Nockherberg á la Bad Feilnbach

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Bad Feilnbach - Wer denkt, der Nockherberg samt obligatorischen Derblecken ist der Inbegriff für Politik-Kabarett, kennt wohl den Theaterfasching in Bad Feilnbach noch nicht:

Der Nockherberg samt seinem obligatorischen Derblecken ist der eigentliche Inbegriff für Politik-Kabarett. Das liegt aber nur daran, weil viele den Theaterfasching in Bad Feilnbach nicht kennen. Das dort karikierte Gemeindeleben in all seinen Facetten - von Kreiselbau und Bürgermeisterwahl über Schwarzbauten und Einkaufsmeile bis hin zu Hochzeiten auf der Tregleralm - war gespickt mit verbalen Seitenhieben auf Feilnbacher Persönlichkeiten und ein Angriff auf die Lachmuskeln.

Theaterfasching in Bad Feilnbach

Ihre ganz spezielle Nachrichtenausgabe "Bad Feilnbach news and moor" hatten die Theaterer des Edelweißvereins in den vergangenen Wochen zusammengestellt. Neben Kurzmeldungen - dem Litzldorfer Holz-Zeitungskasten wurde unter anderem zum 30. Geburtstag gratuliert - kam auch die Dorferneuerung in Dettendorf nicht zu kurz: "23 Jahre nach dem Mauerfall in Berlin wird in Dettendorf rund um den Friedhof eine neue Mauer errichtet", kündigte Nachrichtensprecher Lenz Leber alias Martin Gasteiger an. "Auf Stacheldraht und Schussanlagen wird aber verzichtet - man sieht keine Fluchtgefahr." Bei der Einweihung werde Gemeindegeschäftsführer Josef Mayr analog zu John F. Kennedy damals in Berlin die staatstragenden Worte "Ick bin ein Dettendorfer" sprechen.

Charmant und mit trockenem Humor präsentierten Leber und seine Kollegin Chantal Schluck (Franziska Kolb) das Weltgeschehen rund um Bad Feilnbach. Um jegliche "Einseitigkeit" im Keim zu ersticken, wurden die Fernsehbeiträge durch Live-Schaltungen, eine Tanzeinlage von Jugendlichen und Werbeblöcke garniert. Bei Letzteren zeigte sich zugleich, dass für den Theaternachwuchs gesorgt ist. Die spielerische Freude der jungen Theaterspieler (Michaela Vogt, Benedikt Weidlich, Lena Weidlich, Ramona Wingen, Kilian und Vreni Huber, Marinus Kubik, Anian Stadler, Steffi Dostthaler, Sebastian Obermaier und Marinus Gsinn) war dabei unverkennbar.

So präsentierte der Gewerbeverband Bad Feilnbach die "Einkaufsmeile Kufsteiner Straße" unter dem Motto "Fahr nicht weg, kauf ums Eck": "Sie gehen in ein Geschäft, denken sich, da war ich doch schon einmal und finden den Kassettenrekorder, den sie als Kind schon immer haben wollten, aber nie bekommen haben."

Neben Haarspray-Reklame, geeignet für Büro und Stall, wurde auch für die alternative Bestattungsform auf der Sonnbichlwiese im Lippertskirchener Friedhofsareal geworben. Motto hierbei: "Fahr nicht weg, stirb ums Eck - Bei uns liegen Sie richtig". Kunden suchte auch die Schwarzbau GmbH, die sich um den "reibungslosen ungenehmigten Ablauf" kümmert.

Die zur Zeit heftig diskutierten Schwarzbauten im Gemeindegebiet nahmen überdies die vier "Scheinheiligen" alias Barbara Kolb, Lisi Schmidt, Irmgard Kolb und Barbara Müllauer aufs Korn. Punktuiert sangen sie von den Missständen in Altofing, Bichl und Eulenthal. Überhaupt faszinierten die Scheinheiligen mit ihren Darbietungen. So erklärten sie musikalisch den Apfelmarkt zum Abfüllmarkt und betonten, dass Bürgermeister Hans Hofer doch nichts dafür könne, dass er so schön sei. Zur Melodie der deutschen Nationalhymne besangen sie zudem die "Verdienste" von SPD-Gemeinderätin Karin Freiheit für den Kreiselbau an der Kreuzstraße. Die von ihr initiierte Demonstration sei bereits nach der Genehmigung und dem Einsatz der CSU erfolgt. Die Scheinheiligen schlugen deshalb - unter dem schallenden Gelächter des Publikums (darunter zahlreiche Gemeinderäte, Bürgermeister Hans Hofer und SPD-Landtagsabgeordnete Maria Noichl) für die Mitte des Kreisverkehrs eine Karin-Freiheitsstatue mit entsprechendem Konterfei vor.

