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Krankenkassen: Zertifikate-Handel gegen überflüssige Operationen

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    • 31.07.12
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Krankenkassen Konzept gegen überflüssige OP's

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Berlin - Die Zahl Operationen steigt seit Jahren. Jetzt haben Krankenkassen einen Plan um Klinken bei überflüssigen OP's einzubremsen. Natürlich auch zum Wohle der Patienten.

Krankenhäuser zielen nach Einschätzung der Krankenkassen bei Operationen oft stärker auf den Umsatz ab als auf das Patientenwohl. Deshalb denken die Kassen darüber nach, wie man die Zahl der Eingriffe reduzieren könnte: Nach Ansicht von AOK und dem Spitzenverband der Krankenkassen ließe sich dies zum Beispiel mit Hilfe eines Zertifikate-Systems wie beim Emissionshandel erreichen.

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Für planbare Leistungen wie Hüft-OPs solle man dies „zumindest ernsthaft prüfen“, sagte der Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, dem „Handelsblatt“ (Montag). Eine Sprecherin des Kassen-Spitzenverbandes sagte dazu, man prüfe die Idee noch. Hintergrund ist der starke Anstieg von Krankenhausoperationen.

Der Emissionsrechtehandel zielt darauf ab, den Ausstoß schädlicher Treibhausgase zu reduzieren. Firmen erhalten eine begrenzte Anzahl von Zertifikaten, die je zum Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid berechtigen. Kommen sie damit nicht aus, müssen sie Zertifikate von anderen Anbietern zukaufen. Kliniken könnten verpflichtet werden, für Mehrleistungen Zertifikate von anderen Kliniken zu kaufen, die ihre Leistungsmenge nicht ausschöpfen.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums bewertete den Vorschlag nicht. Sie verwies lediglich auf eine Aufforderung an Krankenkassen und Selbstverwaltungen im Gesundheitssystem, bis Mitte kommenden Jahres den Ursachen der steigenden Zahl von Operationen auf den Grund zu gehen und Vorschläge für eine Änderung zu machen.

Nach einer jüngst veröffentlichten Studie im Auftrag des Kassen-Spitzenverbandes nahm die Zahl der - medizinisch nicht immer unbedingt notwendigen - Operationen zwischen 2006 und 2010 um 13 Prozent zu. Dem Zeitungsbericht zufolge stieg die Zahl der Knie-OPs seit 2003 um 51 und die der Hüft-OPs um 18 Prozent. Die Kassen gehen davon aus, dass Patienten oft aus ökonomischen statt medizinischen Gründen unters Messer kommen.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, wies dies als „völligen Quatsch“ zurück. „Kliniken sind keine Industrieunternehmen. Wir behandeln nach medizinischer Notwendigkeit und in ärztlicher Verantwortung“, sagte er auf dpa-Anfrage. Hinter dem Vorschlag stecke die Absicht der Kassen, „die medizinischen Leistungen der Krankenhäuser zu rationieren“.

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn plädierte für eine gesetzliche Regelung. Es könne nicht sein, dass Ärzte umso mehr Geld erhielten, je häufiger sie operierten. Dies setze falsche Anreize. Daher sollte die „Politik tatsächlich darüber nachdenken, solche Vergütungssysteme zu regulieren oder gar ganz zu verbieten“, sagte Spahn im ARD-„Morgenmagazin“. Selbst der Ärztetag habe sich gegen das derzeitige Vergütungssystem ausgesprochen.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd

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