Berchtesgaden - Prittwitz singt zeit seines Lebens. Seit einem Jahr ist er Mitglied der A Capella-Truppe „Mundwerk“, in der Rolle des Tenors. Ein Interview:

© Mundwerk
Mundwerk (v. l.): Jens Ickert, Birgit Pfirstinger, Oliver Zunker, Susanne Mörtl und Sebastian Prittwitz.
Derzeit befinden sich die fünf Vollblut-Musiker mit ihrer aktuellen CD auf Tour. Der Grundstein für Prittwitz‘ jetziges Tun wurde während seiner Schullaufbahn gelegt: Im Männerquartett der Christophorusschule Berchtesgaden.
Du bist in Berchtesgaden zur Schule gegangen. Nach dem Abitur hat es Dich in die Ferne getrieben. Was hast Du die letzten Jahre gemacht?
Sebastian Prittwitz: Ich war zunächst zwei Jahre in München. Dort habe ich meinen Zivildienst absolviert und gearbeitet. Ab 2005 habe ich an der Fachhochschule Salzburg Multi Media Art mit Schwerpunkt Film studiert. Seit dem Studium arbeite ich als Freiberufler in den unterschiedlichsten Aufträgen. Ich verbringe mein Jahr mit überwiegend spannenden Jobs: etwa war ich Regisseur bei Werbefilmen, Cutter von Spielfilmen, habe Medienworkshops geleitet, Sprach- und Musikaufnahmen gemacht und Konzerte gegeben. Einen immer größeren Teil meiner Zeit verbringe ich mittlerweile als Sprecher für Werbe- und Industriefilme, das heißt, ich bin die Stimme, die man hört, wenn man sich einen Film ansieht, die einem sagt: „Kauf dies, kauf das“. Denn auch die Sprechstimme hat viel mit musikalischer und rhythmischer Verbindung zu tun.
Dein Lebenslauf verrät: Schon immer hast Du viel mit Musik zu tun gehabt…
Prittwitz: Ich komme aus einer relativ musischen Familie. Meine Großmutter war Klavierlehrerin und hatte Gesang studiert, mein Onkel ist Saxofonist und Musikproduzent in Spanien, mein Vater ein begnadeter Klavierspieler. Auch meine Mutter ist sehr musikalisch. Ich habe sechs Jahre Klavierunterricht genossen, später wechselte ich ins Schlagwerk. Autodidaktisch spiele ich ab und an auch Gitarre. Der Gesang hat mich immer fasziniert. Besucher des ehemaligen „Heidis Abendcafé“ wissen sicher, was ich meine. Einige Berchtesgadener dürften sich auch an das Männerquartett der Christophorusschule unter der Leitung von Ralf Stiller erinnern. Das war der Einstiegspunkt ins A Cappella-Singen für mich. Leider brach diese Bindung nach dem Abitur 2003 auseinander. Erst 2010 fand ich endlich wieder zu einer Gruppe: Mundwerk aus München.
Jetzt bist Du Mitglied bei „Mundwerk“. Wie der Name verrät: Ganz ohne Instrumente. Was macht Ihr dort genau?
Prittwitz: Wir singen. Fünf Personen, drei Männer-, zwei Frauenstimmen. Ein buntes Programm aus Eigenkompositionen mit deutschen, meist sehr witzigen Texten und anspruchsvollen Coverversionen in reinen Vokalarrangements in den Sprachen Italienisch, Englisch, Französisch und sogar Bairisch. Wir singen also A Cappella - ohne Instrumente.
Du übernimmst die Aufgabe des Tenors. Wie kann man sich das als Laie vorstellen?
Der Tenor liegt also genau in der Mitte, was nicht immer, aber oft, zur Folge hat, dass ich die Melodiestimme beziehungsweise die Hauptstimme singe, weil sie von der Tonlage in einem recht angenehmen Frequenzbereich liegt. Nahezu alle Männerstimmen im Radio heutzutage sind eigentlich Tenorlagen.
Mundwerk gibt es schon relativ lang. Du bist das jüngste Mitglied. Wie hast Du es geschafft, zu so einer erfahrenen Truppe dazuzustoßen?
Prittwitz: Mundwerk feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Am 10. November haben wir ein großes Konzert in der Münchner Freiheizhalle mit befreundeten A Cappella-Gruppen. Ich habe mich auf ein Internetgesuch von Mundwerk beworben und dank meiner Erfahrung, die ich bei Ralf Stiller in der Christophorusschule sammeln durfte, wurde ich dann dort genommen.
Im vergangenen Jahr habt Ihr gemeinsam die CD „Gar nicht so schwer“ veröffentlicht. Ein Werk, das vor allem eines zeigt: Die Sprache ist Euer Spielzeug. Was erwartet den Hörer?
Prittwitz: Den Hörer und die Hörerin erwartet ein breites, abwechslungsreiches, aber auch humorvolles Repertoire. Wir haben sehr bewusst bei der Auswahl und Anordnung der Titel darauf geachtet, ein ausgewogenes Ergebnis zu produzieren, das gerade als CD Hörgenuss mit Sprachwitz bietet. A Cappella-Musik berührt ja eigentlich eher, wenn sie live gespielt wird. Der Klang, der über die Luft nur durch menschliche Stimmen in das Ohr der ZuhörerInnen dringt, berührt die Seele im Innersten.
Ihr seid viel live unterwegs. Auch dort überzeugt Ihr nur mit Bühnenpräsenz und Stimme. Was ist das Erfolgsrezept?
Prittwitz: Einmal sind wir einfach unglaublich attraktiv (lacht). Im Ernst: Wer unsere Damen auf der Bühne nicht nur gehört hat, der weiß wovon ich spreche. Ich denke, die Menschen kommen gerne zu den Konzerten, weil wir recht natürlich und auf dem Boden geblieben Alltagsprobleme humorvoll verpacken und aufbereiten und das Ganze gesanglich einfach ungewöhnlich darbieten.
Außerdem gibt es einige Schmankerl in der Show. Einige Titel muss man einfach erwähnen. Wir singen etwa den bekannten und fast schon als langweilig verpönten Kanon „Frère Jacques“ zu fünft siebenstimmig - und das ist dann auf einmal höchst spannend. Ein weiteres Lied ist erwähnenswert. Und zwar unsere bayerische Ballade „I g`hör da hie“, das Birgit singt. Ich glaube, gerade im Berchtesgadener Land dürfte dieses Lied sehr gut ankommen. Eine gefühlvolle, unprätentiöse Liebeserklärung an Bayern mit absolutem Gänsehautfaktor, die textlich nicht besser zum Watzmann und dem Königssee passen könnte.
Wann wirst Du mit „Mundwerk“ in Deine alte Heimat kommen?
Prittwitz: Wir planen ein Konzert, leider waren alle Termine für dieses Jahr schon voll. Ziemlich sicher ist allerdings der 16. März 2013 im Kurhaus. Also in einem Jahr. Ich freu mich riesig, dieses Konzert dann zu singen und offentlich viele Gesichter wieder zu sehen.
kp
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