FDP diskutierte mit BRK-Kreisgeschäftsführer Tobias Kurz über Aussetzung des Zivildienstes

FDP fordert Zusammenlegung von Freiwilligem Sozialen Jahr und Bundesfreiwilligendienst

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Mit BRK-Kreisgeschäftsführer Tobias Kurz (2. v.l.) diskutierten unter anderen (v.l.): Stellv. Kreisvorsitzender Jens Schosnowski, stellv. Ortsvorsitzende Ingrid Porbeck, Kreisvorsitzender Alexander Reich, Stadtrat Gerhard Schröter

Bad Reichenhall - In der vergangenen Woche diskutierte die FDP Berchtesgadener Land in ihrer monatlichen Gesprächsrunde über die Auswirkungen der Aussetzung des Wehrdienstes auf Wohlfahrtsorganisationen. Diese Institutionen, wie z.B. Rotes Kreuz oder Caritas, sind von der vor fünf Jahren beschlossenen Aussetzung des Wehrdienstes betroffen, da durch die Entscheidung des Bundestages auch der Zivildienst ausgesetzt wurde.

Als Experten und Referenten begrüßten die Freien Demokraten dabei Tobias Kurz, den Geschäftsführer des Roten Kreuzes Berchtesgadener Land. Nach einer kurzen Vorstellung seiner Person erläuterte Tobias Kurz den Aufbau des neu geschaffenen Bundesfreiwilligendienstes (BuFDi), dessen Unterschied zum Zivildienst sowie die Entwicklung der Zahlen der Dienstleistenden. Demnach habe es im Roten Kreuz in Bayern im Jahr 2009 noch rund 1.700 Zivildiener und ca. 500 Personen gegeben, die das sog. „Freiwillige Soziale Jahr“ (FSJ) absolvierten. Aktuell müsse man mit 700 FSJ-lern und rund 700 Mitarbeiter n aus dem BuFDi zurecht kommen. Aus dieser Statistik entwickelte sich die Frage, wo genau denn der Unterschied zwischen dem FSJ und dem BuFDi liegt. Dabei stellte sich heraus, dass mit dem BuFDi de facto eine Parallelkonstruktion zu dem bereits seit Jahrzehnten bestehenden FSJ entstanden ist. In der Diskussion stellte sich schnell heraus, dass diese für alle Beteiligten unübersichtliche Struktur zweier paralleler Freiwilligendienste nicht zielführend ist. Aus diesem Grund zeigten sich die Freien Demokraten entschlossen, diese Struktur zu vereinfachen und FSJ sowie BuFDi zusammenlegen zu wollen. Dazu wird der FDP Kreisverband beim kommenden Landesparteitag einen Antrag einbringen.

Die Freiwilligendienste bieten gegenüber dem Zivildienst aber durchaus Vorteile, insbesondere sind die Aufgabenfelder, in denen sich der Freiwillige engagieren kann, vielfältiger geworden. Der Einsatz der Zivildiener sei in den letzten Jahren vor Aussetzung des Zivildienstes laut Kurz dadurch immer schwieriger geworden, dass die Dienstzeiten stetig verkürzt wurden - zuletzt auf nur noch sechs Monate. Bedenkt man die Zeit, in der die Zivildiener vor ihrem Einsatz noch ausgebildet werden mussten zzgl. der Urlaubsansprüche, so war ein effektiver Einsatz nur für einen Bruchteil der tatsächlichen Dienstzeit möglich. Dies habe sich durch den Bundesfreiwilligendienst verbessert. Zugleich wies Kurz jedoch auch darauf hin, dass seine Organisation durch den Wegfall des Zivildienstes nun merklich weniger „Kleinere Hilfeleistungen“ durchführe, zu denen beispielsweise Einzelbetreuungen oder Einkaufsfahrten gehören. „Das Bedürfnis für diese Leistungen ist immer noch da“, sagte Kurz, der erklärte, dass diese Dienste nun vor allem aus finanziellen Gründen nicht mehr durchgeführt werden könnten: Durch den Wegfall des Zivildienstes seien die angesprochenen Leistungen für die Betroffenen meist einfach nicht mehr bezahlbar.

„Jedes Jahr müssen wir im Roten Kreuz in Bayern ungefähr 400 Anfragen von jungen Menschen ablehnen, die gerne einen der beiden Freiwilligendienste leisten würden“, machte Kurz ein weiteres Problem deutlich. Dies liege daran, dass es ein Gesamtkontingent an Stellen für diese Dienste gibt. Es sei beschämend, wenn sich Jugendliche als Freiwillige für die Gesellschaft einbringen wollen und dies dann trotz dringendem Bedarf an der mangelnden Finanzierung scheitert. Das bestehende System mit festen Kontingenten sei auch zu unflexibel für Jugendliche, die sich oftmals kurzfristig entscheiden, so Kurz. „Auch hier könnte durch eine Zusammenlegung von Freiwilligem Sozialen Jahr und Bundesfreiwilligendienst sicherlich Abhilfe geschaffen werden“, zeigt sich FDP-Kreisvorsitzender Alexander Reich mit Hinblick auf den geplanten Antrag auf Zusammenlegung beider Dienste zuversichtlich.

Die Frage, ob die Wohlfahrtsorganisationen die Einführung eines verpflichtenden sozialen Jahres befürworten, verneinte Kurz eindeutig: „Wir sprechen uns klar gegen einen solchen Pflichtdienst aus, Zwang ist grundsätzlich keine gute Grundlage für einen einfühlsamen Umgang mit hilfsbedürftigen Mitmenschen“, wozu der Bad Reichenhaller FDP-Stadtrat Gerhard Schröter meint: „Ein Pflichtdienst analog zum Wehrdienst ist meines Erachtens nur zur Existenzsicherung der Landesfunktion einzufordern. Nur dafür gibt es in der staatsbürgerlichen Gesellschaft Verständnis und Akzeptanz. Derzeit funktioniert das nicht und kommt somit nicht zur Anwendung.“

Zum Abschluss der angeregten Diskussion gab Tobias Kurz noch einen Ausblick auf die Zukunft der Pflege in Deutschland und machte deutlich, dass es in diesem Bereich sowohl großes Potential als auch große Herausforderungen gibt bzw. geben wird.

Pressemitteilung FDP Berchtesgadener Land

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