die Aufforderung steht, mitgeführtes Bargeld ab 10.000 Euro anzugeben. Der Mann winkt sofort ab: „Ich habe nur ungefähr 300 Euro dabei.“ Er verneint auch die Frage nach Unterlagen über Auslandsvermögen und mitgebrachten Waren wie etwa Edelsteine oder Edelmetalle. Die Beamten überprüfen die Angaben und durchsuchen die Geldbörse des Mannes, die Handtasche der Frau, das Handschuhfach, den Kofferraum und die Klappe am Tankdeckel. Schließlich lassen sie das Paar seine Fahrt fortsetzen.

Bargeld-Tourismus

Rund um die bayerische Bodenseestadt werden Reisende täglich von Beamten der Lindauer Kontrolleinheit auf unangemeldetes Bargeld überprüft. Die Kontrollstellen wechseln: Mal sind die Zöllner auf der Landstraße oder Autobahn, mal im Zug oder auf der Fähre unterwegs. Das Ziel ihrer Arbeit ist, Geldwäsche zu bekämpfen und Steuersündern auf die Schliche zu kommen, die ihr Geld etwa aus der Schweiz oder Liechtenstein über die Grenze holen, sagt Hagen Kohlmann, Sprecher des Hauptzollamtes in Ulm. „Wir wollen niemanden aufhalten, sein Geld rüberzubringen. Wir wollen es nur wissen.“

Um Missverständnisse zu vermeiden, wird den Reisenden das Anliegen der Zollbeamten immer schriftlich vorgelegt. Die kleine Fragekarte gibt es in 40 verschiedenen Sprachen, sagt Kohlmann. „So kann sich niemand rausreden, dass er die Fragen nicht verstanden hat oder der Beamte genuschelt hat.“

© dpaUm Steuersündern auf die Schliche zu kommen, führt der Zoll rund um Lindau täglich Kontrollen durch.

Wer mit unangemeldeten 10.000 Euro und mehr erwischt wird, muss ein Bußgeld zahlen. In der Regel sind 20 Prozent der Summe fällig, sagt Kohlmann. Zudem würden die zuständigen Finanzbehörden informiert. Die interessierten sich auch für Auslandsvermögen, auf das der Zoll bei seinen Kontrollen zum Beispiel durch Kontoauszüge aufmerksam wird. Allein im Jahr 2010 spürten die Beamten rund um Lindau ein Auslandsvermögen von 1,85 Milliarden Euro auf.

Die Einfuhr von Barmitteln nach Deutschland hat nach Angaben des Zoll-Sprechers in den vergangenen Jahren zugenommen. „Wir stellen einen regelrechten Bargeld-Tourismus fest.“ Als Gründe dafür nennt Kohlmann etwa die angekauften Steuer-CDs aus der Schweiz sowie das geplante Steuerabkommen, das eine pauschale Nachbesteuerung von Schwarzgeld deutscher Bürger in der Schweiz vorsieht.

Bei der Fahrzeugkontrolle am Ortseingang von Lindau zeigt sich schnell ein Muster, nach dem die Grenzgänger rausgewinkt werden. Viele ältere Ehepaare mit Autos der gehobenen Mittelklasse sind darunter. Familien im Minivan oder Fahrzeuge mit Kennzeichen aus der Region dürfen in der Regel weiterfahren. „Wir rastern nicht, sondern schauen, wer infrage kommen würde. Hier spielt die Erfahrung eine große Rolle“, sagt Kohlmann. Es gebe drei Gruppen, die an der Kontrollstelle in Lindau vorbeikommen: Einheimische, Urlauber und die anderen. „Wir suchen die anderen.“

© dpaDie Kontrolleinheiten wechseln jeden Tag ihren Standort.

Um den Zoll zu umgehen, würden sich Schmuggler verschiedene Verstecke einfallen lassen. „Zum Teil sitzen die Leute buchstäblich auf ihrem Geld. Wir haben es aber auch schon im Luftfilter oder Motorraum gefunden.“ Die meisten hätten die Scheine am Körper. So etwa der Mann, der sich 500.000 Euro in flachen Taschen umgebunden hatte. Ein anderer hatte 50.000 Euro als Brotzeit getarnt und in Alufolie gepackt. Da in Zweifelsfällen auch Leibesvisitationen zu den Kontrollen gehören oder Bargeld-Spürhunde eingesetzt werden, würden jedoch auch noch so ausgefallene Verstecke entdeckt.

Nach zwei bis drei Stunden wechseln die Zöllner den Ort. „Länger bringt nichts, irgendwann spricht es sich rum“, sagt Mesmer, als er den nächsten Wagen in die Haltebucht winkt. Wieder steigt ein älteres Paar aus. Im Kofferraum liegt eine Tageszeitung aus St. Gallen. Als die Eheleute aus Baden-Württemberg nach Bargeld befragt werden, zücken beide Briefumschläge mit jeweils 9.500 Euro. „Wir wollten schöne Uhren kaufen, haben aber keine gefunden“, sagt die Frau und lächelt die Beamten an. Die Zöllner tauschen vielsagende Blicke, lassen das Paar aber kurze Zeit später weiterfahren. Ohne weitere Indizien können sie nichts machen. Kohlmann schaut ihnen hinterher. „Das war eine klassische Beschaffungsfahrt. Aber die beiden haben sich offensichtlich im Vorfeld gut informiert.“

Birgit Klimke, dpa

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