Johlendes Gelächter erntete die Kletterszene im Boulder-Park mit Bürgermeister am Sicherungsseil und seinem Stellvertreter Vitus Gasteiger (täuschend echt: Wast Gasteiger) als Schemel. Kommentiert wurde die Aktion der Rathaushäupter von Karin Freiheit (Lisa Millauer). Letztere leitete das Casting für einen Kandidaten der SPD. Doch mit den Bewerbern, einem Ostdeutschen in Lederhose, einem Transvestiten und Domina Madame Alberta, konnten sich die Kollegen Martina Gernstl (Sabrina Wingen) und Walter Dinzenhofer (Hans Mayer) nicht anfreunden.

Per Live-Schaltung ging es zu Reporterin Elisabeth Prem alias Katrin Dostthaler und den Litzldorfer Böllerschützen. Diese präsentierten ihre neue "vielseitige" CD mit ihren Böllerschüssen unter dem Kommando von Hannes Kirchberger (Martin Stadler).

Sabrina Kubik und Alois Dostthaler luden schließlich zu ihrer Hochzeit auf die Tregleralm ein. Nachdem ein Antrag auf standesamtliche Trauungen im Gemeinderat mehrfach abgelehnt worden war, hatten sich die Edelweißer auf eine Probehochzeit geeinigt. Diese scheiterte am schweißtreibenden Aufstieg mit von Kühen gefressenem Brautstrauß, Kuhfladen an den Schuhen, Erbsensuppe und Milzwurst als Menü und fehlenden Gästen aufgrund der strapaziösen Anreise.

In einem Selbstversuch in Sachen Bürgerkur übten sich sodann CSU-Ortsvorsitzender Sebastian Obermaier alias Robert Gsinn und CSU-Gemeinderat Martin Huber (Alois Huber in Lederhosen-Badehose und mit Quietsche-Ente) bei einem gemeinsamen Moorbad. Ihr Credo: "Man muss schließlich dem Bürger ein Vorbild sein." Bei einer Wahlnachbetrachtung fragte sich Bürgermeister Hans Hofer (herausragend: Martin Kolb), ob er wirklich in den vergangenen sechs Jahren die Amtsgeschäfte so gut geführt habe, dass es keinen Gegenkandidaten gab. Die Unterstützung der CSU kam ihm dabei spanisch vor - "ich hätte mich mit und ohne deren Hilfe wieder aufstellen lassen."

Zusammen mit Kurdirektor Florian Hoffrohne, geistreich mit schwäbischem Dialekteinschlag von Konrad Kriechbaumer dargestellt, stellte Hofer den Zuschauern das Leitbild "Wir sind Apfel" vor. "Nicht nur im Flori und mir, sondern in allen Feilnbeckern steckt ein Apfel", so Hofer. Hoffrohne ergänzte anhand des Bürgermeister-Beispiels: "Am Kopf weiß wie die Apfelblüte, rote Backerl, ein guter Kern, noch ganz saftiges Fruchtfleisch und der Stengel....". Es blieb abschließend für die beiden nur die Frage übrig: "Alles Apfel oder was?"

Des Kurdirektors Sorgenkinder "Kuri" (Peter Michalke) und "Touri" (Alois Dostthaler), welche Hoffrohne bei Amtsantritt 2010 adoptiert hatte, baute dieser wieder auf und kreierte mit ihnen einen Rap-Song, um mehr Jugendliche für Bad Feilnbach zu begeistern.

Im Rahmen einer Umfrage des Kurdirektors sollte dann per Klatschometer der Identifikationsgrad der Bürger mit ihrer Heimat geprüft werden. Die lautetsten Klatscher wurden mit einer CD der Litzldorfer Böllerschützen und einer Feilnbacher Apfeltasche prämiert. Die nächsten Gewinner werden am kommenden Wochenende (ab 19 Uhr im Heimgartensaal) ermittelt. Pfarrer Ernst Kögler (authentisch dargestellt von Harry Weidlich) fehlte mit seinen "Gedanken zum Tag" ebenfalls nicht. So verlegte er kurzerhand - nachdem die Litzldorfer den Nikolaustag an Kathrein im November feierten - Ostern in den Mai, die Maiandachten in den Juni, Pfingsten in den Oktober und Fronleichnam in den November. Wann Weihnachten gefeiert werden soll, war ihm noch nicht klar. Eines wusste er aber: "Ich bin euer Pfarrer und da bin ich dahoam."

Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

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