Um Steuersündern auf die Schliche zu kommen, führt der Zoll rund um Lindau täglich Kontrollen durch - und stellt hohe Beträge sicher.
Als Walter Mesmer den grauen Mercedes ankommen sieht, hebt er die Kelle. „Halt - Zoll“ steht darauf. Mesmer weist den älteren Herrn am Steuer an, in die Haltebucht am rechten Straßenrand zu fahren, wo zwei Beamte in leuchtenden Warnwesten ihn in Empfang nehmen.
„Ein Klassikerauto“, sagt Mesmer kurz und fügt dann hinzu: „Es reicht aber nicht aus, nur nach der Autoklasse zu gehen.“ Schon hat er seinen Blick wieder auf die viel befahrene Straße am Ortseingang von Lindau gerichtet. Hier, nur wenige hundert Meter von der Grenze nach Österreich entfernt, führen die Lindauer Zollbeamten regelmäßig Kontrollen durch. Sie interessieren sich vor allem für Bargeld und Wertpapiere. 2011 stellten sie auf diese Weise drei Millionen Euro Bargeld sicher, die nicht angemeldet waren.
Bargeld-Tourismus
Um Missverständnisse zu vermeiden, wird den Reisenden das Anliegen der Zollbeamten immer schriftlich vorgelegt. Die kleine Fragekarte gibt es in 40 verschiedenen Sprachen, sagt Kohlmann. „So kann sich niemand rausreden, dass er die Fragen nicht verstanden hat oder der Beamte genuschelt hat.“
Die Einfuhr von Barmitteln nach Deutschland hat nach Angaben des Zoll-Sprechers in den vergangenen Jahren zugenommen. „Wir stellen einen regelrechten Bargeld-Tourismus fest.“ Als Gründe dafür nennt Kohlmann etwa die angekauften Steuer-CDs aus der Schweiz sowie das geplante Steuerabkommen, das eine pauschale Nachbesteuerung von Schwarzgeld deutscher Bürger in der Schweiz vorsieht.
Bei der Fahrzeugkontrolle am Ortseingang von Lindau zeigt sich schnell ein Muster, nach dem die Grenzgänger rausgewinkt werden. Viele ältere Ehepaare mit Autos der gehobenen Mittelklasse sind darunter. Familien im Minivan oder Fahrzeuge mit Kennzeichen aus der Region dürfen in der Regel weiterfahren. „Wir rastern nicht, sondern schauen, wer infrage kommen würde. Hier spielt die Erfahrung eine große Rolle“, sagt Kohlmann. Es gebe drei Gruppen, die an der Kontrollstelle in Lindau vorbeikommen: Einheimische, Urlauber und die anderen. „Wir suchen die anderen.“
Nach zwei bis drei Stunden wechseln die Zöllner den Ort. „Länger bringt nichts, irgendwann spricht es sich rum“, sagt Mesmer, als er den nächsten Wagen in die Haltebucht winkt. Wieder steigt ein älteres Paar aus. Im Kofferraum liegt eine Tageszeitung aus St. Gallen. Als die Eheleute aus Baden-Württemberg nach Bargeld befragt werden, zücken beide Briefumschläge mit jeweils 9.500 Euro. „Wir wollten schöne Uhren kaufen, haben aber keine gefunden“, sagt die Frau und lächelt die Beamten an. Die Zöllner tauschen vielsagende Blicke, lassen das Paar aber kurze Zeit später weiterfahren. Ohne weitere Indizien können sie nichts machen. Kohlmann schaut ihnen hinterher. „Das war eine klassische Beschaffungsfahrt. Aber die beiden haben sich offensichtlich im Vorfeld gut informiert.“
Birgit Klimke, dpa


© dpaUm Missverständnisse zu vermeiden, wird den Reisenden das Anliegen der Zollbeamten immer schriftlich vorgelegt. Die Karte gibt es in 40 verschiedenen Sprachen.
© dpaUm Steuersündern auf die Schliche zu kommen, führt der Zoll rund um Lindau täglich Kontrollen durch.
© dpaDie Kontrolleinheiten wechseln jeden Tag ihren Standort.











