Ehrliche Worte über die Lage in Tittmoning

Trotz vieler Helfer: "Der Frust bei den Flüchtlingen wächst"

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Tittmoning - "Es läuft nicht immer alles rund", gestand Johannes Lanser - das Bindeglied zwischen Flüchtlingen und Stadtverwaltung. Nun gab er einen Einblick hinter die Kulissen.

Mit aktuell 65 Flüchtlingen hat Tittmoning im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden im Landkreis nicht all zu viel zu schultern. Es gibt viele gute Ansätze "und erfreulicherweise läuft alles recht geräuschlos ab", wie Bürgermeister Konrad Schupfner meint. "Aber nicht immer läuft alles rund", sagt der, der es wissen muss: Johannes Lanser, zuständig in der Stadtverwaltung für die Asylbewerber in Tittmoning.

Ein Hungerstreik konnte abgewendet werden

Das größte Problem: Die langen Wartezeiten, bis die Asylverfahren geklärt sind. "Die Frustration wächst, weil manche schon über ein Jahr in einem ungewissen Status sind", so Lanser auf der Stadtratssitzung am Dienstag. Während es bei Syrern meist schneller geht, müssten Pakistani oder Afghanen oft lange warten. Auch ein Hungerstreik wurde von Tittmoninger Asylbewerbern deswegen schon angedroht.

Über 30 Syrer und gut 20 Afghanen machen der Mehrheit der Flüchtlinge in der Grenzstadt aus. Die Übrigen kommen aus Pakistan, Nigeria und Irak. 14 von ihnen haben bereits einen positiven Asylbescheid, wiederum zehn davon haben auch ihre eigenen vier Wände gefunden. Der Großteil wohnt in Flüchtlingsunterkünften in der Florianistube am Stadtplatz und im Weiler MayerhofenDen Fall einer Abschiebung gab es in Tittmoning bisher noch nicht.

So steht es um die Integration am Arbeitsmarkt

"Zwei haben einen fixen Arbeitsvertrag, zwei eine Lehre und vier momentan ein Praktikum. Das sind bei weitem nicht alle, ist aber ein guter Anfang", sagt Johannes Lanser. Auch bei der Essensausgabe im Kindergarten sei ein Asylbewerber schon auf Ein-Euro-Basis angestellt gewesen: "Es war noch keiner bei mir im Büro, der sich nicht nach Arbeitsmöglichkeiten erkundigt hatte."

Ein Problem sei, dass nicht alle der Asylbewerber lesen und schreiben könnten. Doch darum kümmert man sich: Ganze 65 aktive Ehrenamtliche helfen bei der Integration mit. Manch andere Flüchtlinge aus dem Landkreis, deren Quartiere aufgelöst wurden, wünschten sich sogar, nach Tittmoning verlegt zu werden "weil die Betreuungslage sehr gut ist".

Integrationsgesetz sorgt für Frust

Aber auch das neue Integrationsgesetz der Bundesregierung "sorgt für Frust" bei manchen der Asylbewerber: genauer gesagt die Wohnsitzauflage. Auch nach einer Anerkennung dürfen sich arbeitslose Flüchtlinge drei Jahre lang nicht selbst aussuchen, wo sie wohnen. "Das sorgt für Unmut, weil viele zu Familienangehörigen ziehen wollen, die wo anders wohnen", so Lanser.

"Den Menschen jetzt in die Selbstständigkeit zu helfen wird sich später auszahlen", meint der Asyl-Koordinator. Auch erwähnt er, dass in Tittmoning bisher keine angezeigte Straftat gegen einen Flüchtling vorliegt. "Die Sorgen und Ängste vieler Leute waren unbegründet. Vielen fallen sie eigentlich gar nicht auf", meinte Stadtrat Glück abschließend zufrieden.

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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